17.12.2019 | 11:34 Uhr | Update "Deutscher Fahrer": Aufregung um Schild in zwei Dresdner Bussen

Ein Zettel hängt an der Windschutzscheibe. Darauf steht in altdeutscher Schrift: Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer.
"Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer." Der Zettel hing am Montag in einem Dresdner Stadtbus. Bildrechte: Tino Plunert

In gleich zwei Dresdner Linienbussen hat am Montag ein Busfahrer für Aufregung gesorgt. An der Scheibe eines Busses der Linie 85 und eines Busses der Linie 90 war im Einstiegsbereich in Fraktur - einer altdeutschen Schriftform - zu lesen: "Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer". Die Busse von Satra Eberhardt der Unternehmensgruppe Eberhardt Travel waren für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) im Einsatz, bestätigte am Dienstag eine Sprecherin der DVB auf Anfrage von MDR SACHSEN. Es habe sich um ein und denselben Fahrer gehandelt, der während seines Dienstes die Busse gewechselt habe und das Schild mitnahm.

Fahrgast macht Vorfall öffentlich

Fahrgast Peter Dörffel war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als er das las: "Ich war baff, als ich den Zettel beim Einsteigen sah. Im ersten Moment war ich kaum verwundert, da solche Taten in den letzten Jahren immer salonfähiger geworden sind", sagte der 23-Jährige. Er machte ein Foto und schickte es an die Dresdner Verkehrsbetriebe.

Ein junger Mann zeigt vor einem gelben Bus sein Smartphone.
Peter Dörffel hat das Schild entdeckt und den Dresdner Verkehrsbetrieben gemeldet. Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Subunternehmer arbeitet an Aufklärung

Der Geschäftsführer des Wilsdruffer Subunternehmes Satra Eberhardt, Matthias Peschke, sagte MDR SACHSEN: "Der Fall hat uns sehr überrascht und wir haben sofort entsprechende Maßnahmen ergriffen." Seit Bekanntwerden des Vorfalls am Montagmittag liefen die Gespräche mit allen Beteiligten. "Wir versuchen aufzuklären und festzustellen, was gestern genau passiert ist", so Peschke. Man sei ein Dienstleistungsunternehmen und keine Plattform für eine politische Diskussion.

Dresdner Verkehrsbetriebe und Subunternehmer Die Dresdner Verkehrsbetriebe beschäftigen eigene Busfahrer. Diese kommen in eigenen Bussen auf stark frequentierten Strecken zum Einsatz. Ferner haben die DVB noch das Tochterunternehmen Dresdner Verkehrsservicegesellschaft (DVS). Dort sind Busfahrer nach einem niedrigeren Tarif als DVB-Busfahrer beschäftigt. Insbesondere bei Linien am Stadtrand greifen die DVB noch auf Subunternehmer zurück. Deren Busse werden samt Fahrer angemietet. Sie müssen DVB-Standard bieten.

DVB: "Verhalten ist absolut inakzeptabel."

"Dieses Verhalten ist absolut inakzeptabel", sagte Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe, MDR SACHSEN. Es sei zu vermuten, dass es ein Fahrer eines Subunternehmens war, so der Sprecher. Man habe sich sofort mit dem Unternehmen in Verbindung gesetzt. "Der Busfahrer wird nicht mehr auf DVB-Linien fahren", betonte Lösch. Dies sei mit dem Subunternehmer vereinbart worden, der Fahrer sei gesperrt worden. Dem Subunternehmen lag am Dienstagmittag nach dessen Angaben noch kein entsprechendes Schreiben vor. Peschel sagte, es sei aber generell möglich, dass die DVB Fahrer mit unerwünschtem Verhalten auf ihren Linien sperren lassen.

Von den Dresdner Verkehrsbetrieben hieß es auf Anfrage, vergleichbare Vorfälle mit eigenen Fahrern oder Fahrern des Tochterunternehmens Dresdner Verkehrsservicegesellschaft (DVS) seien nicht bekannt.

Für die DVB ist der Fall auch deshalb ärgerlich, weil man derzeit auch international nach Fachkräften sucht. Weil es kaum Busfahrer auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt, versucht man beispielsweise gerade Busfahrer aus Serbien für Dresden anzuwerben. Auch die Unternehmensgruppe Eberhardt Travel gibt sich weltoffen und leistet nach eigenen Angaben Friedensarbeit in Fernreisezielen.

Quelle: MDR/ma/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.12.2019 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

*Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der zahlreichen Kommentare, die gegen unsere Kommentarrichtlinien verstoßen, haben wir uns entschieden, die Kommentarfunktion für diesen Artikel zu schließen.

188 Kommentare

Fakt vor 24 Wochen

Also mir ist es völlig wurscht, wer meine Gastherme repariert oder mein verstopftes Klo frei macht. Ich kenne auch niemanden, dem das nicht egal wäre. Und ein Betrieb der explizit mit "deutschen" Handwerkern wirbt, den würde ich erst gar nicht kontaktieren. So ein laden ist mir allerdings auch noch nicht untergekommen - ist vielleicht eher ein "östliches" Geschäftsgebaren.

MDR-Team vor 24 Wochen

Hallo Maxi B.,
die DVB teilte dazu mit: "Das Statement des Busfahrers ist aus unserer Sicht völlig inakzeptabel. Die provokante Art und Weise der Botschaft entspricht nicht dem Bild, das wir der Öffentlichkeit vermitteln wollen. Die DVB steht für Weltoffenheit und Toleranz. Als öffentliches Unternehmen verhalten wir uns politisch neutral.

Der betreffende Busfahrer ist bei einem Unternehmen beschäftigt, das in unserem Auftrag einige DVB-Linien bedient. Ab sofort darf er nicht mehr auf DVB-Linien fahren. Welche weiteren Konsequenzen für den Busfahrer entstehen, entscheidet allein sein Arbeitgeber. Eine Kündigung kann die DVB nicht aussprechen und hat es auch nicht getan.".

Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Fakt vor 24 Wochen

"Zur Fraktur Schrift. Die war Jahrhunderte lang in Gebrauch."
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Da erzählen Sie vermutlich niemandem etwas Neues. Vielleicht ist es aber für Sie neu, dass die Schriftart heutzutage überwiegend von der rechten Szene genutzt wird in Anlehnung an die Tatsache, dass die Schrift auch im Dritten Reich vielfach zur Anwendung kam. Und die zwar wahre, aber dennoch völlig überflüssige Aussage auf dem Zettel im Zusammenhang mit der Schriftart, sagt eindeutig aus, wo der (Ex-)Busfahrer politisch einzuordnen ist. Und da wäre, im Zusammenhang mit seinem Handeln, eine fristlose Kündigung die einzig infrage kommende Reaktion des Arbeitgebers!

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