26.05.2020 | 12:28 Uhr | Update Landgericht Dresden: Höchststrafe für Vater wegen Mordes an seinen Kindern

Ein Mann hat eine schwarze Maske im Gesicht und beugt sich zu seinem Anwalt herüber. Beide besprechen sich am 26.05.2020 im Landgericht Dresden. Das fällt wenige Minuten danach das Urteil gegen den Mann mit der Maske: 15 Jahre lebenslänglich, weil er seine beiden kleinen Kinder ermordet hat und sein Ex-Frau lebensgefährlich verletzte.
Vor Beginn der Urteilsverkündung besprach sich Laurent F. (li.) mit seinem Anwalt. Der Angeklagte kam mit schwarzer Geischtsmaske in den Saal des Landgerichts. Bildrechte: Christian Essler

Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod zweier Geschwister in Dresden ist deren Vater am Dienstag zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts wertete die Tötung der zwei und fünf Jahre alten Kinder als Mord und die Attacke auf deren Mutter als Mordversuch. Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt.

Damit kamen sie der Forderung der Staatsanwaltschaft nach. Nach Ansicht der Anklage wollte der Mann seine Familie aus verletzter Eitelkeit und Besitzanspruch auslöschen. Der Angeklagte habe Trennung und Verlust der Kinder nicht verwinden können und sich an seiner Frau rächen wollen.

Mutter hatte Angriff knapp überlebt

Die Richter waren überzeugt, dass der 56-Jährige die Taten plante, nachdem sich seine Ehefrau von ihm getrennt und die Kinder mitgenommen hatte. Die Kinder wurden gewürgt und als sie bewusstlos waren, sprühte er schnell härtenden Bauschaum in ihre Mundhöhlen. Ihre Mutter hatte eine Attacke knapp überlebt.

Während des Prozesses hatte der 56 Jahre alte Angeklagte in seinem letzten Wort die Verantwortung für den "Mord", wie er es nannte, übernommen. Zuvor hatte er lange zu seinen Taten geschwiegen und dann gesagt, er könne sich an keine Details erinnern.

Der Fall im Rückblick

Der fünf Jahre alte Leo und seine zweijährige Schwester Maja lebten seit der Trennung ihrer Eltern bei der Mutter. Regulär waren sie über Nacht zu Besuch beim Vater, einem gebürtigen Franzosen. Als die 27 Jahre alte Mutter, eine gebürtige Senegalesin, am Abend des 9. Mai mit ungutem Gefühl nach ihren Kindern sehen will, liegen diese leblos im abgedunkelten Schlafzimmer - und Laurent F. wartet auf seine Noch-Frau. Er attackiert sie bis zur Bewusstlosigkeit und bedroht sie. Als Passanten den Übergriff sehen und eingreifen, lässt er von ihr ab. Während des Prozesses wird klar, dass der Vater seine Kinder schon am Nachmittag erwürgt und den Bewusstlosen schnell härtenden Bauschaum in die Mundhöhlen gesprüht hatte. Die Kindsmutter ist traumatisiert und noch immer in Therapie.

Weitere Vorwürfe fallengelassen

Nachbarn in der Dresdner Neustadt beschrieben den Angeklagten als sehr eifersüchtig. Er soll seine Frau oft geschlagen und in der Wohnung eingesperrt haben. Im März 2018 floh die Kindsmutter ins Frauenhaus. Konflikte wegen des Umgangsrechts folgten. Letztlich durften die Kinder ihren Vater an zwei Tagen pro Woche und jedes zweite Wochenende besuchen. Für den Angeklagten kam das einer "Amputation" gleich, hieß es vor Gericht. Er habe stets nur das Beste für sie gewollt und dass er sich töten wollte.

Laurent F. im Landgericht Dresden
Bildrechte: xcitepress

Der gelernte Koch war wegen zweifachen sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Mit Blick auf das zu erwartende Urteil waren weitere Vorwürfe gegen ihn wegen Rauschgiftdelikten im Zusammenhang mit Drogenkurierfahrten fallen gelassen worden. Zudem wurde der Mann früher schon wegen Vergewaltigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Gutachter stellt dominantes Verhalten fest

Der Verteidiger des Angeklagten sprach im Prozess von einem psychischem Ausnahmezustand, der "Affekt" habe sich über Monate aufgebaut und zugespitzt. Laurent F. habe nicht akzeptiert, dass andere über ihn bestimmten. Ein forensischer Gutachter stellte bei dem Mann dominantes und aggressives Verhalten nach Trennungen fest. Er überhöhe sich selbst und werte andere ab. Der Experte erklärte ihn für voll schuldfähig.

Quelle: MDR/kk/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.05.2020 | 19:00 Uhr

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