26.05.2020 | 05:10 Uhr Stark durch Vielfalt: Wie aus Sandra Julian wurde

Unsere Gesellschaft lebt von ihrer Vielfalt. Dazu gehört das allgemein Gängige und Anerkannte genauso wie das Andersartige und noch nicht so wirklich Akzeptierte - etwa in Sachen Sexualität und Gender: Während sich die Gesellschaft weitestgehend an homo- und bisexuelle Menschen gewöhnt hat, haben es transgeschlechtliche Menschen immer noch schwer. Wie es ihnen geht, hat MDR SACHSEN zum Tag der Vielfalt von einem jungen Dresdner erfahren, der mal eine Dresdnerin war.

Silhouette von Frau und Mann Rücken an Rücken mit Transgender-Symbol
Bildrechte: IMAGO

Ob Männchen, ob Weibchen - das scheint von der Natur klar definiert zu sein. Doch nicht immer ist es so einfach: Es gibt Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen und solche, die sich mit dem jeweils anderen Geschlecht identifizieren. Julian* geht es so: Er war bis vor kurzem eine Frau, geboren im falschen Körper.

Ich war kein typisches Mädchen. Ich habe nie mit Mädchen gespielt, ich war auf dem Fußballplatz, ich hatte kurze Haare. Bei der Schuleinführung habe ich geweint, weil ich Klamotten tragen musste, in denen ich mich nicht wohl gefühlt habe.

Julian Transgender

Schlüsselmoment Pubertät

Erst hatte Julian, der damals noch Sandra hieß, vor allem männliche Freunde. Doch in der Pubertät stellte Sandra fest: Auch das fühlt sich komisch an.

Ich hab mich natürlich dann nach Frauen orientiert, viele homosexuelle Beziehungen geführt. Natürlich merkt man dann: Man hat beruflichen Erfolg, vielleicht auch 'ne glückliche Beziehung, auch 'nen tollen Freundeskreis. Aber dann ist da wieder dieses Puzzleteil, was einfach nicht stimmig ist.

Julian über seine Pubertät als Sandra

Schritt zur Geschlechtsanpassung reift mit 24 Jahren

Mit 24 Jahren ist Sandra soweit, ihr Geschlecht dem inneren Empfinden anzupassen: "Das lag an meinem Umfeld, dass ich im Freundeskreis jemanden hatte, der dasselbe durchlebt hatte. Das gibt einem Mut. Und irgendwann war ich soweit, nach vielen Gesprächen zu sagen: Ich öffne mich meiner Familie, ich gehe jeden medizinischen Weg."

Piktogramm von Mann und Frau gemischt, Intersexualität
Bildrechte: imago/Christian Ohde

Diesen letzten, entscheidenden Schritt zu gehen, bedeutet, das bisherige Leben komplett umzukrempeln. Der Verein "Trans-Inter-Aktiv Mitteldeutschland" schätzt, dass in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einige zehntausend Menschen leben, die sich transgeschlechtlich, intergeschlechtlich oder non-binär einordnen.

Nur weil die medizinische Möglichkeit besteht, hilft es Menschen nicht, sich zu öffnen. Solange es Schubladen, Muster geben wird, in denen sich Menschen wohlfühlen, solange es Hass geben wird gegen Anderes, Fremdes, solange wird es schwierig bleiben, dass sich Menschen outen können, ohne Angst zu haben, verurteilt zu werden.

Julian

Positives Coming-out

Für Julian verlief das Coming-out positiv. Familie und Freunde reagierten verständnisvoll, auch seine Freundin blieb bei ihm. Sie hatte sich ja für ihn entschieden, als er noch weiblich war. Dieselbe Offenheit wünschen sich Menschen wie er auch von der Gesellschaft.

*Der Name wurde von der Autorin geändert. Julian heißt im wahren Leben anders.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.05.2020 | 19:00 Uhr

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