Verdacht auf illegales Autorennen Sechsjähriger Junge totgefahren - Tatverdächtiger festgenommen

Der Schock in Dresden sitzt tief: Ein Junge stirbt - möglicherweise weil sich zwei Männer ein illegales Autorennen lieferten. Am Tag danach erinnern Blumen und ein Plüschtier an einer Haltestelle an die Tragödie. Einer der Männer wurde vorläufig festgenommen.

Polizisten am Unfallort auf der Budapester Straße in Dresden
Der Unfall ereignete sich auf der Budapester Straße. Diese war für die Unfallaufnahme mehrere Stunden gesperrt. Bildrechte: Roland Halkasch

Nach dem Tod eines sechsjährigen Jungen in Dresden ist der Tatverdächtige festgenommen worden. Wie die Polizeidirektion Dresden am Sonntagabend mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft die Festnahme des 31-Jährigen angeordnet. Im Zuge der Ermittlungen hätte sich der Verdacht auf ein illegales Autorennen erhärtet. Polizeibeamte nahmen den Mann am Nachmittag in seiner Wohnung in Dresden-Löbtau fest. Er befindet sich aktuell in Polizeigewahrsam und soll am Montag einem Ermittlungsrichter der Staatsanwaltschaft Dresden vorgeführt werden.

Ein Plüsch-Koala, Kerzen und eine weiße Rose stehen auf dem Gehweg
Am Ort des Unfalls wird an den Jungen erinnert. Bildrechte: Roland Halkasch

Der 31-Jährige steht im Verdacht, am Sonnabend kurz vor 21 Uhr das Kind mit seinem Fahrzeug erfasst zu haben, wodurch es gegen eine Bushaltestelle geschleudert wurde. Wie der Sprecher der Dresdner Polizeidirektion Marko Laske im Gespräch mit MDR SACHSEN sagte, wurde das Kind mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Dort sei es trotz der schnell eingeleiteten Hilfsmaßnahmen kurz darauf seinen Verletzungen erlegen. Die Fahrer und die Insassen der beteiligten Fahrzeuge blieben unverletzt.

Führerscheine der beiden Fahrer beschlagnahmt

Ersten Erkenntnissen zufolge hatten der Junge und zwei weitere Kinder am Samstagabend die Budapester Straße überquert, als der 31-Jährige den Sechsjährigen erfasste. Laut Polizeisprecher Laske gab es schon kurz nach dem Unfall Hinweise darauf, dass sich der Unfallfahrer sowie ein 23 Jahre alter Autofahrer auf der Nebenfahrbahn ein illegales Rennen geliefert haben. Dafür würden weitere Zeugen gesucht.

Ein Polizist macht Fotos an einem Auto
Nach ersten Erkenntnissen wurde der Junge beim Überqueren der Straße von dem Auto erfasst. Bildrechte: Roland Halkasch
Ein Unfallsachverständiger sucht auf einer Straße nach Spuren
Am Sonntag suchte ein Sachverständiger nach Spuren. Bildrechte: Roland Halkasch

Die Polizei beschlagnahmte die Führerscheine der beiden Fahrer. Gegen den 31 Jahre alten Mann wird wegen fahrlässiger Tötung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. Zudem laufen gegen ihn und den 23-Jährigen Ermittlungsverfahren wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens. Ein Gutachter sei beauftragt, den Unfallhergang zu analysieren. Das werde einige Zeit in Anspruch nehmen. "Wir stehen ganz am Anfang der Ermittlungen", so Laske.

Ein Kriseninterventionsteam aus Dresden war am Samstagabend im Einsatz, um Zeugen, Ersthelfer, Rettungskräfte und Unfallbeteiligte zu betreuen.

Die Polizei sucht Hinweise

Zeugenaufruf Die Polizei bittet Zeugen, die Angaben zum Unfallhergang machen können, sich bei der Polizeidirektion Dresden zu melden. Hinweise werden unter 0351/ 483 22 33 entgegengenommen.

Illegale Straßenrennen inzwischen eine Straftat

Raserei und illegale Straßenrennen gelten seit 2017 in Deutschland als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Nach dem Strafgesetzbuch wird das mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet.

In Berlin sorgte ein Fall aus dem Jahr 2016 für Schlagzeilen, bei dem ein Raser wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Er hatte sich mit einem anderen Mann in der Berliner Innenstadt ein Rennen geliefert. Bei der Kollision mit einem anderen Auto starb ein Rentner. Der Bundesgerichtshof hatte vor ein paar Wochen das Urteil bestätigt.

Bundesländer registrieren mehr Raser

Eine Umfrage unter den Bundesländern ergab unlängst, dass die Zahl der Raser auf Deutschlands Straßen wächst. Obwohl die Bundesregierung dies zum Straftatbestand machte, sind die Fallzahlen in vielen Bundesländern zum Teil dramatisch gestiegen. Demnach zählte die Polizei in neun Bundesländern im Jahr 2019 rund 1.900 Fälle, etwa 700 mehr als ein Jahr zuvor. Darunter fallen neben illegalen Rennen auch Einzelraser, die mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs waren sowie Flucht vor der Polizei bei Verfolgungsjagden.

Experten zufolge kommen organisierte illegale Rennen kaum noch vor. Häufig sind dagegen kurzfristige Rennen oder spontane Aufeinandertreffen. "Es kann auch einer allein sein, der sozusagen gegen die Stoppuhr fährt", sagt der Sprecher des bayerischen Innenministeriums.

Verkehrssicherheitsforscher beklagt Verfall der Verkehrsmoral

Verkehrssicherheitsforscher Jörg Kubitzki vom Allianz Zentrum für Technik in Ismaning ( Bayern ) sieht das Raserphänomen als extreme Ausprägung allgemein zunehmender Rücksichtslosigkeit im Verkehr: "Die Mehrheit der Autofahrer verhält sich vernünftig, dennoch muss man bei einer wachsenden Zahl von Menschen einen Verfall der Verkehrsmoral beklagen, der sich auch noch durch eine ganze Reihe anderer Gefährdungen im Straßenverkehr ausdrückt."

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.08.2020 | 07:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGL | 23.08.2020 | 19:00 Uhr

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