15.06.2020 | 20:53 Uhr | Update Gabriele Lorenz ist neue Kulturamtsleiterin in Radebeul

Gabriele Lorenz ist die neue Kulturamtsleiterin in Radebeul.
Bildrechte: Stadt Radebeul

Gabriele Lorenz ist neue Kulturamtsleiterin der Stadt Radebeul. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurde sie am Montagabend in einer Sitzung des Stadtrats mit großer Mehrheit gewählt.

Lorenz war im Mai schon einmal zur Wahl angetreten. Obwohl die 58-Jährige durch ihre Expertise Favoritin der hauptamtlichen Verwaltung gewesen war, unterlag sie in der Stadtratswahl vor drei Wochen knapp dem Schriftsteller Jörg Bernig. Nach Kritik an dessen umstrittenen Positionen und einem Veto von Oberbürgermeister Bert Wendsche war der Stadtrat aufgefordert, noch einmal über die Besetzung des Postens zu entscheiden. Bernig hatte am Donnerstag mitgeteilt, nicht noch einmal antreten zu wollen.

Wendsche entschuldigte sich im Namen der der Stadt und des Stadtrates bei Lorenz und Bernig "für die öffentliche Beschädigung". Er hoffe, Lorenz könne die Spaltung der Stadt überwinden.

Die Leitung des Kulturamtes erfordert es, Brücken zu bauen, Kulturschaffenden eine Bühne zu geben und durch moderierendes Agieren gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Akzeptanz zu fördern, sowie Dialog zu ermöglichen.

Bert Wendsche Oberbürgermeister von Radebeul

Lorenz kündigte an, die Kulturangebote der Stadt identitätsstiftend und weltoffen weiterentwickeln zu wollen. Kulturelle Teilhabe und Bildung seien ihr besonders wichtig.

Kritik an annullierter Wahl

Vor dem Sitzungssaal demonstrierten kurz vor dem Auftakt des Stadtrates zwischen 60 und 70 Personen gegen die annullierte Wahl Bernigs und dessen Rückzug. Letzterer sei unter Druck erfolgt, zeigte sich ein Redner vor Ort überzeugt. Die Demonstranten trugen unter anderem Schilder bei sich mit den Aufschriften "Droht Bernig die Deportation?" oder "Grüne Faschisten aus dem Stadtrat entfernen". Aufgerufen zu dem Protest hatte der AfD-Kreisverband Meißen. Auch die AfD-Landtagsabgeordneten André Wendt, Carsten Hütter und René Hein waren unter den Demonstranten.

Demonstration der AfD vor dem Sondersitzung des Stadtrates in Radebeul zur Besetzung des Kulturamtsleiter-Postens
Vor dem Sitzungssaal in einem Radebeuler Hotel demonstrierten am Montagabend 60 bis 70 Personen gegen die annullierte Wahl Bernigs. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Widerstand aus Stadtrat und Kulturszene

Bernig war am 20. Mai vom Stadtrat mit knapper Mehrheit gegen Lorenz zum neuen Kulturamtsleiter gewählt worden. Der 56-Jährige wird mit der sogenannten Neuen Rechten in Verbindung gebracht, schrieb unter anderem für die Publikationen "Tumult" und "Sezession". Stadträte, die gegen Bernig gestimmt hatten, reagierten empört. Auch in der Kulturszene der Stadt regte sich heftiger Widerstand gegen die Personalie. Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) legte wenige Tage nach der Wahl auf einer Sondersitzung des Ältestenrates sein Veto gegen den Stadtratsbeschluss ein. Der Stadtrat sollte noch einmal entscheiden.

Quelle: MDR/jr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.06.2020 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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