Rußspruen nach einem Sprengstoffanschlag auf eine Moschee in Dresden
Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Prozess am Landgericht Dresden Experte sagt aus: Sprengsatz vor Moschee in Dresden war "unkontrollierbar"

Rußspruen nach einem Sprengstoffanschlag auf eine Moschee in Dresden
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Der Anschlag auf eine Dresdner Moschee im Herbst 2016 hätte nach Experteneinschätzung tödliche Folgen haben können. Das hat der Rechtsmediziner Markus Rothschild am Dienstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Sprengstoffattentäter am Dresdner Landgericht ausgesagt. Demnach seien am Tag des Vorfalls zwar weder die erzeugte Druckwelle noch die herumfliegenden Splitter lebensbedrohlich gewesen. Allerdings hätte die Rohrbombe einen Menschen töten können, wenn sie unmittelbar neben ihm explodiert wäre. Auch die entstandene Stichflamme hätte nach Meinung des Experten tödlich sein können.

Sprengsatz war "unkalkulierbar"

Am Dienstag wurden neben Rothschild auch zwei Sprengexperten als Gutachter gehört. Ein Fachmann aus dem Landeskriminalamt Sachsen berichtete, dass der verwendete Sprengsatz unkalkulierbar gewesen sei. Der Beschuldigte hatte zuvor angegeben, zwei der drei Rohrbomben vor deren Explosion "entschärft" zu haben. Tatsächlich waren zwei der drei Rohrbomben nicht detoniert. Die Experten stuften das aber eher als Zufall ein. Bei einer Rekonstruktion der Explosion gingen zwei Rohrbomben hoch.

Ein Gutachter aus dem Bundeskriminalamt sagte, man sei bei einem Test von der Wirkung der Rohrbombe überrascht gewesen: In dem Sprengsatz, der in einem Eimer mit Deckel steckte, befand sich auch Rohrreiniger. Rechtsmediziner Rothschild erklärte, wenn sich das feinkörnige Material durch die Detonation in eine Staubwolke verwandelt hätte, dann hätte der Rohrreiniger beim Einatmen ebenfalls tödliche Wirkung entfalten können.

Hintergrund Vor Gericht muss sich derzeit ein 31 Jahre alter Mann aus Dresden unter anderem wegen versuchten Mordes und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten. Er soll für die Anschläge auf die Fatih Camii Moschee und das Kongresszentrum in der Elbestadt am 26. September 2016 verantwortlich sein. Sie hatten kurz vor der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit bundesweit für Aufsehen gesorgt. Verletzt wurde bei den Explosionen niemand. Ermittler waren dem Angeklagten durch DNA-Spuren am Tatort auf die Spur gekommen. Er sitzt seit seiner Festnahme im Dezember 2016 in Untersuchungshaft. Der Monteur räumte ein, den Spreng- und Brandsatz gezündet zu haben. Allerdings habe er niemanden verletzen oder gar töten wollen. Der Prozess läuft seit Ende Januar.

Quelle: MDR/kp/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.07.2018 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 20:49 Uhr

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