Menschen vor einer Bühne
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13.06.2019 | 10:15 Uhr Rammstein in Dresden: Perfekt, brachial und rockig

Rammstein-Konzerte sind dafür bekannt, dass sie nicht ohne gigantische Show und mit viel Feuer auskommen. Vor der Show in Dresden wurde gestern kurzzeitig erstmal der Innenbereich des Stadions geräumt. Schuld war das Unwetter. Dann ging es aber los, brachial und rockig. MDR SACHSEN-Kulturredakteur Andreas Berger war mit im Publikum und hat das zweistündige Rammstein-Spektakel für uns zusammengefasst.

von MDR SACHSEN-Kulturredakteur Andreas Berger

Menschen vor einer Bühne
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Till, das Krokodil? Fragst du dich zuerst, wenn sich nach verklungener Eröffnungsfanfare und dem langsam legenden Begrüßungsrauch, Till, der Zeremonienmeister eines gut zweistündigen Rammstein-Spektakels, zum Mittelpunkt der Bühne bewegt - mit Schnüren behangen wie ein General in seinem bis zu den Füßen reichenden Mantel.

Die Beats ballern ...

Besucher eines Rammstein-Konzertes stehen vor dem Rudolf-Harbig-Stadion und schützen sich vor dem Regen.
Vor dem Konzert kam das Unwetter: Besucher des Rammstein-Konzerts hoffen am 12. Juni 2019 vor dem Rudolf-Harbig-Stadion auf ein trockenes Konzert: Es lief alles nach Plan. Bildrechte: dpa

... und Deutschlands international erfolgreichste Band eröffnet mit "Was ich liebe". Einem Song vom neuen mittlerweile siebenten, allerdings unbetitelten Studioalbum. Und was gilt als Estes bei Rammsteintexten? Genau zuhören! Denn "Was ich liebe" ist kein Kompliment an die 25.000 Zuschauer - im Refrain heißt es: Was ich liebe, das wird verderben. Aber da rollt schon längst ein bassgeprägter Sound-Bulldozer ins ausverkaufte Harbigstadion, so dass selbst mein abgestellter Bierbecher immer weiter von mir wegrückt.

Wer zu diesem Zeitpunkt noch immer darüber nachdenkt, ob der Bühnendesigner von Rammstein mehr vom Filmklassiker Metropolis inspiriert ist oder von Ferropolis, der Stadt aus Eisen, bekommt sofort bei "Links 2 3 4" einen Stechschritt-Rhythmus auf die Ohren, der signalisiert, dass das Berliner Ausnahme-Sextett zwar zackig mit Nebel, Feuer und Knall umgehen kann, sein Herz aber laut Textzeile links schlägt.

Brachial-Rock-Spektakel in Super-XXL-Lautstärke 

Die Band Rammstein bei einem Konzert
Actiongeladen: Rammstein am 12. Juni 2019 in Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rammstein-Neulingen sei dringend geraten, vor Betreten des außergewöhnlichen Brachial-Rock-Spektakels in Super-XXL-Lautstärke ins Textbuch zu schauen, um das gelegentliche Wortspiel auf der Rasierklinge nicht misszuverstehen, wie beispielsweise beim Deutschland-Lied des neuen Albums. Das gibt's an diesem Abend sogar einmal in einer an die Elektropioniere von Kraftwerk erinnernden Version, zu der sich vier der Rammsteiner in Anzügen mit Leuchtdioden roboterartig bewegen.  

Überraschend, diese Referenz, genauso wie der Wechsel auf eine wesentlich kleinere Zweitbühne, um von zwei französischen Pianistinnen nur am Klavier begleitet Engel im handyerleuchteten Publikum zu suchen. Und während der eine oder andere noch über die Textzeile nachdenkt: "Gott weiß, ich will kein Engel sein" - lassen die Tausenden auf der Spielfläche drei Schlauchboote samt Musikern zurück zur Bühne wogen.

"Ihr wart ein geiles Publikum"

Und sofort kommt der Startschuss zu Titel Nummer 17, "Ausländer", in den Lindemann mal kurzerhand ein "Hier in Dresden" improvisiert. Ganz zum Schluss, nach über 20 Titeln, gehen die sechs Rammstein-Musiker vor dem Publikum fast auf die Knie. Till Lindemann röhrt noch: "Ihr wart ein geiles Publikum" und plötzlich ist's zappenduster und beinahe still. Beinahe. Jetzt folgt die Gewöhnungsphase des Hör-Apparates wieder an die Normalität, wie wenn man aus dem Dunkeln kommend durch grelles Licht aufgescheucht wird. Damit gab's in den zwei Stunden reichlich viel - perfekte Spielerei.

Man muss es mögen

Einer der schönsten Effekte war, als Lindemann mit einer Armbrust gesteuerte Pfeile in den Stadionhimmel schießt, die als Kettenreaktion ein Feuerwerk nach dem anderen entzünden. Gigantomanie. Aber man muss es auch mögen. Den Sound, die spürbare Hitze der lodernden Flammen bis unters Stadiondach, die Lautstärke, aggressiv wie ein gefräßiges Krokodil.   

Quelle: MDR/in

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Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.06.2019 | 5-10 Uhr

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10 Kommentare

15.06.2019 01:36 Maiki 10

War nur einmal live dabei, in Riesa "Mutter". For eine Band aus der Mitte Deutschlands trifft es Rammstein immer gut. Gesellschaftskritisch, Sarkastisch und Ironisch. Vor allem nehmen sie sich selbst auf die Schippe. Gepaart mit geilem Sound und einer fantastischen Bühnenshow. Muss man live erlebt haben. Interssant und lustig finde ich die Vorstellung, dass nun bei einer Welttournee, die Fans "Deutschland" rufen. Herr Kretschmer weiß nämlich, dass es auch in Russland Konzerte geben wird :) . Respekt an Beide!

14.06.2019 19:59 Omsewitzerin 9

Eine der besten Bands , die ich kenne. Großartige Show und Mega Sound. Leider hatte ich keine Karte, aber ich war vor vielen Jahren bei 2 Konzerten, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben.

13.06.2019 23:32 part 8

Obwohl Rammstein als späterer Nachbau von Ruoska/ Finnland erscheinen, man vergleiche z. B. die Logoschrift, sind ihre gesellschaftskritischen süffisanten Songs durch nichts zu übertreffen. Selbst US- Amerikaner, die null Text verstehen mögen die Performence der Band staatenweit. Die mediale Aufregung über das neue Deutschland- Video bezog sich dabei nur auf einzelne Szenen, wobei der Schluß viel deutungsreicher war, Hunde, Hunde über alles...was aber niemand kommentieren wollte oder registrierte.

13.06.2019 21:03 Michael Schmidt 7

Das Konzert hat wieder mal Maßstäbe gesetzt, vor allem in der Visualisierung von Musik. Meine Hauptkritik: die "Sächsische Zeitung" am Folgetag. Hier darf sich ein unprofessioneller Kritiker namens Michael Wolffsohn erlauben, Rammstein in die rechte Ecke zu positionieren, sie als "bildbrutale Moralprediger" zu bezeichnen und ihre Texte als "geistigen Müll "zu bezeichnen. Dieser Kritiker, der übrigens auch schon die Bundeswehr als "Ossifiziert" abgekanzelt hat, produziert selbst geistigen Müll en gros und die "SZ" veröffentlich diesen auch noch am Folgetag des grandiosen Konzertes. Bitte etwas mehr Professionalität und Taktgefühl.....

13.06.2019 15:10 Johannes Piontek 6

Diskussionen, Provokationen, mehrdeutige Texte, Ohrwürmer - also für eine Rockband hat Rammstein alles richtig gemacht. Das gab's doch schon immer (Stones, Kiss, Clash...) Gut so.

13.06.2019 14:43 Sachse 5

Was für eine Luftverschmutzung. Bin gespannt was die Grünen dazu sagen, eigentlich kann nur Greta helfen.

13.06.2019 14:31 Tina 4

Tolles geiles Konzert. Man sollte hingehen, wenn man dies wirklich mag. War atemberaubend und irre Pyrotechnik Show. Wurden nicht enttäuscht.

13.06.2019 14:24 Ralf Rudek 3

Vielen Dank für das Mega Konzert. Meine Erwartungen waren hoch und wurden in keinster Weise enttäuscht. Ich denke an diese zwei Konterte von Rammstein werden sich die Dresdener noch lange zurück erinnern und die martialische und krasse Veranstaltung positiv im Gedächtnis behalten.

13.06.2019 14:18 dmehl 2

"Nach dem Regen beschallt Rammstein halb Dresden" / "Rammstein-Frontmann soll Hotelgast verletzt haben"
Rücksichtslos und möglicherweise gewalttätig.
Der Bandname bezieht sich auf den US Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz):
Schauplatz einer Flugschau-Katastrophe mit 70 Toten und etwa 1.000 Verletzten.
Heute zentrale Stelle für die Planung und Steuerung von Kampfdrohnen-Einsätzen weltweit (Anzahl der Toten ist mir nicht bekannt).
Kurz zusammengefasst: Toll !

13.06.2019 12:22 peter 1

Da kann einem Angst und Bange werden, bei diesen Gestalten. Deutsche Kultur, große Kunst???????

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