Kinder spielen im Wald.
Bildrechte: Förderverein NUS

Sächsisches Oberverwaltungsgericht urteilt Keine Genehmigung für Natur- und Umweltschule Dresden

Kinder spielen im Wald.
Bildrechte: Förderverein NUS

Die Natur- und Umweltschule Dresden steht sieben Jahre nach ihrer Gründung vor dem endgültigen Aus. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat den Anspruch der privaten Grundschule auf eine staatliche Genehmigung jetzt zurückgewiesen. Die Richter in Bautzen änderten damit ein Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden von 2015. Darin war die Sächsische Bildungsagentur, heute Landesamt für Schule und Bildung, verpflichtet worden, über den Genehmigungsantrag neu zu entscheiden.

Oberverwaltungsgericht überstimmt Verwaltungsgericht

Sachsens oberste Schulaufsichtsbehörde hatte sich von Anfang an geweigert, die freie Grundschule mit ihrem Konzept des naturnahen Unterrichts zu genehmigen. In zweiter Instanz bekam sie nun recht. Im seinem schriftlichen Urteil erklärt das Oberverwaltungsgericht unter Verweis auf Artikel 7 des Grundgesetzes, "dass Kinder grundsätzlich auf eine öffentliche Grundschule zu gehen haben. Ausnahmen davon gibt es für Bekenntnis- oder Weltanschauungsschulen und für Schulen, an deren Betrieb ein besonderes pädagogisches Interesse besteht." Letzteres könne die Natur- und Umweltschule Dresden nicht nachweisen.

Richter: Kein besonderes pädagogisches Interesse

Schüler der Umweltschule
Die Schüler der "NUS" haben zwei Klassenzimmer: eines für schlechtes oder sehr kaltes Wetter - und den Wald. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im pädagogischen Konzept des Schulträgers "Verbund Sozialpädagogischer Projekte e.V." (VSP) wird als zentraler Punkt der Unterricht im Freien angeführt, der zu mindestens 50 Prozent außerhalb des Schulgebäudes stattfinden soll. Dieses Konzept könne aber nicht sinnvoll umgesetzt werden, erklärten die Richter in Bautzen. Sie stützten sich dabei sowohl auf ein selbst angefordertes Sachverständigengutachten als auch auf ein Gutachten, dass von VSP vorgelegt wurde. Damit bestehe kein besonderes pädagogisches Interesse, also auch kein Grund für eine Genehmigung.

Jahrelanger Kampf

Kinder und Erwachsene mit Protestschildern.
Protestaktion der Natur- und Umweltschule Dresden vor dem Sächsischen Landtag. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Das sehen die Eltern der Grundschüler und der Schulträger sicher anders. Seit der Gründung der Schule 2011 kämpfen sie um eine Anerkennung und die damit verbundene öffentliche Förderung. Denn bisher wurde der Schulbetrieb fast ausschließlich durch Kredite, Spenden und andere private Gelder finanziert. Lediglich nach dem Verwaltungsgerichtsurteil 2015 erkämpfte sich die Schule für anderthalb Jahre staatliche Zuschüsse. Eltern und Förderverein organisierten neben dem juristischen Kampf Kundgebungen und Internetkampagnen, sammelten mehr als 10.000 Unterschriften für den Erhalt der Schule, warben für ihr nach dem UNESCO-Weltaktionsprogramm "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgerichteten Lehrkonzept. Sogar eine Auszeichnung gab es. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen verlieh der Einrichtung im April 2018 das Prädikat als Ressourcen-Schule mit der besten Stufe "Wir sind Vorbild!"

Ein letzter Strohhalm

Doch nun scheinen die Möglichkeiten zum Erhalt der freien Grundschule erschöpft, denn das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat keine Revision zum Bundesverwaltungsgericht gegen sein Urteil zugelassen. Der mutmaßlich letzte Strohhalm: Der Träger der Natur- und Umweltschule kann noch Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision einreichen. Hat diese keinen Erfolg, müssen die derzeit 64 Grundschüler der Einrichtung ab August höchstwahrscheinlich andere Einrichtungen besuchen.

Linke fordert mehr Wertschätzung

Die Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag kritisierte die Haltung des Landesamts für Schule und Bildung sowie die Rückendeckung durch das Oberverwaltungsgericht. Dies sei kein guter Tag für die Umweltbildung in Sachsen, erklärten die bildungspolitische Sprecherin Cornelia Falken und Umweltexpertin Jana Pinka. Sie forderten vom Freistaat, die Arbeit und Leistungen von alternativen Schulen anzuerkennen und wertschätzen. Gute Bildung brauche Vielfalt, Praxisnähe und Nachhaltigkeit, so die Linke.

Zum Nachschlagen: - Grundgesetz-Artikel 7, Absatz 5, regelt die Zulassung von privaten Grundschulen.

- Das Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts in Bautzen vom 9.Mai 2018: Az. 2 A 387/15

- Das Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden vom 4. Juni 2015: Az. 5 K 1157/13

Quelle: MDR/stt/epd

Dieses Thema auch im Programm bei MDR SACHSEN: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.05.2018 | ab 16:00 Uhr in den Nachrichten und Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2018, 10:34 Uhr

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6 Kommentare

14.05.2018 17:02 Max 6

Es ist eine Schande das demokratische und naturnahe Lehrformen so extrem vom staatlichem Apparat angegriffen werden. Es zeigt dass das alte Märchen von guter Erziehung in Massenkinderhaltungen immer noch präsent ist. Wie Beobachter 3 unten schon feststellte, ist für viele die Schule immer noch nur eine Vorbereitung auf das Berufsleben und nicht eine Vorbereitung auf das Leben selbst. Dies zeigt ein asoziales Menschenbild, dass den Menschen nur über seine Arbeitskraft definiert und den Wert eines Menschen an dessen Einkommen misst. Und genau aus diesem Grund braucht es viele solche Schulen, damit der Geist der alten Untertanen endlich zur Ruhe kommt. Die Welt ändert sich, aber wir machen Schule wie vor 200 Jahren. Ich staune über die Kraft der Eltern und Personen die sich gegen die staatliche Repression wehren ... dies gibt Hoffnung und Zuversicht. Die Kinder sind die Zukunft ... Und diese soll nicht so grau sein wie die Vergangenheit.

13.05.2018 20:35 Klara 5

Dieses Urteil zeigt die erneute Würdelosigkeit in der sächsischen Bürokratie. Die Kinder erhielten an der Umweltschule eine solide und insbesondere sehr würdevolle Bildung. Dies führte dazu, dass die meisten von ihnen auch in der vierten Klasse noch gern zur Schule gingen. Sie fühlten sich gesehen, wahr- und ernstgenommen, nicht wie in vielen anderen Schulen zu Objekten von guten oder schlechten Zensuren degradiert. In Sachsen herrscht so unendlich viel Dummheit, das tut wirklich weh. Hier weiß man absolut nicht, was gute Bildung ist. Gute Bildung ist eine Bildung, die Kinder zu sich selbst führt und nicht zu Objekten der Maßstäbe anderer macht. Gute Bildung macht Freude, hilft die eigene Kreativität zu entdecken und mit Neugier zu lernen. In Gerald Hüthers Buch: „Würde“ könnte jeder würdelose Beamte oder Richter nachlesen, was gemeint ist... Gute Nacht Sachsen...

13.05.2018 12:48 Na so was 4

3@ Beobachter, was verstehen Sie unter "normaler" Schule mit "normalen" Unterricht ? Klassenschlüssel max. 28 Schüler pro Klasse, keine Seiteneinsteiger, keine Experimente mit Integration, keine Ausfallstunden. Ich denke, diese wenigen Punkten reichen, wo das Schulverwaltungsamt die Hände hebt und sagt: "Wir schaffen das NICHT " !

13.05.2018 10:16 Beobachter 3

Ich halte diese neue Bildungsprojekte für Quatsch. Kinder sollen eine solide Bildung erwerben für ihr Berufsleben und nicht obskuren Bildungsversuchen geopfert werden, das geht am besten in einer "normalen" Schule mit "normalem" Unterricht.
Sie können Versäumnisse später schwer nachholen und merken dies erst viel später.

12.05.2018 22:13 Gertrude 2

Es wäre sehr schade, wenn diese Schule schließen müsste. Sie ist aus meiner Sicht wichtiger als die Universitätsschule, besonders im städtischen Bereich.

12.05.2018 19:32 Leon 1

Wenn schon pädagogisch nicht wertvoll, warum dann nicht gleich Käfighaltung?