Eine Regionalbahn am Bahnstreig
Bildrechte: MDR/Andreas Schrock

25.07.2019 | 17:12 Uhr VVO hat Busersatz für Städtebahn Sachsen organisiert

Eine Regionalbahn am Bahnstreig
Bildrechte: MDR/Andreas Schrock

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat am Donnerstag einen Busersatzverkehr für die Städtebahn Sachsen organisiert. Am Donnerstagmorgen hatte die Städtebahn mitgeteilt, den Eisenbahnbetrieb aus finanziellen Gründen sofort auf allen Strecken komplett einzustellen. Betroffen sind die Linien Dresden - Königsbrück, Dresden - Kamenz, Pirna - Neustadt - Sebnitz und Dresden - Heidenau - Altenberg.

So sieht der Ersatzverkehr aus Ab Freitag fahren Busse - auf der Strecke Dresden – Königsbrück im Stundentakt zwischen Königsbrück und Dresden – Klotzsche. Dort haben die Fahrgäste Anschluss an die S-Bahn zum Hauptbahnhof. Als Ersatz für die Bahnlinie Kamenz – Dresden rollen die Busse stündlich zwischen der Lessingstadt und Radeberg. Dort besteht Anschluss von und nach Dresden. Als Ersatz für die Züge der Städtebahn halten die Express-Züge des Trilex zusätzlich in Langebrück und Dresden-Industriegelände. Auf der RB 71 (Sebnitz – Pirna) fahren die Busse am Freitag im Stundentakt, am Wochenende im Zwei-Stunden-Takt. Im Müglitztal (RB 72) bestehen ebenfalls stündliche Angebote, hier werden zum Teil die regulären Linienbusse mit eingebunden. Am Wochenende fahren die Ersatzbusse ebenfalls im Zwei-Stunden-Takt.      

Die Fahrten der Seenlandbahn Dresden – Senftenberg und des Wander-Expresses Dresden – Altenberg entfallen am kommenden Wochenende ersatzlos.

Das Sächsische Wirtschaftsministerium forderte unterdessen per Twitter von der Städtebahn Sachsen die unverzügliche Wiederaufnahme des Betriebs. Man könne den Unmut der Kunden verstehen, hieß es weiter.

Finanzielle Probleme

Eine Anzeige weist auf eingestellten Zugverkehr hin.
Derzeit fährt kein Zug der Städtebahn Sachsen. Bildrechte: xcitePRESS

In einer schriftlichen Mitteilung von der Nacht zum Donnerstag erklärte die Städtebahn, weshalb man den gesamten operativen Betrieb in der Nachtpause eingestellt hat. So seien die von der DB Netz AG zur Verfügung gestellten Bahntrassen in einem schlechten Pflegezustand. Massive Vegetationsschäden hätten in den vergangenen Jahren häufig zu Zugkollisionen und Schäden im Millionenbereich geführt. "Es sind dem Unternehmen seit 2014 hierdurch Schäden in einem siebenstelligen Euro-Bereich entstanden, die in langwierigen und teuren Gerichtsprozessen verfolgt werden müssen und insoweit die Liquidität der Städtebahn Sachsen GmbH als mittelständisches Eisenbahnunternehmen massiv belastet haben", heißt es in der Mitteilung. Ob und wann der Verkehrsbetrieb wieder aufgenommen wird, ist unklar.

VVO will Busse einsetzen

"Der Verkehrsverbund Oberelbe ist genauso überrascht wie die Fahrgäste über die plötzliche Betriebseinstellung der Städtebahn Sachsen", sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper am Donnerstagmorgen MDR SACHSEN. Man arbeite mit Hochdruck an Ersatzkonzepten, um den Fahrgästen so schnell wie möglich eine Alternative wenigstens mit Bussen anbieten zu können, so der VVO-Sprecher. "Unser oberstes Ziel ist es, einen stabilen Verkehr auf den Strecken rund um Dresden zu haben." Unterdessen rotieren die Mitarbeiter an der VVO-Infohotline, um den steckengebliebenen Reisenden weiterzuhelfen.

Unternehmen sorgte wiederholt für Schlagzeilen

In der Vergangenheit hatte die Städtebahn unter anderem für Schlagzeilen gesorgt, weil Züge wegen fehlenden Personals ausfielen. Im Juni verkündete das kleine Bahnunternehmen, der Personalmangel sei seit Frühling abgestellt.

Vorigen Herbst hatte die Städtebahn einen Flächentarifvertrag mit der Gewerkschaft der Lokomotivführer abgeschlossen und wollte damit unter anderem als Arbeitgeber attraktiver werden.

Die Städtebahn Sachsen betreibt nach eigenen Angaben 15 Desiro-Dieseltriebwagen und beschäftigt 85 Mitarbeiter.

Quelle: MDR/ma/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.07.2019 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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52 Kommentare

26.07.2019 17:08 Dr. André Hahn MdB 52

Anstatt auf einem Sommerfest des VVO am 28. August im Dresdner Straßenbahnmuseum auf die Ergebnisse des ersten Halbjahres anzustoßen ist nunmehr möglichst bald ein Krisengipfel von Sächsischen Verkehrsunternehmen, den Landkreisen und Städten, der Deutschen Bahn und Vertretern der Sächsischen Landesregierung notwendig.
Die Pleite der Städtebahn Sachsen hat sich schon seit Monaten abgezeichnet und ist auch ein Ergebnis jahrzehntelanger falscher Verkehrspolitik in Bund, Ländern und Kommunen. Unter Federführung von CDU/CSU wurde im Bund wie auch in Sachsen auf Privatisierung und Zersplitterung des Öffentlichen Personennah- und fernverkehrs gesetzt.
Vordringlich geht es jetzt auch darum, den Schienenersatzverkehr bald wieder durch einen regelmäßigen Schienenverkehr zu ersetzen. Dafür werde ich mich als Bundes- und Kommunalpolitiker einsetzen.

26.07.2019 13:42 Heiko 51

So will man den Klimawandel schaffen? Kein Wunder das man eine CO2 Steuer will,Zug fahren unmöglich,Geld vom Bürger nehmen ist einfacher.Der Fehler ist die Privatisierung der Bahn. Bei der DR hat es auch funktioniert und das bei der Mangelwirtschaft es fehlen erfahrene Eisenbahnerund keine Profitgierige Manager.

26.07.2019 12:52 Grosser, Klaus 50

@Silvio
Das glaube ich nicht, als aktuellste Meldung ist doch auf der Internetseite der Städtebahn Sachsen GmbH folgendes zu lesen: “13. Juni 2019, Städtebahn fährt seit Februar zuverlässig, kein Personalmangel mehr"
Oder sollte das nicht stimmen, was Herr Thomas Sewerin sagt?

26.07.2019 12:07 Grosser, Klaus 49

@Andreas Wolf
Die Städtebahn Sachsen GmbH erfüllt schon seit Langem ihre vertraglich, vereinbarten Leistungen nicht.
Ich erwarte einfach von der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH, dass sie einfach ihre Arbeit macht und die Strecken der Städtebahn, vorfristig neu ausschreibt und vergibt.

26.07.2019 11:51 veigro 48

Wo ist eigentlich Genosse Dulig? Seines Zeichens doch auch Sächsischer Verkehrsminister. Wahrscheinlich ist er gerade als "Kollege Dulig" im Wahlkampf unterwegs - vom Steuerbürger bezahlt natürlich. Sein Ministerium, das SMWA fordert von der Städtebahn per Twitter (!!) die Wiederaufnahme des Betriebes. Wie lächerlich ist das denn?
Wo ist das Machtwort, dass hier hinsichtlich einer Landesverkehrsgesellschaft vom Minister gesprochen werden sollte? Der stellvertretende MP ist wieder vor den vielen kleinen Provinzfürsten eingeknickt, von der Landesverkehrsgesellschaft hört man nichts mehr. Wie auch vom Projekt Fahrradautobahnen..oder dem raschen Ausbau der A4, ausreichend Parkplätzen nachts für LKW´s usw. usf.

26.07.2019 11:46 Eklis Repsak 47

Die Einrichtung von Busverbindungen ist ziemlich schnell geschehen, allerdings ist das kein Zustand für mehrere Wochen ! Sehr ärgerlich, am Mittwoch habe ich noch eine Monatskarte gekauft, die mir persönlich nun gar nichts nützt, da der Zeitaufwand noch höher ist als mit der Bahnund ich auf das Auto zurückgreifen muss :-(

26.07.2019 09:44 Silvio 46

Wie könnt ihr nur dem VVS auch noch danken? Ausgerechnet diesem Bus-Lobbyverein. Nach den neuesten Pressemitteilungen wussten der VVO und die Städtebahn seit 17.07. von der drohenden Stilllegung. Nur die Fahrgäste nicht. Deswegen hat auch so kurzfristig gestern der "Busnotverkehr" geklappt.Der VVO hat da im Hintergrund sicher schon vorgefühlt. Es wird echt langsam Zeit für eine Landesverkehrsgesellschaft.

26.07.2019 01:09 Jürgen Martin 45

Ja, warum wird auch immer in Bahndingen gespart, warum immer das billigste EVU beauftragt, während der klima- und umweltschändliche Strassenbau- und Verkehr immer im Luxustempo fortgeführt wird? Stoppt endlich den Strassenbau und verlagert z.B. den güterverkehr weitgehend auf die Schiene und verdoppelt die LKW-Maut, dessen Geld in den Bahnunternehmen fließt. Die Landesregierung (die so gerne die Regionalisierungsmittel kürzt ) sollte jetzt die volle Verantwortung für die Finanzprobleme der Stadtebahn übernehmen, indem sie diese voll finanziell unterstützt, und aus dieser eine "Sächsische Landesbahn" machen. Das Geld wird aus dem Strassenbautopf genommen, und die DB als auch die Städtbahn aufgefordert den Zugbetrieb wieder Komplett aufzunehmen. Als zwischenlösung muß dann mal vorrübergehend ein anderes EVU z.B. DB-Regio den Zugverkehr übernehmen. Der Bus ist hier kein Ersatz.

25.07.2019 22:00 Hamburger 44

@Mika: ich verstehe den Zusammenhang mit der Städtebahn Sachsen nicht.

25.07.2019 21:42 Andreas Wolf 43

Aus meiner Sicht handelt die SBS genau richtig. Land, Bund und die Bahn haben die unattraktiven Strecken abgegeben, die Strecken absolut vernachlässigt und teilweise sogar Ausweichgleise zurückgebaut.

Das Personal der SBS ist stets freundlich. Bei der Bahn ist man sofort ein Schwarzfahrer, wenn man seine Monatskarte vergessen hat.
Und übrigens, welches Unternehmen hat schon freiwillig sich mit 50€ bei seinen Dauerkunden für Verspätungen, die auf Grund von Baumaßnahmen der DB Netz entstanden sind, entschuldigt.

Eine Pünktlichkeitsgarantie kenne ich auch nur bei der SBS, und es gibt noch andere Unternehmen im VVO, der nur ein von vier überflüssigen Verbänden in Sachsen ist.

Die kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen.

Auf ein Bildungsticket wartet Sachsen schon lange usw.

Ich wünsche allen Verantwortlichen einen schönen Urlaub noch.

Viel Glück SBS, ich hoffe ihr kommt bald wieder planmäßig.

Vor dreißig Jahren haben die Bahner den Mangel besser verwaltet.

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