25.01.2020 | 11:28 Uhr Orden des Semperopernballs geht an Ägyptens Machthaber al-Sisi

Abdel Al-Sisi, Präsident von Ägypten, spricht beim eintägigen Afrika-Gipfel ''UK-Africa Investment Summit 2020''.
Abdel Fattah al-Sisi, Präsident von Ägypten, soll den St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs erhalten. Bildrechte: dpa

Der Dresdner Semperopernball vergibt in diesem Jahr den St.-Georgs-Orden an den ägyptischen Machthaber Abdel Fattah al-Sisi. Eine Delegation überreicht die Auszeichnung im Bereich Politik und Kultur bereits am Sonntag in Kairo. Der ehemalige General al-Sisi war 2013 durch einen Militärputsch unter seiner Führung an die Macht gekommen. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor.

Frey: Entscheidung aus kulturellen Gründen

Der künstlerische Leiter des Dresdner Semperopernballs, Hans-Joachim Frey, hat die geplante Vergabe des Ordens an Ägyptens Machthaber verteidigt. "Wir haben ja als Motto auf dem St. Georgs-Orden 'Adverso Flumine - Gegen den Strom' zu stehen. Das heißt, wir machen auch Entscheidungen, die ganz wichtig sind für zukünftige Entwicklungen."

Es sei aber kein politischer Orden in dem Sinne, weil man eine kulturelle Veranstaltung sei, so Frey. Vielmehr sei in Kairo ein großes nationales Museum zur ägyptischen Geschichte eröffnet worden. Es werde außerdem zum Jahresende ein Opernhaus eröffnet. "Hier entsteht Kultur. Und wir wollen Kulturbrücken bauen, um darüber eine vermittelnde Sprache zwischen Regionen zu schaffen, und das ist der Grund, warum wir al-Sisi auszeichnen wollen."

Heftige Kritik in den sozialen Netzwerken

Im Internet hat die Ankündigung der Verleihung unter anderem beim Kurznachrichtendienst Twitter heftige Kritik ausgelöst. "Leider hat der Westen bis heute nicht verstanden, dass die Unterstützung von Diktatoren wie Sisi nicht das 'kleinere Übel' ist, sondern nur dem Krieg und Islamismus Vorschub leistet", twitterte Johannes Lichdi von den Grünen.

Als beschämend bezeichnete Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) die Entscheidung: "Der Semperopernball nimmt sich seine Würde. Wer aus PR-Gründen einen Autokraten und Unterdrücker wie Al-Sisi auszeichnen will, handelt unverantwortlich."

Holger Hase, Chef des FDP-Kreisverbandes in Dresden, kritisiert die beabsichtigte Verleihung als "ein Unding für jeden politisch urteilsfähigen Bürger". Hase fordert den Verein auf, diese Entscheidung zu korrigieren: "Wenn in Dresden unter dem Motto 'Gegen den Strom' weiter Autokraten geehrt werden, hätten wir aus der Friedlichen Revolution nichts gelernt. Die Verleihung des St.-Georgs-Ordens an al-Sisi wäre Hohn und Spott gegenüber den Werten der Friedlichen Revolution."

Der sächsische FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt hat die geplante Vergabe des Semperopernball-Ordens an Ägyptens Machthaber als "verstörend und naiv" bezeichnet.

Online-Petition gegen Ordensverleihung

Inzwischen gibt es auch eine Online-Petition gegen die Verleihung des Ordens an den ägyptischen Präsidenten. Als Begründung heißt es dort, dass in dem nordafrikanischen Land Kritik und Protest unterdrückt würden sowie politische Gegner eingesperrt. Auch sei die Zahl der Hinrichtungen unter der Herrschaft al-Sisis stark angestiegen.

Bereits vergangene Preisträger des St.-Georgs-Ordens waren umstritten, so unter anderem Russlands Staatschef Wladimir Putin und der saudische Prinz Salman bin Abdulaziz.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.01.2020 | ab 6:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2020, 11:28 Uhr

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