Schild am Arbeitsgericht in Leipzig
Bildrechte: IMAGO

Sächsischer Leiharbeiter in München Kündigung wegen Rassismuskritik unwirksam

Mit groben Beleidigungen hatte ein Vorarbeiter im BMW-Werk in München wiederholt Untergebene beschimpft. Das wollte ein Leiharbeiter aus Dresden nicht hinnehmen und wehrte sich. Einige Tage später meldet sich nun auch BMW zu Wort und weist die Kritik von sich.

Schild am Arbeitsgericht in Leipzig
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Das Münchner Arbeitsgericht hat der Klage eines Leiharbeiters aus Sachsen gegen seine Kündigung stattgegeben. Der gebürtige Dresdner hatte sich bei BMW in München gegen rassistische Äußerungen eines Vorgesetzten über Kollegen zur Wehr gesetzt. Daraufhin war er von BMW nicht weiter beschäftigt und von seiner Leihfirma entlassen worden - angeblich wegen schlechter Arbeitsleistung. Dagegen klagten der Leiharbeiter und die Gewerkschaft Verdi. Das Arbeitsgericht gab ihnen am Freitag Recht. Die Kündigung ist unwirksam. Ein Arbeitnehmer müsse rassistische Beleidigungen nicht hinnehmen, selbst wenn sich diese nicht gegen ihn selbst richten.

Leiharbeiter war noch in der Probezeit

Der Dresdner hatte bei BMW gerade einmal zwei Wochen gearbeitet. Er befand sich noch in der Probezeit. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi hat sein Vorarbeiter immer wieder andere Kollegen mit Sprüchen wie "Bimbo", "Nigger", "diese Juden", "Behinderte" und ähnlichem beleidigt. Und das vollkommen ungeniert unter Nennung des jeweiligen Namens. Der Leiharbeiter hörte sich das eine Weile an, bis es ihm zu viel wurde. Er sagte, dass er solche Töne nicht mehr hören wolle.

Keine Unterstützung von den Vorgesetzten

Anschließend habe für ihn ein Spießrutenlauf begonnen. So habe ihm sein Vorgesetzter, der ihn eigentlich in die Arbeit einweisen sollte, wichtige Informationen vorenthalten. Stattdessen sei er zum Meister gegangen und habe sich beschwert. Wie Verdi mitteilte, haben weder der Meister und der hinzugezogene Abteilungsleiter von BMW noch die Verantwortlichen der Leiharbeitsfirma Brunel den Leiharbeiter unterstützt. Vielmehr sei er von einem Termin zum nächsten zitiert und beschimpft worden. Wenig später wurde er laut Gewerkschaft von BMW abgemeldet und keine 24 Stunden später kündigte ihm auch die Leiharbeitsfirma.

BMW ist der Fall nicht bekannt

Über den Kurznachrichtendienst Twitter meldete sich am Dienstag BMW selbst zu Wort. Unter anderem heißt es dort: "...Bei uns wird niemand gekündigt oder als Zeitarbeitskraft nicht weiterbeschäftigt, weil er sich gegen rassistische Äußerungen zur Wehr setzt oder diese zur Sprache bringt." Man sei von der Pressemitteilung des Arbeitsgerichtes München vom 1. März 2019 sehr irritiert. "Die BMW Group war weder am Prozess beteiligt, noch wurden Vertreter des Unternehmens angehört oder Zeugen befragt. Daher haben wir keine Kenntnis darüber, auf welcher Grundlage das Arbeitsgericht München davon ausgeht, dass zumindest von einem Kollegen rassistische Äußerungen gefallen sein sollen." Zum derzeitigen Zeitpunkt deute nichts darauf hin, dass sich der Sachverhalt so zugetragen habe, wie er in Presseberichten oder der Pressemitteilung des Gerichts dargestellt wurde, heißt es in der Mitteilung.

Aktenzeichen: AZ: 33CA8894/18

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.03.2019 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 16:48 Uhr

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