Bauprojekte Radebeul
An diesem Neubau entzündete sich der Protest. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

12.10.2019 | 08:00 Uhr Nach Kritik: Stadt Radebeul will gewachsene Strukturen besser sichern

Nach dem Anwohnerprotest gegen einen Neubau in Radebeul hat die Stadtverwaltung die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Bau widerspreche nicht der sogenannten Gestaltungsanleitung der Stadt. Gleichwohl wolle man genauer hinschauen, was und wie gebaut wird.

Bauprojekte Radebeul
An diesem Neubau entzündete sich der Protest. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadt Radebeul hat Kritik an ihrer Wohnungsbaupolitik zurückgewiesen. Nach einem Anwohnerprotest vor zwei Wochen, der sich gegen eine teure Neubaumaßnahmen richtete, bezeichnete die Stadt auf Anfrage von MDR SACHSEN die Kritik als "ungerechtfertigt". Nur ein kleiner Teil der neu entstehenden Wohnhäuser entspreche nicht den Gestaltungsanleitungen. Die Anwohner befürchten, dass mit den teuren Neubauten nicht nur die Mieten unerschwinglich werden, sondern auch Grünflächen und der Gartenstadt-Charakter verschwinden.

Schriftlich teilte die Stadt dazu mit:

"Nur ein kleiner Teil ist auf freiwilliger Basis nicht 'einzufangen'. Insofern können wir natürlich die Anwohner verstehen, gleichwohl es auch gegen größere (und heute unter Denkmalschutz stehende) Gebäude der Gründerzeit zur Erbauungszeit massive Kritik aus der Bevölkerung gab. Die Angst vor einer Beeinträchtigung der freien Aussicht über den vermeintlichen Wertverlust des eigenen Grundstückes wird verallgemeinernd schnell zu einer 'Zerstörung der Lößnitzstadt'. Die Schuld daran wurde früher und wird auch heute schnell 'der Stadt' unterstellt, die einen solchen 'Frevel' nicht zu verhindern wusste. Meist sind diese Vorwürfe (wie in vorliegendem Fall) ungerechtfertigt."

Jeder Bauherr hat es letztlich selbst in der Hand zu entscheiden, wie er die gebaute Umwelt in Radebeul mitgestalten will.

Ulrich Schröder Amtsleiter Stadtplanungs- und Bauaufsichtsamt im Amtsblatt 09/2019
Eine schöne Villa steht in einem Garten.
In Radebeul gibt es zahlreiche Villen. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Weil die große Nachfrage nach Wohnungen im Speckgürtel um Dresden in absehbarer Zeit nicht nachlassen wird, sei auch die Stadt Radebeul gefordert, "sich diesem zu stellen", erklärte die Stadt auf Anfrage. Entsprechende Konzeptionen sollen fortgeschrieben werden. Die Stadt räumte zugleich ein, dass die bundesweit empfohlene "maßvolle Innenverdichtung" dazu führen kann, dass freie Flächen bebaut werden. "Gegenwärtig wird die Erarbeitung von Satzungen geprüft, die den Erhalt historisch gewachsener Strukturen (wie z.B. in der Ober- und Niederlößnitz) noch besser sichern kann."

Auf die Frage, was die Stadt tut, um das Wohnen bezahlbar zu machen, gab es eine ausweichende Anwort. Wörtlich heißt es:

"Nach den Aussagen nicht nur des Sächsischen Mieterbundes sollen die Mietkosten bruttokalt nicht über 30 % des Haushaltsnettoeinkommens liegen. Im Landkreis Meißen betragen diese aktuell (2018) bezogen auf einen Durchschnittshaushalt für eine 3-Zimmer-Neubauwohnung 22,3 % (Quelle: tagesschau.de)."

Stadt: Mietniveau moderat gestiegen

Insgesamt gesehen seien die Mieten in Radebeul moderat gestiegen, so die Stadt. So mussten Mieter im Jahr 2001 für Wohnungen, die vor 1918 enstanden sind (60 bis 100 Quadratmeter), in der höchsten Ausstattungsklasse laut Mietspiegel durchschnittlich 6,60 Euro/Quadratmeter bezahlen. 2019 lag dieser Wert demnach bei 7,20 Euro. Für Wohnungen der gleichen Größe, die zwischen 1991 und 2004 gebaut wurden, entwickelte sich der Mittelwert von 5,39 auf 6,35 Euro.

Am 27.09. wurde das Protestbanner am Kran aufgehängt.
Ende September wurde das Protestbanner am Kran aufgehängt. Bildrechte: Martin Oehmichen

Auch die Kritik, dass immer mehr Grünflächen verschwinden, weist die Stadt Radebeul zurück. "Die innerstädtisch vorhandenen Grünflächen wurden in den letzten 10 Jahren bis auf ganz wenige 'Problemfälle' saniert", heißt es. "Und in den neuen großen Wohngebieten (wie z.B. Waldstraßenviertel) um neue Grünanlagen ergänzt. Zudem wurden viele noch vorhandene in Nutzung stehende innerstädtische landwirtschaftlichen Flächen erhalten."

In Radebeul hatten Einwohner vor zwei Wochen eine Protestaktion gegen die Wohnungsbaupolitik der Stadt gestartet. Sie befestigten auf einem Baukran im Stadtteil Oberlößnitz ein Plakat mit der Aufschrift "Rettet unsere Gartenstadt". Der Quadratmeterpreis der dort neu entstehenden Wohnungen auf dem Augustusweg/August-Bebel-Straße soll laut Immobilienbüro im Durchschnitt 4.700 Euro betragen.

Wer sich persönlich an die Stadtverwaltung wendet, wird auch angehört. Eine Kommunikation über die Presse oder soziale Medien findet nicht statt.

Ute Leder Pressesprecherin

Bautätigkeit endlich - nicht mehr als 35.000 Einwohner

In Radebeul wird seit Jahren kräftig gebaut. So werden laut dem Stadtentwicklungskonzept jährlich ca. 100 neue Wohnungen bezugsfertig. Das betreffe jedoch keine Sozialwohnungen, da der Bau solcher Wohnungen aufgrund der Landesgesetzgebung nur in Dresden und Leipzig stattfinden könne, so die Stadtverwaltung. Die Bautätigkeit sei jedoch endlich. Die Einwohnerzahl von 35.000 solle nicht überschritten werden. Zuletzt lag sie bei etwas über 34.000.

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Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.09.2019 | 05:30 Uhr in den Regionanachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2019, 08:00 Uhr

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