Ein Priester hält 2010 einen Rosenkranz und eine bischöfliche Erklärung in der Hand
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Aktuelle Studie 28 Missbrauchsfälle im Bistum Dresden-Meißen

Die Studie zu den Missbrauchsvorfällen in der katholischen Kirche wurde mit Spannung erwartet. Die Zahlen und Begleitumstände haben auch die Kleriker erschüttert. Auch im Bistum Dresden-Meißen gab es zahlreiche Fälle.

Ein Priester hält 2010 einen Rosenkranz und eine bischöfliche Erklärung in der Hand
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Im katholischen Bistum Dresden-Meißen haben Geistliche seit 1953 mindestens 28 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Das geht aus der sogenannten MHG-Studie hervor, die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben wurde und am Dienstag im Hessischen Fulda der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. 14 Priester und ein Ordenspriester waren laut Bistum in Missbrauchsvorfälle verwickelt. Bei den Opfern habe es sich um 15 Mädchen und 13 Jungen gehandelt. Die meisten Fälle wurden zwischen 1970 und 1979 registriert.

MHG-Studie Ziel der Mannheim-Heidelberg-Gießen-Studie (kurz MHG-Studie) ist es, den sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche sowohl für die Betroffenen, als auch für die Öffentlichkeit aufzuarbeiten.

Bischof bittet um Entschuldigung

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers zeigte sich erschüttert über die Ergebnisse. "Ich schäme mich dafür, dass Kleriker und Ordensleute die menschliche Würde von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen mit Füßen getreten haben", sagte er.

Mir geht es angesichts der Schwere nicht leicht über die Lippen, dennoch möchte ich es formulieren: Für unsere Diözese bitte ich die Opfer um Entschuldigung.

Bischof Heinrich Timmerevers

In den nächsten Monaten werde es Aufgabe der Diözese sein, sich mit den "Ergebnissen der komplexen Studie auseinanderzusetzen und weitere Konsequenzen zu ziehen", kündigte Timmerevers an. Bislang wurden an die Opfer laut Bistum insgesamt knapp 100.000 Euro gezahlt. Um Missbrauchsfällen vorzubeugen, setzt das Bistum auf Präventionsschulungen.

"Es war nicht nur das Fehlverhalten Einiger"

Der MHG-Studie zufolge sollen zwischen 1946 und 2014 bundesweit 1.670 Priester 3.677 Kinder sexuell missbraucht haben. Der Mannheimer Professor Harald Dreßing und Leiter der Studie sagte, er habe an sich als forensischer Psychiater eine professionelle Distanz. Aber sowohl das Ausmaß als auch der Umgang der Kirchenverantwortlichen mit den Taten hätten ihn erschüttert. Dreßing zufolge, lässt sich die genaue Zahl der Täter nicht ermitteln. Die Quellenlage sei nicht optimal gewesen. "Die katholische Kirche weiß nicht, wie viele Kleriker sie beschäftigt hat", erklärt Dreßing. Die Quellen hätten sich mitunter erheblich widersprochen.

Die Reaktionen der katholischen Kirche nennt Dreßing inadäquat. Der Schutz der Institution habe Vorrang vor dem Schutz der Betroffenen gehabt. Es gebe Machtstrukturen innerhalb der Kirche, die den Missbrauch begünstigt und die Umsetzung der Präventionsmaßnahmen erschwert hätten. "Es war nicht nur das Fehlverhalten einiger", so Dreßing. Er betonte auch, dass die Studie keine Aufarbeitung sei. "Die muss von der Kirche selbst geleistet werden."

Bistum Dresden-Meißen Das Bistum ist gegliedert in acht Dekanate und umfasst nahezu den gesamten Freistaat - ausgenommen der Oberlausitz. Auch das thüringische Dekanat Gera gehört zum Bistum Dresden-Meißen.

Quelle: MDR/mar/AFP

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 25.09.2018 | 19:00 Uhr
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Zuletzt aktualisiert: 25. September 2018, 18:13 Uhr

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