Farbattacke auf Städtebahn-Züge
Seit Ende Juli stehen die Züge der insolventen Städtebahn still, sie gehören einem Leasingunternehmen. Bildrechte: Bundespolizeiinspektion Dresden

07.08.2019 | 11:45 Uhr Leasingfirma: Züge der Städtebahn Sachsen sollen in Region bleiben

Farbattacke auf Städtebahn-Züge
Seit Ende Juli stehen die Züge der insolventen Städtebahn still, sie gehören einem Leasingunternehmen. Bildrechte: Bundespolizeiinspektion Dresden

Im Fall der insolventen Städtebahn Sachsen laufen noch immer Gespräche über die Wiederaufnahme des Zugebetriebs auf den Strecke von Dresden nach Kamenz und Königsbrück, von Heidenau nach Altenberg und von Pirna nach Sebnitz. Daran beteiligt sind der vorläufige Insolvenzverwalter der Städtebahn, Stephan Laubereau, das Leasingunternehmen Alpha Trains und der Verkehrsverbund Oberelbe. Wie Alpha Trains am Mittwoch mitteilte, stehen die 15 Triebwagen weiterhin für den Betrieb in Sachsen zur Verfügung. Weder habe man diese aus dem Freistaat abgezogen noch bringe der Stillstand der Fahrzeuge dem Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil, heißt es. Damit wies das Unternehmen anderslautende Angaben der Städtebahn zurück.

Eine Sprecherin von Alpha Trains wollte sich aber nicht dazu äußern, wann über den weiteren Betrieb der Städtebahn entschieden wird.

Nächste Gehaltszahlung Mitte August fällig

Die Städtebahn hatte zuvor den Verkehrsverbund Oberelbe und den Freistaat Sachsen um Unterstützung gebeten. "Diese müssen Druck auf Alpha Trains ausüben, weil die Fahrzeuge für das Dresdner Dieselnetz sonst möglicherweise für immer aus der Region abgezogen werden", schreibt das insolvente Unternehmen.

Am 15. August 2019 ist den Angaben zufolge die nächste Gehaltszahlung für die 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Städtebahn Sachsen GmbH fällig. Insolvenzausfallgeld sei aber nur dann von der Städtebahn Sachsen zahlbar, wenn der Betrieb fortgeführt werde und für die Lohnkosten eine Zwischenfinanzierung zur Verfügung stehe. Anderfalls sei zu befürchten, dass die Mitarbeiter sich nach anderen Arbeitsmöglichkeiten umschauten und dann auch einem Nachfolgeunternehmen nicht mehr zur Verfügung stünden. Ausgebildete Eisenbahner werden bundesweit gesucht.

Die Städtebahn hatte vor knapp zwei Wochen den Betrieb auf ihren vier Strecken rund um Dresden eingestellt, nachdem Alpha Trains den Leasingvertrag für die Züge gekündigt hatte. Nach dem insolvenzantrag der Städtebahn am 26. Juli kündigte der Verkehrsverband Oberelbe den Betreibervertrag. Derzeit fahren Ersatzbusse. Die Frage, warum Alpha Trains die Leasingverträge für die 15 Triebwagen der Städtebahn gekündigt hat, hat bisher weder Alpha Trains noch die Städtebahn konkret beantwortet. Die Städtebahn hat lediglich auf wiederholte Beschädigungen durch Zusammenstöße mit bei Unwettern umgestürzten Bäumen verwiesen. Alpha Trains verwies auf Diskretion unter Vertragspartnern.

Übergangsbetrieb versus Notvergabe Übergangsbetrieb bedeutet, dass die Städtebahn Sachsen trotz Insolvenz den Zugverkehr zeitnah wieder aufnimmt und solange anbietet, bis der Verkehrsverbund Oberelbe mittels Notvergabe einen Verkehrsvertrag mit einem Nachfolger für die Städtebahn Sachsen geschlossen hat. Dazu verhandelt der VVO unter anderem mit DB Regio, Länderbahn und Mitteldeutscher Regiobahn, die in der Region Dresden bereits aktiv sind.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.08.2019 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

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6 Kommentare

09.08.2019 09:33 Grosser, Klaus 6

Die Insolvenz der Städtebahn Sachsen GmbH steht exemplarisch für den sehr schlecht ausgestatteten Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Sachsen.
Insbesondere ist hier zu kritisieren, dass die Verkehrsverbund Oberelbe GmbH ihre Aufgaben nicht erfüllt.
Dies wäre genug Stoff für eine Artikelserie, aber offensichtlich ist Recherche für die Onlineredaktion des MDR Sachsen ein Fremdwort!

08.08.2019 14:28 Motzi 5

Es wird schon seinen Grund gaben, warum "richtig" ausgebildete Eisenbahner immer einen Bogen um den Laden gemacht haben. Und es würde mich nicht wundern, wenn ein Großteil der Belegschaft schon woanders angeheuert hat. Auch die MRB sucht z.B. Leute.

08.08.2019 13:50 Grosser, Klaus 4

Die Entscheidung der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH den Vertrag zu kündigen erstaunt mich, gab es doch bei bisherigen Vertragsverstößen der Städtebahn Sachsen GmbH keine Strafzahlungen und keine Abmahnung.
Wenn ich die bisherige Arbeit der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH betrachte, ist es aber zu Befürchten, dass es Monate bzw. Jahre dauern wird, bis ein regulärer Bahnbetrieb wieder zustande kommt.
Anstatt nur Pressemeldungen zu zitieren, sollte die Onlineredaktion des MDR Sachsen, endlich einmal journalistisch tätig werden: z. B. inwieweit denn die Aussagen der Städtebahn Sachsen GmbH bzw. der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH stimmen oder welche tatsächlichen Hintergründe die Entscheidung der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH hat.
Ich empfehle da die journalistischen Grundsätze von Radio Bremen.

07.08.2019 22:26 LUDMILLA 3

Am Ende ist es mir egal wer die Strecke betreibt, so lange es Lokbespannte Garnituren sind die den Verkehr aufnehmen. Die Erzgebirgsbahn würde ich ansonsten gerne sehen

07.08.2019 20:17 Paulchen 2

@1 d'accord!
Ich habe nichts gegen private Anbieter, die den Wettbewerb beleben, aber gegen Billiggebote von kapitalschwachen Minigesellschaften, welche die Risiken im öffentlichen Verkehr auf Dauer nicht bewältigen können... erst keine Triebfahrzeugführer, dann keine Triebwagen, dann überhaupt kein Be-Trieb mehr :-( und dabei sollen doch mehr Leute auf die Bahn umsteigen :-X

07.08.2019 19:23 Steffen 1

Besser keine weiteren Experimente mehr mit EVU ohne eigenen Fahrzeugpark!!! DB REGIO soll übernehmen und das dauerhaft!!! Damit kommen auch DB Mitarbeiter wieder in die Chance beruflich wie privat die dienstlichen wie privaten Fahrvergünstigungen auf den Strecken zu nutzen!

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