19.05.2020 | 19:47 Uhr | Update René Wagner kehrt ins Karl-May-Museum zurück - Belegschaft entsetzt

Das Karl-May-Museum Radebeul durchlebt unruhige Zeiten. Innerhalb von sechs Jahren haben die Mitarbeiter drei Chefs erlebt, jeder Weggang ein Schock. Mit der Kündigung des letzten Museumsleiters, Christian Wacker, nahm die Diskussion um die künftige Ausrichtung des Museums und den Vorgängen im Stiftungsvorstand Fahrt auf. Wacker erhob schwere Vorwürfe und wurde nun vorzeitig vom Posten des Geschäftsführers abberufen. Sein Nachfolger ist ein alter Bekannter. Die Belegschaft zeigt sich geschockt.

Impressionen aus dem Karl-May-Museum Radebeul
Bildrechte: MDR

Sechs Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Karl-May-Museum Radebeul kehrt René Wagner an seine alte Wirkungsstätte zurück. Der Vorstand der Karl-May-Stiftung hat den ehemaligen Direktor am Dienstag einstimmig zum Interimsgeschäftsführer für die Stiftung und das Museum bestellt, wie der Vorstandsvorsitzende und Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche nach einer Sitzung mitteilte. Der bisherige Museumschef Christian Wacker wurde zugleich vorzeitig als Geschäftsführer abberufen.

Karl-May-Museum Radebeul - ein Mann mit schwarzem Hut und schwarzen Anzug steht vor einem Haus
René Wagner war im Dezember 2013, wenige Monate vor seiner Pensionierung, nach 29 Jahren als Museumsdirektor entlassen worden. Nun kehrt er zumindest zeitweise zurück. Bildrechte: MDR SACHSEN

Wagner macht den Job ehrenamtlich

Mit René Wagner habe eine Person gewonnen werden können, die gut in der Karl-May-Szene vernetzt sei und "Karl May in all seiner Vielfalt kennt", so Wendsche. René Wagner habe sich bereiterklärt, bis zum 30. Juni unentgeltlich das Museum zu leiten. Am 27. Juni wird das Kuratorium der Karl-May-Stiftung zusammenkommen und über personelle Veränderungen im Vorstand beraten. Bis dahin sollen die "öffentlich erhobenen massiven Vorhaltungen" von Christian Wacker analysiert werden, so Wendsche.

Dem amtierenden Vorstand ist [...] daran gelegen, die Situation von Stiftung und Kuratorium in einer durch den Weggang von Herrn Dr. Wacker samt Begleitumständen sowie durch die Auswirkungen von Corona schwierigen Zeit zu beruhigen und zu stabilisieren; gerade auch im Interesse der engagierten Belegschaft.

Bert Wendsche Vorstandsvorsitzender Karl-May-Stiftung

Mitarbeiter wollen Zusammenarbeit verweigern

Doch von Beruhigung kann keine Rede sein. Die Mitarbeiter des Museums zeigten sich angesichts der Personalentscheidung entsetzt. "Wie kann es sein, dass man uns einen Interimsgeschäftsführer vor die Nase setzt, dem man 2013 unter anderem wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten gekündigt hat", heißt es in einer am Abend verbreiteten Mitteilung. "Nach eben dieser Nachfrage unsererseits meinte Herr Wendsche, alle jetzigen Vorstände waren damals nicht dabei und hatten dementsprechend mit der Kündigung Herrn Wagners nichts zu tun."

Was für ein Possenspiel! Wir erklärten einstimmig, dass es keine Zusammenarbeit mit uns und Herrn Wagner geben kann. Des Weiteren sind wir sehr besorgt um die Außenwirkung, die eine Wiedereinstellung von Herrn Wagner besonders in dieser Krisensituation zur Folge hätte.

Mitarbeiter Karl-May-Museum

Die Mitarbeiter kritisieren zudem, erneut nicht ernst genommen zu werden. "Alle uns bewegenden Fragen und Probleme wurden nicht besprochen." So seien sie in großer Sorge vor einer Insolvenz. "Fragen, wie mit der Kurzarbeit weiter umgegangen werden soll, wurden schlichtweg nicht gehört", heißt es weiter.

Wacker mit schweren Vorwürfen an den Vorstand

Der abberufene Museumschef Christian Wacker hatte vor knapp zwei Wochen schwere Vorwürfe gegen den Vorstand der Karl-May-Stiftung - der Trägerin des Museums - erhoben und angekündigt, das Museum zum 31. Mai dieses Jahres zu verlassen.

Christian Wacker
Der Archäologe Wacker hatte im April 2018 sein Amt angetreten. Er blieb nur zwei Jahre. Bildrechte: Christian Wacker

Wacker sprach in einem öffentlichen Schreiben von Mobbing und unverhältnismäßiger Einmischung in die Museumsarbeit. "Als promovierter Kulturwissenschaftler erachte ich es als Anmaßung, mich in stundenlangen Telefonaten oder seitenlangen E-Mails dorfschulmeisterlich belehren lassen zu müssen", so Wacker. Er kündigte an, zum 1. Juni eine Stelle in Kuwait antreten zu wollen.

Doch nicht nur Wacker, sondern auch die Belegschaft und der Förderverein des Museums übten heftige Kritik. Die Mitarbeiter fühlen sich von den Vorgängen übergangen und respektlos behandelt. Sie haben inzwischen einen Betriebsrat gegründet. Der Förderverein dankte Wacker für die Einblicke in die inneren Abläufe und entzog dem Vorstand das Vertrauen. "In den letzten sechs Jahren ist es nun zum dritten (!) Mal geschehen, dass der Leiter des Museums für seine Person die Reißleine rechtzeitig zieht oder plötzlich kommentarlos gekündigt wird", so der Förderverein in einer Mitteilung.

Karl-May-Stiftung Karl-May-Stiftung
Die Karl-May-Stiftung wurde 1913 von Karl Mays zweiter Ehefrau Klara May gegründet. Sie kam damit dem testamentarischen Willen Mays nach. Die Stiftung ist Trägerin des Karl-May-Museums und Herausgeberin der Schriftenreihe. Seit 2007 ist die Stiftung neben dem Karl-May-Verlag und der Karl-May-Gesellschaft an der Herausgabe der Historisch-kritischen Ausgabe beteiligt.

Und so setzt sich das Gremium aktuell zusammen:

Interimsgeschäftsführer: René Wagner

Vorstand: Bert Wendsche (Vorstandsvorsitzender), Thomas Grübner, Ralf Harder, Klaus Voigt, ausgeschieden: Werner Schul

Kuratorium: Robert Straßer (Präsident), Volkmar Kunze (Vizepräsident), Ekkehard Bartsch, Thomas Grafenberg, Henry Hasenpflug, Erich Homilius, Ingwert Paulsen, Michael Petzel, Joachim Sacher, Philipp Schall, Karsten Wagner, René Wagner, Helmut G. Walther, Marco Wanderwitz, Florian Schleburg
Quellen: Homepage Karl-May-Museum, Magazin Karl May & Co.

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Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.05.2020 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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