Politiker und Bürger der Stadt Dresden bilden vor der Synagoge eine Menschenkette.
Bildrechte: dpa

11.10.2019 | 19:28 Uhr 2.000 Dresdner bilden Menschenkette gegen Antisemitismus

Politiker und Bürger der Stadt Dresden bilden vor der Synagoge eine Menschenkette.
Bildrechte: dpa

In Dresden haben sich am Freitagabend rund 2.000 Menschen an einer Solidaritätsaktion für jüdische Mitbürger beteiligt. Sie versammelten sich vor dem wöchentlichen Schabbat-Gebet, bildeten eine Menschenkette um die Synagoge am Dresdner Hasenberg und legten Blumen nieder. Die Aktion war eine Reaktion auf den rechtsextremistischen Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale. Dazu aufgerufen hatten die christlichen Kirchen der Stadt, Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Universitätsrektor Hans Müller-Steinhagen und Sachsens Innenminister Roland Wöller.

Hilbert: Entsetzt sein reicht nicht

Dirk Hilbert trägt eine Kippa während einer Mahnwache vor der Synagoge Dresden
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert Bildrechte: dpa

Hilbert sagte bei der Kundgebung, nach den Ereignissen in Halle dürfe es nicht nur bei Entsetzen bleiben. "Wir müssen der unschuldigen Opfer gedenken und gleichzeitig als Stadtgesellschaft klar Position beziehen", forderte der FDP-Politiker. Vertreter von Kirche und Stadt wollten auch am Schabbat-Gebet in der Synagoge teilnehmen. In Sachsen leben derzeit etwa 2.500 Juden. Rund 700 von ihnen gehören zur Dresdner Gemeinde.

AfD war nicht willkommen

Zu der Kundgebung waren nach Angaben des Demokratievereins "Straßengezwitscher" auch Vertreter der AfD erschienen und wollten ebenfalls Blumen niederlegen. Dies lehnte jedoch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Dresden, Nora Goldenbogen, ab Nach langer Diskussion mit Protestierenden seien die AfD-Vertreter schließlich abgezogen, schrieb "Straßengezwitzscher" auf Twitter.

Solidaritätskundgebung vor der Synagoge in Dresden
Zwei Tage nach dem mutmaßlich rechtsextremistischen Terroranschlag in Halle/Saale bekundeten in Dresden 2.000 Menschen Solidarität mit ihren jüdischen Mitbürgern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Solidaritätskundgebung vor der Synagoge in Dresden
Zwei Tage nach dem mutmaßlich rechtsextremistischen Terroranschlag in Halle/Saale bekundeten in Dresden 2.000 Menschen Solidarität mit ihren jüdischen Mitbürgern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine junge Frau hält in einer Menschenmenge ein Pappplakat mit Symbolen für das Christentum, das Judentum und den Islam in die Höhe.
Bei der Menschenkette ging es auch um ein friedliches Miteinander der Religionen und gegenseitige Akzeptanz. Bildrechte: MDR/Ronald Bonss
Auf einer Mauer mit der Inschrift "Jüdische Gemeinde zu Dresden" liegen Blumensträuße. Dahinter stehen Menschen.
Vielen Menschen legten Blumen an der Dresdner Synagoge nieder. Bildrechte: MDR/Ronald Bonss
Zwischen Blumen steckt ein handgeschriebener Zettel mit dem Text: In Gedanken bei Ihnen. Wer schweigt, stimmt zu. Wir werden das nicht!
Nicht nur die offiziellen Redner in Dresden fanden klare Worte für den Anschlag in Halle/Saale am Mittwoch. Bildrechte: MDR/Ronald Bonss
Polizisten stehen um ein Blumengebinde mit einer blauen Schleife. Dahinter stehen viele Menschen.
Umstritten und von vielen Teilnehmern unerwünscht war ein Gedenkstrauß der AfD. Bildrechte: MDR/Ronald Bonss
Alle (5) Bilder anzeigen
Auf einer Mauer mit der Inschrift "Jüdische Gemeinde zu Dresden" liegen Blumensträuße. Dahinter stehen Menschen.
Bildrechte: MDR/Ronald Bonss

Zwei Tote in Halle

In Halle hatte am Mittwoch ein bewaffneter Mann vergeblich versucht, während des Gottesdienstes zum jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge einzudringen. Anschließend erschoss der 27-Jährige auf der Straße zwei Menschen. Der mutmaßliche Rechtsextremist sitzt in Untersuchungshaft und hat ein Geständnis abgelegt.

Quelle: MDR/stt/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 19:28 Uhr

32 Kommentare

zenkimaus vor 8 Wochen

Klar in der Internetblase. Nee wirklich wer denkt das Facebook irgendwas mit neutraler Berichterstattung zu tun hat der meint auch im Internet werden nur Wahrheiten verbreitet

MDR-Team vor 8 Wochen

Liebe/r Freiheit, alle zusammen getragenen Informationen zum Attentat finden Sie hier: https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle/halle/anschlag-schiesserei-synagoge-halle-100.html Ebenfalls hat die tagesschau ausführliche berichte über die Ereignisse und den Täter. Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

GenervterZugezogener vor 8 Wochen

Eine politische Aktion gegen die AfD? Gab es da irgendwelche Transparente oder Sprechchöre?
Sie stellen hier - da bin ich mir sicher - bewußt die Tatsachen falsch dar.
Die AfD ist nun mal eine Partei, die beständig Ausgrenzung und Herabwürdigung anderer Menschen betreibt. Wer das nicht wahrhaben will, ist entweder zu faul zum Googeln oder weiß es besser und leugnet wider besseren Wissens. Wenn Vertreter dieser Partei sich dann an eine solche Aktion ranwanzen und Solidarität heucheln wollen, dürfen sie sich eben nicht wundern, wenn sie aufgefordert werden zu verschwinden.
Aber das war sicher von jenen von vornherein eingeplant, damit sie hinterher wieder armes, unschuldiges, kleines Töff-Töff spielen können. Nur fallen die allermeisten da nicht drauf rein.

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen