17.01.2020 | 13:46 Uhr Bauern und Landesregierung wollen im Gespräch bleiben

Traktorschlange in Dresden.
Laut Initiatoren haben am Freitagmorgen rund 1.000 Traktoren den Verkehr im Innenstadtbereich blockiert. Bildrechte: xcitepress

In Dresden haben am Freitagmorgen rund 1.000 sächsische Landwirte mit ihren Traktoren die Straßen in der Innenstadt blockiert. Der Protest richtete sich gegen die aus Sicht der Bauern zu strengen Vorgaben der Politik. Autofahrer und Politiker reagierten gelassen.

Zustimmung unter den Pendlern

Trotz der teils massiven Verkehrsbehinderungen zeigten sich die Autofahrer verständnisvoll. "Für den Berufsverkehr ist es zwar nicht so toll und ich komme zu spät auf Arbeit, aber ich finde die Demonstration klasse", erklärte ein Fahrer. Ein Pendler stimmte den Forderungen der Bauern zu: "Wichtig ist, dass sich die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte verbessert und das Preissegment passend zu den Produkten gestaltet wird".

Ich komme aus einer ländlichen Region. Ich kann es verstehen, dass die Bauern für ihre Rechte protestieren.

Autofahrerin aus Dresden

Nur ein Autofahrer sei aggressiv geworden, bilanziert Initiator Marc Bernhardt. "Wir haben einen Traktorfahrer dabei gehabt, der hat ein Ei an die Scheibe bekommen", so der Organisator. Trotzdem, meint Bernhardt, "bei den zehn Minuten die es heute länger dauert, müssen sich alle gedulden".

Landwirte "Andere Formen nicht möglich"

Traktor mit Transparent fährt durch Dresden.
Mit Transparenten forderten die Landwirte ein Abbau der strengen Regelungen der Politik. Bildrechte: MDR/xcitepress

Viele Bauern sind dem Aufruf des Vereins "Land schafft Verbindung" gefolgt, um zu zeigen, "dass etwas passieren muss". Ein Großteil der Landwirte fühlt sich überarbeitet und seitens der Politik eingeschränkt. "Die Politik geht gänzlich darüber hinweg, was wir tun für die Gesellschaft", äußert sich ein Demonstrant. "Aber auch für uns selbst - unser Umfeld, unsere Tiere und unsere Familien". Die Bauern wissen laut eigener Aussage, worauf es beim Tier- und Umweltschutz ankommt. Das Problem sei aber, "dass der Gesetzgeber Rahmenbedingungen stellt, die kaum zu erfüllen sind", meint ein Landwirt. "Wir werden an ideologischen Wunschvorstellungen gemessen, denen wir gar nicht nachkommen können".

Politik lädt zu Gesprächen ein

Nach dem Traktorprotest zogen die Landwirte zu einer Kundgebung vor das sächsische Umweltministerium. Staatssekretär Gerd Lippold (Grüne) erklärte: "Die Landwirte sind die Leidtragenden eines harten Preiswettbewerbes, der auf ihren Schultern ausgetragen wird".

Bauerndemo in Dresden
Nach der Straßenblockade versammelten sich die Landwirte vor dem Sächsischen Umweltministerium. Bildrechte: xcitepress

Trotzdem könne Landwirtschaft nur funktionieren, wenn Klima- und Umweltanforderungen erfüllt werden. "Das geht nur, wenn man gemeinsam nach Lösungen sucht", so der Staatssekretär. Da sowohl Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) als auch Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) verhindert waren, entschied sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) spontan, die Kundgebung zu besuchen. "Wir werden im Gespräch bleiben, dass sage ich Ihnen stellvertretend zu", kündigte Dulig an. "Das heißt aber noch lange nicht, dass wir Ihnen immer Recht geben müssen. Wir können ja auch positiv darüber streiten."

Streitpunkt Nitratbelastung

Der größte Streitpunkt könnte die Nitratbelastung des Grundwassers werden. Zwar sei die Belastung an einigen Stellen zu hoch, so Initiator Marc Bernhardt, eine pauschale Aussage könne jedoch nicht getroffen werden. Stattdessen sprechen sich die Landwirte für eine Überprüfung des Messstellennetzes in Sachsen aus. Derzeit fließen nur die Ergebnisse von 37 Messstellen in eine Nitratkarte ein. Laut den Organisatoren von "Land schafft Verbindung" gäbe es jedoch rund 500 Messstellen im Freistaat. Die seien aber größtenteils Eigentum der Bauern und müssten daher genau geprüft werden, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. "Das Problem ist fachlich unglaublich komplex. Aber wir werden es angehen", so Lippold.

Quelle: MDR/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.01.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2020, 13:46 Uhr

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