Kreuzkirche Dresden
Bildrechte: imago images/epd

10.11.2019 | 16:15 Uhr | Update Klimapaket, Syrien-Konflikt & Seenotrettung - Synode der Evangelischen Kirche tagt in Dresden

Kreuzkirche Dresden
Bildrechte: imago images/epd

Mit einem Gottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche hat am Sonntag die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) begonnen. Sie dauert bis zum Mittwoch. Die Predigt im Eröffnungsgottesdienst hielt Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel mit einem Aufruf zu einem dauerhaften Friedensengagement.

Kreuzkirche Dresden
Die Predigt im Eröffnungsgottesdienst hielt Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel. Bildrechte: IMAGO

Frieden brauche dauerhaften Einsatz, aber mehr noch eine Haltung, die von Hass nichts hält, sagte Daniel, der vorläufig die Amtsgeschäfte des zurückgetretenen sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing übernommen hat.

Rentzing hatte am 11. Oktober sein Bischofsamt zur Verfügung gestellt. Es war bekanntgeworden, dass er zwischen 1989 und 1992 als Autor für eine rechtskonservative Zeitschrift tätig war. Das sächsische Landeskirchenamt stufte die von ihm als Student verfassten Texte als "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich" ein.

Timmerevers würdigt zurückgetretenen Bischof Rentzing

Bischof Timmerevers
Der katholische Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, würdigte in seinem Grußwort den zurückgetretenen Bischof Rentzing. Bildrechte: IMAGO

In einem Grußwort an die Synode hat der katholische Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, den zurückgetretenen Bischof Rentzing gewürdigt. "Von der ersten Begegnung an wuchs unter uns ein sehr vertrauensvolles Miteinander", sagte Timmerevers und wich dabei von seinem Manuskript ab. Alle vier bis sechs Wochen habe er sich mit Rentzing zu einem Austausch unter vier Augen getroffen.

Er habe Rentzing "immer als jemanden kennengelernt, der sein Bischofsamt geistlich gefüllt hat und immer das Verbindende, und das Einheitsstiftende gesucht hat". Er wünsche nun der sächsischen Landeskirche, dass sie ebenfalls das Verbindende und Einheitsstiftende finde, so der Bischof.

Ratsvorsitzender Bedford-Strohm: Kritik an AfD, Syrien-Politik und Klimapaket

In seiner Rede hat der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm die AfD scharf kritisiert: "Wenn im Bundestag und in den Landtagen vertretene Parteien rechtsradikale Ideen in ihren Reihen dulden, dann disqualifizieren sie sich im demokratischen Diskurs", sagte er, ohne die AfD namentlich zu nennen.

EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm
Der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat zu einer klaren Abwehr von Rassismus und Antisemitismus aufgerufen. Insbesondere müsse rechtsradikalem Gedankengut in deutschen Parlamenten ein Riegel vorgeschoben werden. Bildrechte: imago images/epd

Bedford-Strohm betonte: "Wir werden die zur Rede stellen, die Rechtsradikalen Deckung geben, auch dann, wenn sie selbst nicht so denken." Dass sich nach dem antisemitischen Anschlag mit zwei Toten am 9. Oktober in Halle bundesweit Menschen um jüdische Einrichtungen versammelten, sei nicht nur eine Gefühlsäußerung gewesen. "Es war und ist verbunden mit einer Verpflichtung, die wir eingegangen sind", so Bedford-Strohm.

Bedford-Strohm kritisierte in seiner Rede auch die Syrien-Politik der USA. Er empfinde Ohnmacht angesichts des Syrien-Konflikts. Die Kirche müsse mit Dringlichkeit friedensethische Konzepte entwickeln, die in einer solchen Situation Orientierung für konkretes Handeln geben könnten.

Bezugnehmend auf das Klimapaket forderte Bedford-Strohm die Bundesregierung zum Nachbessern auf. Die vorgelegten Vorschläge reichten als Antwort auf den drohenden Klimawandel nicht aus.

Eigenes Engagement in der Seenotrettung

Der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm verteidigte die Entscheidung der EKD, sich an der Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer mit einem eigenen Schiff zu beteiligen, gegen Kritik auch aus den eigenen Reihen. Einfach nur zuzuschauen, wie Menschen ertrinken, sei keine Option.

Es sei richtig, Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen. Als starken Partner habe die EKD die Hilfsorganisation Sea-Watch gefunden, die nach einem zusätzlichen Schiff suche. So viele Spenden wie zu keinem anderen Thema seien bei der Kirche bereits für das Schiff eingegangen.

Ministerpräsident Kretschmer wünscht sich engagierte Kirche

Michael Kretschmer, CDU
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer rief in seiner Rede bei der Synode dazu auf, aktiv gegen Rassismus und Antisemitismus einzutreten. Bildrechte: imago images/epd

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer rief in seiner Rede bei der Synode dazu auf, aktiv gegen Rassismus und Antisemitismus einzutreten. "Es gibt eine Linie zwischen dem NSU, den Anschlägen in Oslo, Christchurch und Halle." Aus Gedanken würden Worte, aus Worten Taten. "Wir müssen argumentieren - in der Schule, zu Hause, im Freundeskreis und in der Kirche", sagte er.

Außerdem appellierte er an die evangelische Kirche, sich noch stärker für die Gesellschaft zu engagieren. Der Staat lebe von Voraussetzungen, die er nicht allein schaffen könne - nicht allein von Gesetzen und Rechten, sondern auch von Normen und Werten.

Sexueller Missbrauch in der Kirche

Das Schwerpunktthema der Synode lautet in diesem Jahr "Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens". Zudem wird über den Stand der Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche und Wege zu einer besseren Prävention beraten. Außerdem will die Synode an den Mauerfall vor 30 Jahren erinnern. Die EKD vertritt deutschlandweit rund 21 Millionen Protestanten.

Quelle: MDR/cnj/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.11.2019 | 09:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 16:17 Uhr

111 Kommentare

Lisa vor 1 Wochen

„ Bei einer Straftat kann das Leben mit der Schuld tatsächlich die größte Strafe sein. “

Sie würde ich am liebsten hinter Gitter bringen und den Schlüssel wegwerfen.

🤮

Kirchenmitglied vor 1 Wochen

Bei einer Straftat kann das Leben mit der Schuld tatsächlich die größte Strafe sein. Sie zermürbt die Seele des Schuldigen bis hin zu seinem Tod, auch bei Tätern, denen man es nicht ansieht. Schuld bedeutet immer lebenslange Haft innerhalb des Gemäuers der Schuldgefühle.

Lisa vor 1 Wochen

Mensch Horst

„ vor allem mit dem Ziel einer besser funktionierenden Prävention“

Da fehlt ja nur noch das sie schreiben, das die Täter mit der Schuld leben müssen Strafe genug wäre!

🥺🥺🥺🥺🥺🥺🥺

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen