Politikwissenschaftler Werner Patzelt
Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt beendet im Frühjahr seine Lehrtätigkeit an der TU Dresden. Bildrechte: Daniel Förster

Vorwurf: Forschung und Politik vermischt Bruch zwischen Politikprofessor Patzelt und der TU Dresden

Die Philosophische Fakultät der TU Dresden verzichtet auf Werner Patzelt als Seniorprofessor und unterstellt ihm Rufschädigung. Der Politologe setzt sich zur Wehr und droht mit rechtlichen Schritten.

Politikwissenschaftler Werner Patzelt
Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt beendet im Frühjahr seine Lehrtätigkeit an der TU Dresden. Bildrechte: Daniel Förster

Der Dresdner Politikprofessor Werner Patzelt will die Vorwürfe des Prodekans der Philosophischen Fakultät, Lutz Hagen, seiner Person gegenüber so nicht hinnehmen. "Nötigenfalls werde ich gegen fortgesetzte Falschaussagen dieser Art rechtlich vorgehen", erklärte der 65-Jährige auf Anfrage. Streit ist wegen Patzelts Wunsch nach einer Seniorprofessur im Anschluss an sein altersbedingtes Ausscheiden aus der Lehrtätigkeit entbrannt. Die philosophische Fakultät schlug ihn für dieses Ehrenamt nicht vor.

Prodekan Hagen hatte in einem Interview mit dem MDR die Gründe erläutert und das öffentliche Auftreten des Hochschulprofessors missbilligt: "In der Tat sehen es viele an der Fakultät, aber auch im Senat der TU Dresden war das schon ein Thema und im Rektorat, sehr kritisch, dass Herr Patzelt sich so stark politisch exponiert." Viele hätten den Eindruck, dass er seine politische Tätigkeit nicht hinlänglich von seiner Position als Wissenschaftler trennen würde, so der Prodekan. Hagen weist unter anderem auf Patzelts Kooperation mit polemisierenden, politischen Webseiten hin. Auch hat Patzelts - aus Sicht der Uni nicht zutreffende - öffentliche Kritik gegenüber der Hochschulleitung das Verhältnis gestört.

"Ich wüsste nicht, dass ich je Wissenschaft und Politik 'vermischt' hätte", sagte dazu Patzelt. Bis zu seiner kürzlichen Berufung in die Programmkommission der sächsischen CDU habe er überhaupt keine politische Tätigkeit ausübte, betonte der Wissenschaftler, der seit mehr als zwei Jahrzehnten CDU-Mitglied ist. Ein Politikwissenschaftler müsse sich in Forschung, Vorträgen und Gutachten mit Politik beschäftigen und öffentliche Aussagen hätten nun mal im politischen Diskurs einen gewissen Einfluss.

Seniorprofessur nur mit Empfehlung

Wie die TU Dresden in einem Statement am Montag schreibt, wird Werner Patzelt die Universität im März verlassen und in den Ruhestand gehen. Wie alle anderen Professoren bleibe er jedoch weiter Angehöriger der Uni, behalte seinen Titel und könne selbstverständlich seine laufenden Projekte beenden, hieß es. Anders verhält es sich mit einer Seniorprofessur, die seit zehn Jahren an der TU existiert. Hier entscheidet das Rektorat auf Empfehlung des Dekans der jeweiligen Fakultät über die Verleihung des Titels. Nach Angaben der Uni sind in den letzten zwei Jahren 49 Professoren in Ruhestand gegangen. Von ihnen haben elf eine Seniorprofessur übernommen.

Patzelt hat unter anderem zu AfD und Pegida geforscht. Kritiker warfen ihm wiederholt eine zu große Nähe zum Untersuchungsgegenstand vor. Inzwischen steht fest, dass der Politikwissenschaftler am CDU-Wahlprogramm für die Landtagswahl mitschreiben wird. Patzelt selbst blickt nach vorn. "Die unschönen Umstände der Beendigung des Dienstes für meine Universität berühren mich nicht sonderlich, sondern sorgen für einen nunmehr wünschenswert klaren Schnitt", schreibt er in seinem Blog. Einen Schnitt hatte vergangene Woche auch die Sächsische Zeitung gemacht. Sie verabschiedet sich von dem Dresdner Politikprofessor als Autor einer zweiwöchigen Kolumne. Wegen dessen künftiger Arbeit für die CDU sei die Ausgewogenheit der Berichterstattung nicht mehr gegeben.

Quelle: MDR/ma/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.01.2019 | 10 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Wahlhelfer zählen in einem Wahllokal die abgegebenen Stimmen. 1 min
Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2019, 17:29 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

59 Kommentare

23.01.2019 12:10 Klaus Kramer 59

Eine Verlinkung auf einen privaten Blog, lieber MDR, ersetzt kein journalistisch gut geführtes Interview. Zudem ist der Prodekan der falsche Adressat, da der Konflikt mit dem Rektor besteht. Wann wird auch die Position Prof. Patzelts mit kritischen Fragen bedacht? Das dürfte auch von allgemeinem Interesse sein, da es sich dem Anschein nach nicht nur um eine interne Kabale handelt. Vielmehr werden hier exemplarisch spannende Fragen nach
a) den justiziablen im Unterschied zu sozial opportunen Grenzen der Meinungsfreiheit,
b) der Unabhängigkeit universitärer Forschung von politischer Einflussnahme,
c) der gebotenen Nähe und Distanz von Politikwissenschaftlern zum Forschungsgegenstand,
d) dem politischem Engagement von Beamten,
f) den Grenzen kollegialer Toleranz vom Mehrheitskonsens abweichender Positionen im universitären Betrieb
g) den allgemeine Qualitätskriterien guter Forschung (und wie diese vom Laien zu erkennen sind)
aufgeworfen.

23.01.2019 12:08 mare nostrum 58

Ehrenämter, Herr Professur, kann man nicht erzwingen!
Anscheinend auch nicht im Sachsensumpf ...

22.01.2019 23:14 ralf meier 57

@Peter Nr 55: Sie wollen es offensichtlich nicht verstehen oder können Sie es nicht:
Ich muß jemanden nicht 100% zustimmen um ihn und seine Meinung zu schätzen.
Das überlasse ich gerne den 100% Sozis der heute eher sozialpädagogischen als sozialen Partei Deutschlands.

22.01.2019 16:35 Querdenker 56

Bin gespannt, ob die guten Studien (von 2014 bis 2016) zu „Pegida Dresden“ von der Homepage der Universität verschwinden.

siehe „tu-dresden Rassisten, Extremisten, Vulgärdemokraten! Hat sich PEGIDA radikalisiert?“

22.01.2019 16:20 Peter 55

@49 ralf meier: Dann werden Sie folgenden Worten Patzelt´s, geäußert im Interview, zustimmen: „Mit einer Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ist eine Koalition nicht möglich. Mit einer Partei, die sich nicht entschieden hat, ob sie eine normale, staatstragende oder eine Antisystempartei ist, kann man auch keine Koalition machen. Es liegt an der AfD sich so zu entwickeln, dass sie nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet und eine ganz normale deutsche Partei wird. Es ist aber nicht absehbar, dass dieses der AfD in irgendeiner relevanten, zeitlichen Entfernung von heute gelingen könnte.“
Ich zumindest stimme Herrn Patzelt zu.

22.01.2019 13:33 DER Beobachter @ Wo geht es hin 54

Ganze Reihe von Patzelts jetzigen Stud. oder die ihr Stud. nach 2015 beendet haben, sind Pegida-krit., eben weil sie Patzelt als Prof. haben/hatten. Pegida war schon immer radikal, hat sich aber erst nach Patzelt-Studie, die durchaus erhebl. für ihn ungewöhnl. wiss. Schwächen hat, so radikalis. Die jetzigen/jüngeren Patzelt-Studenten schätzen Wissenschaftler und Erklärer Patzelt nach wie vor wie ich einst und schütteln wie ich zugleich Kopf über die Verirrg. Patzelt hat ja auch mit seinen Erklärungen zu Entsteh. Pegidas und Stärkg. AfD durchaus Recht (Bürgerinteressen werden/wurden nur ungenüg. berücks. bzw. (nötige) polit. Entscheidungen nicht ausreichend nachvollziehb. kommun.), nur hat er sich eben m.W. nie so recht zur Radikalis. der Bewegungen geäußert. Dass es eine gewisse Entfremdg. zwischen ihm und sonstigem eher liberalen bis eher konserv. (eben nicht "RRG-versifften) Lehrstuhlkörper gab, ist Insidern und Nutzern einschlägigen FBs durchaus bekannt gewesen...

22.01.2019 12:30 lummox 53

@51 der war gut ! :)

22.01.2019 12:18 DER Beobachter @ W.Merseburger 52

Entschuldigung, natürlich meine ich "emeritiert" ;) Ansonsten gebe ich Ihnen recht. Eben deswegen habe ich Patzelts "Ausflug"/"Verirrung" nicht verstehen können... ;)

22.01.2019 11:52 W. Merseburger 51

An DER Beobachter, kleine Anfrage,

Ich verstehe nicht ganz, was sie da schreiben. Sie reden mehrfach von einer Eremitierung von Patzelt. Wird Patzelt nun Eremit, oder haben sie da etwas verwechselt und Patzelt wir emeritiert und deshalb ein Prosessor im ehrenhaften Ruhestsand? Und trotz allem Für und Wider, die Sache hat ein Geschmäckle und entwickelt sich wahrscheinlich zur sächsischen Provinzposse. Und das hat Patzelt nicht verdient, weil er zu denjenigen politisch sich äußernden Menschen gehört, die auch tatsächlich etwas Fundiertes sagen können.

22.01.2019 11:49 lummox 50

wer sich mal die zeit nimmt und Patzelt's sachliche darstellung zu gemüthe führt und sich nicht nur durch den medialen Anti-Patzelt irreführen läßt, wird erkennen müssen das der prof. wissenschaftlich korrekt und neutral gearbeitet hat. wer also hat interesse daran ihn als afd- und pegida-symphatisanten darzustellen? wo sind die klärenden worte seiner gesprächspartner, z.b. von phoenix.

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen

Wahlhelfer zählen in einem Wahllokal die abgegebenen Stimmen. 1 min
Bildrechte: dpa