Spendenmarathon Für "ICE der DDR" machen Läufer Strecke Berlin - Dresden - Prag in einem Zug

Ein Mann in kurzer Sportkleidung im Gang eines Zuges
Thomas Heinelt lief am Sonnabendvormittag eine Stunde lang für den guten Zweck durch den Zug. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Für den Wiederaufbau von Schnellverkehrs-Triebwagen der Bauart Görlitz (SVT), "den Zug mit der Nase", läuft in Dresden ein Spendenmarathon. Noch bis zum Sonntagabend bestreiten Ultraläufer und Sportler eine Staffellauf. Sie wollen innerhalb von 36 Stunden 320 Kilometer Strecke schaffen - immer durch den Zug, außen entlang und wieder hinein. Die Läufer spenden ihr Startgeld. Wegen der Corona-Hygieneeinschränkungen findet das Laufevent ohne Zuschauer statt. Im Videolivestream können Interessierte zuschauen und für die gelaufenen Kilometer Geld spenden.

Ich habe ja schon viele verrückte Dinge mitgemacht. Aber einen Lauf durch einen Zug noch nicht. Für die gute Sache find ich's cool.

Heike Bergmann Ultraläuferin aus Thüringen

Helfer aus ganz Deutschland

Ein älterer Mann mit weißen Haaren und Bart
Walter Schmidt (73) kann nicht sagen, was ihm an der legendären Baureihe besonders gefällt: "Das Knowhow, die Einrichtung, die Technik, ach, einfach alles." Bildrechte: MDR/Kathrin König

Die weiteste Anreise als Helfer hatte am Sonnabend Walter Schmidt aus München. Der Rentner und gebürtige Dessauer hatte vor zwei Jahren im MDR von den legendären Triebzügen gehört und dass sich Enthusiasten um die Wiederinbetriebnahme kümmern. "Ich wollte wissen, was das für verrückte Kerle sind und nahm Kontakt auf." Seither gehört auch er zu den "Verrückten". Rund 80 Ehrenamtliche aus dem Bundesgebiet, Dänemark und Tschechien unterstützen die gemeinnnützige GmbH SVT Görlitz bei dem Aufbauprojekt.

Maximal 4,5 Millionen Euro haben sie für alle Arbeiten veranschlagt. Weil viele Eisenbahner und Experten "begeistert ehrenamtlich mitmachen, am Zug schweißen und werkeln, können wir viel durch Eigenleistung einsparen", sagt Projektinitiator Ingo Kamossa von der SVT gGmbH.

Erinnerung an klangvolle Namen

Eine alte Lok der Deutschen Reichsbahn
Der ausrangierte Zug steht in der 115 Meter langen, ehemaligen Wagenhalle des Bahnbetriebswerks Dresden-Altstadt. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Eisenbahnfan Schmidt würde gern einmal "mit dem Paradepferd der Deutschen Reichsbahn" mitfahren. In den 1970-er Jahren hatte er am Leipziger Hauptbahnhof vor dem "Vindobona" gestanden. "Die Stewardess, so hießen die Zugbegleiterinnen wirklich, sagte, dieser Zug ist nur für Transitreisende." Die markant designten Triebzüge rollten mit bis zu 160 Stundenkilometern und klangvollen Namen von Ost-Berlin aus durch Europa. In Richtung Malmö hieß der Zug "Berlinaren", nach Kopenhagen war der Name "Neptun" legendär, über Leipzig ging es nach Karlovy Vary mit dem "Karlex" und über Dresden nach Prag und Wien als "Vindobona". Transitreisende nutzten damals die Züge, aber auch normale Reisende innerhalb der DDR und CSSR. Platz war für 280 Fahrgäste.

160 Stundenkilometer waren in der 1960-er Jahren eine Leistung. Mit heutigen ICEs könnte man nicht mehr mithalten, aber mit den gängigen ICs schon.

Ingo Kamossa Initiator des Zugprojekts

2023 als magisches Ziel

Blick in das Abteil eines Zuges
Es gab Zeiten, da konnten Reisende im Zug Fenster öffnen und in Sesselpolster sinken. Im Großraumabteil ließen sich die Sitze in Fahrtrichtung drehen. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Geht es nach Initiator Ingo Kamossa, dann könnte es im Frühjahr 2023 erste Sonderfahrten geben. Dann wäre es genau 60 Jahre her, dass der SVT auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt wurde. Auch die letzte Fahrt am 12. April 2003 läge dann 20 Jahre zurück und fand von Berlin über Dresden nach Prag statt. Nach dem Spendenlauf vom Wochenende soll die Heizung der berühmten Triebwagen Instand gesetzt werden. Allein zwei Starterbatterien für die Motoren kosten 14.000 Euro. "Wir arbeiten Schritt für Schritt an diesem Traum", sagt Kamossa über das Projekt "Ein Zug für Mitteldeutschland".

Eine Frau in kurzer Sportkleidung im Mittelgang eines Zuges
Ultraläuferin Heike Bergmann lief am Sonnabend in einer Stunde zehn Kiloter durch die Wagen. Am Sonntag will sie noch einmal zwei Stunden antreten. Bildrechte: MDR/Kathrin König
Lokomotive und Eisenbahnwaggons. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.10.2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Monazit vor 4 Wochen

Subjektiv gesehen stimme ich ihnen zu, dass die alten Züge ein schöneres Farbschema hatten, als heute. Allerdings ist der Blick da glaube ich etwas verklärt. Würde die Bahn heutzutage die ICEs gegen neuere Modelle ersetzen und diese grün-lila lackieren, so würden sicher in 30 Jahren viele Leute ihren Kommentar genau so schreiben. Nur eben mit Bezug auf die guten alten weißen ICEs.

Matthi vor 4 Wochen

Schöne Idee ob dieser Zug oder andere Waggons der DDR in einem sind Sie dem ICE immernoch überlegen da konnte man nämlich seine Urlaubskoffer noch mitnehmen und gut über dem Sitzplatz verstauen.

Harka2 vor 5 Wochen

Es wäre ein Traum, wenn solch ein Zug mit Charakter wieder zum fahren käme. Er stammt aus einer Zeit, in der in Ost und West ohnehin die schönsten Farbschematas im Einsatz waren. Gegen Zuüge wie SVT der Bauart Görlitz, aber auch gegen einen TEE, stinkt jeder moderne weiße Wurm optisch einfach nur ab.

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