Mann vor einem Zug.
Hilmar Zander war im September 1989 unter den Tausenden DDR-Flüchtlingen in der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Jetzt kehrte er zum Jubiläum zurück nach Prag. Bildrechte: dpa

28.09.2019 | 14:53 Uhr Sonderzug von Dresden nach Prag erinnert an Herbst 1989

Mann vor einem Zug.
Hilmar Zander war im September 1989 unter den Tausenden DDR-Flüchtlingen in der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Jetzt kehrte er zum Jubiläum zurück nach Prag. Bildrechte: dpa

Mit einem "Fest der Freiheit" erinnert die deutsche Botschaft in Prag am Sonnabend an die Geschehnisse im Wendeherbst vor 30 Jahren. Tausende DDR-Flüchtlinge waren 1989 auf das Botschaftsgelände geflüchtet und harrten dort wochenlang aus. Am Morgen ist ein historischer Sonderzug von Dresden zu den Feierlichkeiten nach Prag gestartet. An Bord sind Zeitzeugen und Schüler aus Sachsen und ganz Deutschland. Sie wollen miteinander ins Gespräch kommen. Gegen 22 Uhr wird der Zug wieder zurück im Dresdner Hauptbahnhof erwartet. Auch dort wird an die Ereignisse vor 30 Jahren erinnert und gefeiert - mit Konzerten, Ausstellungen und Zeitzeugen.

Tausende kehren der DDR den Rücken

1989 hatte eine bis dahin beispiellose Fluchtbewegung aus der DDR eingesetzt: Tausende nutzten die Reisemöglichkeiten nach Ungarn und die Tschechoslowakei, um in die Bundesrepublik zu gelangen. Einen Höhepunkt erreichte die Fluchtwelle im August und September, als sich zuletzt rund 4.000 Menschen unter kritischen Bedingungen auf dem Gelände der bundesdeutschen Botschaft befanden und ihre Ausreise erzwingen wollten.

Genscher spricht berühmten Satz

Vom Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag spricht Hans-Dietrich Genscher (FDP) am 30. September 1989 schließlich den berühmtesten unvollendeten Satz der deutschen Geschichte: "Liebe Landsleute", so erklärt der damalige Außenminister, "ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise..." Das fehlende Möglich-geworden-ist erübrigt sich im Jubel der 8.000 Botschaftsbesetzer aus Ostdeutschland. Sie fahren mit Sonderzügen, die auf Forderung des Honecker-Regimes zuvor mit Karl-Marx-Stadt und Dresden DDR-Gebiet passieren, in den Westen.

Bildergalerie Zug in die Freiheit

Zug in die Freiheit
Am frühen Morgen startete der Sonderzug am Sonnabend von Dresden aus nach Prag. Bildrechte: MDR/Roman Nuck
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Am frühen Morgen startete der Sonderzug am Sonnabend von Dresden aus nach Prag. Bildrechte: MDR/Roman Nuck
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Zeitzeugen von damals, aber auch Studenten, die sich für das Thema interessieren, machten sich auf die Reise. Bildrechte: MDR/Roman Nuck
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Während der Fahrt kamen sie miteinander ins Gespräch. Bildrechte: MDR/Roman Nuck
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Die jüngere Generation kennt die Ereignisse nur aus dem Fernsehen oder aus Geschichtsbüchern. Bildrechte: MDR/Roman Nuck
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Umso spannender waren die Gespräche mit den Protagonisten. Bildrechte: MDR/Roman Nuck
Mann vor einem Zug.
Einer, der damals alles hautnah miterlebt hat, ist Hilmar Zander. Er war im September 1989 unter den Tausenden DDR-Flüchtlingen in der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Bildrechte: dpa
Rudolf Seiters und Markus Rind enthüllen eine Gedenktafel am Bahnhof Prag-Liben.
Ex-Bundeskanzleramtschef Rudolf Seiters (li.) und der damalige DDR-Flüchtling und Musiker Markus Rind enthüllen eine Gedenktafel am Bahnhof Prag-Liben. Sie erinnert an die Ausreise Tausender DDR-Flüchtlinge mit Sonderzügen aus Prag in die Bundesrepublik im Herbst 1989. Bildrechte: dpa
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DDR-Bürger wollen in Dresden in Zug gelangen

In Dresden attackierten Sicherheitskräfte Massen von DDR-Bürgern, die in den Hauptbahnhof und in die Wagen gelangen wollen. Später folgten weitere Sonderzüge.Bis zur Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November wurde die Prager Botschaft erneut Zwischenstation für mehr als 10. 000 Flüchtlinge, die zum Teil ebenfalls mit Sonderzügen in den Westen gebracht wurden.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 28.09.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2019, 14:52 Uhr

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