26.11.2019 | 19:18 Uhr | Update Juwelendiebstahl in Dresden: "Die Vitrine zeigt ein Kampffeld"

Diebe sind am Montag ins Grüne Gewölbe eingestiegen und haben wertvolle Juwelen gestohlen. Sie hinterließen ein Trümmerfeld. Die Kunstsammlungen gehen davon aus, dass die Täter über Insiderwissen verfügt haben müssen.

Pressekonferenz Juwelendiebstahl
Bildrechte: xcitePRESS

Bei dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden sind weniger Schmuckstücke gestohlen worden als zunächst befürchtet. Direktor Dirk Syndram sagte bei einer Pressekonferenz am Dienstagachmittag, viele Stücke der Garnituren seien noch da, etwa der Hofdegen oder die beiden Perlenketten der Königin. Eine genaue Zahl der verschwundenen Teile wollen die Kunstsammlungen am Mittwoch bekannt geben.

Kurz vor der Pressekonferenz hatten Syndram und die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, das erste Mal den Tatort besichtigen können. "Die Vitrine zeigt ein Kampffeld", erklärte Syndram.

Erleichtert sehen Sie mich nicht, ich bin nicht ganz so frustriert wie gestern. Die Vitrinen sind nicht leer.

Dirk Syndram Direktor des Grünen Gewölbes

Einige Schmuckstücke sind laut Syndram mit einem weißen Pulver angesprüht worden, vermutlich Feuerlöschpulver, um Spuren zu verwischen. Es müsse noch geklärt werden, ob die Perlen Schaden genommen hätten.

Acht Millionen Euro pro Jahr für Sicherheit

SKD-Chefin Ackermann und leitende Angestellte der Sammlungen verteidigten das Sicherheitskonzept. Es gebe in den Sammlungen mehrere Sicherheitszentralen, die mit jeweils zwei Personen rund um die Uhr besetzt seien, hieß es. Die Anzahl der Ausbildungstage im Sicherheitsgewerbe seien erhöht worden. Pro Jahr würden acht Millionen Euro für Sicherheit ausgegeben. Die Ausgaben steigen Jahr für Jahr.

In einem massiven Fenstergitter am Grünen Gewölbe Dresden fehlen mehrere Streben.
An der Sophienstraße stiegen die Täter ein. Bildrechte: xcitepress

Das Vorgehen des Wachpersonals, die Polizei mit einem Anruf bei der 110 zu rufen und nicht den Alarmknopf zu drücken, sei eine Ermessensentscheidung eines Wachmanns gewesen, erklärte der kaufmännische Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Burghardt. Während der Alarm nur signalisiere, dass etwas nicht in Ordnung sei, habe die Polizei das Gespräch beim Anruf gleich aufzeichnen können. Es habe kurz hintereinander drei Alarmierungen gegeben. Zudem hätten die Täter mit einer Axt auf die Vitrinen eingeschlagen. Angesichts der Situation habe sich der Wachmann entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern die Polizei zu rufen.

Ein Mittäter aus eigenen Reihen?

Eine Überwachungskamera an der Außenfassade des Dresdner Residenzschlosses
Unklar ist weiter, was außerhalb des Gebäudes passiert ist. Dort hatten die Täter ein Fenster aufgebrochen. Bildrechte: xcitepress

Aufnahmen aus der Überwachungskamera zeigen, mit welcher Gewalt die Einbrecher vorgingen, um an die Schmuckstücke zu gelangen. Obwohl die Scheiben nach Angaben von Sicherheitschef Michael John aus Sicherheitsglas mit extra starker Widerstandsklasse waren, gingen sie zu Bruch. "Aber nach einer gewissen Anzahl von Axthieben versagt irgendwann jede Scheibe", so John. Er sprach vom furchtbarsten Tag in seinem Leben. Der Sicherheitschef geht von einer geplanten Tat aus, die Insiderwissen voraussetzt. Am schlimmsten wäre es für die Kunstsammlungen, wenn ein Mittäter aus eigenen Reihen ausgemacht würde. "Das wäre bei uns die schrecklichste aller Vorstellungen", sagte Generaldirektorin Marion Ackermann.

Polizei geht von geplantem Juwelendiebstahl aus

Auch die Ermittler gehen von einem geplanten Einbruch aus. Dafür sprechen laut Polizei die Umstände. So handle es sich bei dem abgebrannten Auto in einer Tiefgarage in der Kötzschenbroder Straße im Dresdner Stadtteil Mickten (Ortsamt Pieschen) um das Fluchtfahrzeug der Juwelendiebe. Wie Polizeisprecher Thomas Geithner MDR SACHSEN sagte, wurde in dem Auto unter anderem Einbruchswerkzeug gefunden. Die Tiefgarage werde damit zum Tatort. Derzeit werden Spuren gesichert. Auch Anwohner sollen befragt werden. Zu klären ist unter anderem, wer Zugang zu der Tiefgarage hatte. Unklar sei auch, wie lange das Auto in der Tiefgarage stand oder gegen welches Fahrzeug es eventuell gewechselt wurde, erklärte Geithner.

Laut dem Polizeisprecher ist auch klar, dass der Brand eines Stromverteilerkastens an der Augustusbrücke mutwillig ausgelöst wurde und kein technischer Defekt war. In der Folge war am Montagmorgen die Straßenbeleuchtung am Schloss komplett ausgefallen. Geithner sagte, das wiederum erkläre die schlechte Qualität der Überwachungsbilder.

Eine Grafik zeigt die Dresdner Innenstadt mit drei Punkten welche die Tatorte und das abgebrannte Fluchtfahrzeug markieren.
Bildrechte: MDR/Anja Neubert

Ermittler sind weiter im Schloss im Einsatz

Die Spurensuche im Grünen Gewölbe ging am Dienstag weiter. Wichtig sei, DNA-Spuren zu sichern, sagte ein Polizeisprecher. Die Suche nach der DNA der Diebe sei aber nicht einfach in einem Museum, in dem ständig Betrieb ist. Die Ermittler befragten am Dienstag unter anderem Passanten und Gäste eines Hotels in der Nähe des Tatorts. Bislang sind bei der Polizei 91 Hinweise eingegangen. Nach Angaben der Kunstsammlungen öffnen am Mittwoch die Museen im Residenzschloss wieder. Das Historische Grüne Gewölbe bleibt für die Besucher länger gesperrt.

Bildergalerie Spurensuche nach Juwelendiebstahl in Dresden

Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe.
Am Tag nach dem Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Residenzschloss geht die Spurensuche weiter. Bildrechte: dpa
Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe.
Am Tag nach dem Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Residenzschloss geht die Spurensuche weiter. Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte der Polizei gehen mit einer Leiter im Bärengarten vor den Gitterfenstern des Grünen Gewölbes am Residenzschloss entlang.
Eine 20-köpfige Sonderkommission ermittelt. Bildrechte: dpa
Kriminaltrechniker der Polizei sichern an einem Fenstergitter des Grünen Gewölbees in Dresden Einbruchsspuren.
Kriminaltechniker der Polizei sichern an einem Fenstergitter des Grünen Gewölbes in Dresden Einbruchsspuren. Bildrechte: xcitepress
In einem massiven Fenstergitter am Grünen Gewölbe Dresden fehlen mehrere Streben.
Durch das Fenster an der Sophienstraße waren die Einbrecher ins Schloss gelangt. Bildrechte: xcitepress
Eine Überwachungskamera an der Außenfassade des Dresdner Residenzschlosses
Unklar ist weiterhin, was sich kurz vor dem Einbruch im Außenbereich des Museums abspielte. Ermittler und Kunstsammlungen teilten bisher nur mit, dass die Einbrecher auf Überwachungskameras im Museum zu sehen waren. Ob es auch Außenaufnahmen gibt, ist nicht bekannt. Bildrechte: xcitepress
Passanten und Journalisten stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe. Nach dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe geht die Spurensuche der Polizei am Tatort weiter
Das Medieninteresse an dem Fall ist groß. Bildrechte: dpa
Dirk Syndram, Direktor der Dresdner Rüstkammer, und Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, stehen während einer Pressekonferenz im Kleinen Schlosshof im Residenzschloss nebeneinander.
Am Dienstag können Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, und Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, den Schaden erstmals in Augenschein nehmen. In einer Pressekonferenz teilen sie mit, dass weniger Stücke gestohlen wurden als zunächst angenommen. Dennoch ist der Verlust immens. Bildrechte: dpa
Die Polizei sucht mit Mantrailer-Hunden Spuren nach einem Autobrand in einer Tiefgarage in der Kötschenbroder Straße
Damit wird die Tiefgarage für die Ermittler zum Tatort. Wie die Fahrer des Autos in die Tiefgarage gelangten, ist unklar. Nach Angaben der Anwohner ist dafür ein Schlüssel notwendig. Bildrechte: Tino Plunert
Die Polizei sucht mit Mantrailer-Hunden Spuren nach einem Autobrand in einer Tiefgarage in der Kötschenbroder Straße
Mit Mantrailer-Hunden sucht die Polizei nach Spuren. Bildrechte: Tino Plunert
Die Polizei sucht mit Mantrailer-Hunden Spuren nach einem Autobrand in einer Tiefgarage in der Kötschenbroder Straße
Wohin setzten sich die Täter ab? Bildrechte: Tino Plunert
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Unbekannte waren am Montagmorgen kurz vor 5 Uhr in das Museum eingedrungen und hatten einzigartige Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Nach Angaben der Ermittler stiegen sie über eines der vergitterten Fenster des Pretiosensaales ins Residenzschloss mitten in der Altstadt ein, gingen gezielt ins Juwelenzimmer und zertrümmerten dort eine der Vitrinen. Der Wert der Juwelen kann nicht beziffert werden, da die Stücke einmalig sind und damit am Kunstmarkt unverkäuflich sein dürften.

Quelle: MDR/lam/kk/jr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 26.11.2019 | ab 5:00 Uhr in den Nachrichten und ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

22 Kommentare

MaP vor 51 Wochen

Also, ich weiß nicht, aber eine Befestigung mit Angelsehne am Vitrinenboden, scheint mir auch nicht der Weißheit letzter Schluss zu sein für solche historisch wie materiell wertvollen Stücke. Gibt's da keine anderen Standards?

jochen1 vor 51 Wochen

Kunstraub - Und wann kommen denn nun endlich die personellen Konsequenzen ?
Es kann doch nicht mit dem alten verantwortlichen Personal so weiter gehen ?

Sachse vor 51 Wochen

@Rasselbock: Simone versteht und weiß es trotzdem besser als Sie. Sie gehört zu denen, die immer alles über alles wissen, da haben Sie mit Ihrem läppischen Fach-Diplom keine Chance. Als Mann müsste sie Horst heißen.

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