12.09.2019 | 18:22 Uhr Mieter in Dresden klagen gegen Wohnungsunternehmen Vonovia

Im Frühjahr beschwerten sich bundesweit Mieter über zu hohe Nebenkostenabrechnungen des Immobilienkonzers Vonovia. In Dresden haben sich jetzt 14 Mieter zu einer Klage entschlossen. Sie wollen Einsicht in Abrechnungen nehmen.

von Stephan Hönigschmid

Drei Menschen mit Aktenordnern jeweils unter ihren rechten Armen stehen vor einer Wand un dblicken in die Kamera. Es sind von links nach rechte: der Vorsitzendes des Dresdner Mietervereins Peter Bartels, Sprecherin Katrin Kroupová und der Leiter der Rechtsabteilung Jan Bröchler.
Der Vorsitzende des Dresdner Mietervereins Peter Bartels, Sprecherin Katrin Kroupová und der Leiter der Rechtsabteilung Jan Bröchler (v.l.n.r.). Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Der Streit um die Nebenkostenabrechnung beim Wohnungsunternehmen Vonovia spitzt sich in Dresden weiter zu. Wie der Mieterverein Dresden und Umgebung am Donnerstag informierte, haben 14 Mieter beim Amtsgericht Dresden Klage eingereicht. Sie möchten auf diesem Weg Einsicht in fehlende Belege bekommen. "Die Mieter hatten sich an uns gewandt, weil ihnen die Nebenkosten zu hoch erschienen. Allerdings waren die vorhandenen Abrechnungen nicht aussagekräftig. Deshalb haben wir von der Vonovia gefordert, die Kosten genau aufzuschlüsseln. Das ist aber trotz nachgelieferter Unterlagen nicht passiert", sagt die Sprecherin des Mietervereins, Katrin Kroupová, die Ende des Jahres mit den Gerichtsurteilen rechnet. 

Wir haben 11.073 Seiten Unterlagen der Vonovia geprüft. Leider sind die nicht vollständig geeignet gewesen, um alle Kosten nachzuweisen. Es sind viele Fragen offen.

Katrin Kroupová  Sprecherin des Mietervereins Dresden

Ärger über Hausmeisterabrechnung

Unklarheiten gibt es bei Positionen wie Hauswart, Hausreinigung, Pflege der Außenanlagen und Winterdienst. "Unter anderem lässt sich nicht genau ablesen, was ein Hausmeister für sein Geld getan hat", sagt Katrin Kroupová. Im Gegensatz dazu vertritt die Vonovia die Auffassung, dass ein solcher Vertrag nicht vorzulegen sei. Um dennoch an die Belege zu kommen, bleibt den Mietern jetzt nur der Klageweg. 

Obwohl 14 Mieter klagen, gibt es mehr Betroffene. "Allein für den Abrechnungszeitraum 2016/17 liegen uns 350 Widerspruchsschreiben unserer Mitglieder vor. Und auch für 2017/18 sind erneut etliche eingegangen", sagt der Leiter der Rechtsabteilung des Mietervereins, Jan Bröchler. Er weist darauf hin, dass die Kosten früher, als Fremdfirmen für die Aufgaben rund ums Haus zuständig waren, niedriger lagen.

Seit 2015/16 hat die Vonovia eigene Firmen beauftragt. Besonders sichtbar wurden die Preissteigerungen ab der Abrechnung 2016/17, wo die Kosten für den Winterdienst teilweise um 600 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen waren.

Jan Bröchler Leiter der Rechtsabteilung beim Mieterverein Dresden und Umgebung

Fahrzeug mit der Aufschrift "VOVONIA"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wohnungskonzern setzt auf gerichtliches Mahnverfahren

Dass es beim Widerspruch auf jeden einzelnen der Dresdner Vonovia-Mieter ankommt, betont der Vorsitzende des Mietervereins, Peter Bartels: "Die Vonovia geht davon aus, dass es 80 Prozent der Mieter sowieso bezahlen. Deshalb sollte man die Abrechnung immer überprüfen." Wer trotzdem bereits gezahlt hat, kann innerhalb von zwölf Monaten Widerspruch einlegen und die Belege anfordern. Anschließend hat der Mieter drei Jahre Zeit, um die Einsicht einzuklagen. Drei Jahre beträgt zudem die Verjährungsfrist für zu viel gezahlte oder nicht nachgewiesene Kosten.

Gegenwärtig scheinen sich die Fronten immer weiter zu verhärten. "Anfang August hat die Vonovia mitgeteilt, dass sie keine weiteren Belege mehr vorlegt. Gleichzeitig erhielten einige Dresdner Mieter, die bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts Kosten gekürzt oder zurückgehalten hatten, gerichtliche Mahnbescheide", sagt Jan Bröchler. Die Forderungen lägen dabei zwischen 80 und 700 Euro, so der Leiter der Rechtsabteilung.

Vonovia: Abrechnungen müssen nun beglichen werden

Beim Wohnungskonzern Vonovia, dem in Dresden rund 38.000 Wohnungen gehören, kann man die Aufregung nicht verstehen: "Unseres Wissens sind in Dresden keine weiteren Anfragen vom Mieterverein zu dieser Thematik offen", sagt Sprecher Matthias Wulff und fügt an: "Die vorliegenden Abrechnungen haben wir intensiv geprüft und die Zusammenhänge sehr ausführlich erläutert. Die Abrechnungen sind korrekt – und müssen nun beglichen werden."

Auch den Verdacht, dass Vonovia mit den Nebenkosten einen Gewinn erzielt, weist der Sprecher von sich:

Wir beachten bei den Betriebskosten das Wirtschaftlichkeitsgebot, also ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wir haben hinreichend dargestellt, wie die Betriebskostenabrechnungen zustandekommen. Und wir haben so beim Mieterverein weitreichende Transparenz geschaffen und dabei auch viele Einblicke in unsere Abläufe ermöglicht.

Matthias Wulff Unternehmenssprecher bei der Vonovia

Betriebskostenabrechnungen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.09.2019 | ab 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 18:22 Uhr

4 Kommentare

courage vor 4 Wochen

Leider bin ich Mieter bei der Vonovia in NRW.Ich würde mich sofort einer Klage gegen Vonovia anschliessen.
Seitdem Vonovia die Wohnungen uebernommen hat , steigen die Nebenkosten jährlich bei immer weniger Leistungen.
Juristisch ist der Konzern erstklassig durch eigene Rechtsabteilungen,
Mahnwesen und Exklusiven Rechtsanwälten vertreten.
Nicht zu vergessen die guten Beziehungen zur Politik - man schaue nur auf Blackrock den Hauptaktionär von Vonovia mit Friedrich Merz an der Spitze. Die grossen Parteien haben städtische Wohnungsgesellschaften an Vonovia verscherbelt und auf einmal mit
Einem bisschen Styropor an der Fassade,Zauberwort "energetische Modernisierung" werden fällige Instandsetzungen als Modernisierung
Verkauft Auf Kosten der Mieter und der Allgemeinheit.
Marode Häuser werden zu Goldgruben.
Mafiamethoden!

Omsewitzerin vor 4 Wochen

Ich bin froh, dass ich kein Mieter bei der Vonovia bin. Was man da schon alles gehört oder auch gelesen hat, das ist wirklich ärgerlich. Mein Eindruck ist: die schröpfen die Mieter. Ich bin auch gespannt, was bei der Verhandlung rauskommt.
Eigentlich müssten viel mehr Mieter klagen.

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Also ich wünsch diesen Mietern viel Erfolg.
Ich denk es ist nicht einfach sich gegen Vonovia durchzusetzen aber es wird sich lohnen.

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