Generalbundesanwalt eingeschaltet Tödlicher Messerangriff in Dresden offenbar islamistisch motiviert

Ein Polizist hält eine Plastiktüte in der rechten Hand. In der Tüte der Spurensicherung sieht man ein großes Messer. Was es damit auf sich hat, müssen die Ermittler nach einem Angriff auf zwei Männer in der Dresdner Innenstadt herausfinden. Am 4.10.2020 wurden spätabends zwei Männer in der Schloßstraße Dresden schwer verletzt gefunden. Ein Mann starb wenig später.
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Im Fall eines getöteten 55 Jahre alten Mannes in der Dresdner Innenstadt ist gegen einen Tatverdächtigen Haftbefehl erlassen worden. Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, rückte der 20 Jahre alte Syrer im Zuge der Spurenauswertung in den Fokus der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei. Ihm werden Mord, versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Er wurde am Dienstagabend in der Innenstadt in der Nähe des Tatortes festgenommen.

20-Jähriger bis kurz vor der Tat in Haft

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lebt der Tatverdächtige seit 2015 in Deutschland und ist erheblich vorbestraft. Zudem war er als Gefährder eingestuft. Nach MDR-Informationen hatte er im Juli 2017 mit einer damals 37-Jährigen Kontakt, die Mitglieder oder Unterstützer für den Islamischen Staat angeworben hat und dafür im September 2019 verurteilt wurde.

Der Syrer verbüßte bis zum 29. September und damit wenige Tage vor der tödlichen Messerattacke eine Haftstrafe in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen. Der 20-Jährige stand zur Tatzeit unter Führungsaufsicht.

Messerstecher Dresden im Gerichtssaal - eine Frau hält einen roten Ordner vor ihn
Der Syrer stand bereits im September 2018 vor Gericht, wegen Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Zudem soll er versucht haben, in Chats Unterstützer für den Islamischen Staat anzuwerben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das ist zu den Vorstrafen des Tatverdächtigen bekannt Der Beschuldigte war im November 2018 vom Oberlandesgericht Dresden wegen Werbens um Mitglieder und Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland, Suche nach einer Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Körperverletzung und Bedrohung verurteilt worden. Wegen Angriffs auf Beamte in der Haft verhängte das Leipziger Amtsgericht Leipzig im Dezember 2019 dann eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und neun Monaten gegen ihn.

Der OLG-Senat hatte 2018 auf Basis eines Expertengutachtens festgestellt, dass sich der damals noch minderjährige Syrer 2017 als IS-Anhänger sah und über ein Attentat nachdachte. Im Prozess habe sich der Angeklagte vor allem zu einem "von ihm im Sommer 2017 in groben Umrissen angedachten Anschlag" geäußert - in Dresden.

Als Islamisten auf dem Schirm hatten die Behörden den jungen Mann schon seit August 2017. Da hatte ihn nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur das Landeskriminalamt Sachsen als "Gefährder" eingestuft. So nennt man bei der Polizei Extremisten, denen man eine schwere Gewalttat bis hin zu Terroranschlägen zutraut.

Bereits 2016 hatte die Staatsanwaltschaft Görlitz gegen ihn Anklage erhoben wegen Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung.

Tatverdächtiger schweigt bislang

Der Syrer ist dringend verdächtig, am Abend des 4. Oktober auf der Dresdner Schloßstraße einen 53-jährigen Touristen aus Köln und einen 55-jährigen Touristen aus Krefeld unvermittelt mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben. In seiner Anhörung habe er zur Sache keine Angaben gemacht, hieß es. Der 55-Jährige war in einem Dresdner Krankenhaus gestorben. Sein Begleiter konnte das Krankenhaus inzwischen verlassen.

Ermittlungen liegen jetzt bei Generalbundesanwaltschaft

Eine Polizistin in einem speziellen anzug der Spurensicherung fotografiert Beweisstücke auf der Straße. Die Beamtin war am 4.10.2020 in der Schloßstraße Dresden im Einsatz, wo ein Unbekannter laut Polizei zwei Männer angegriffen hat.
Passanten hatten die beiden verletzten Männer auf der Schloßstraße gefunden. Bildrechte: Roland Halkasch

Inzwischen hat die Generalbundesanwaltschaft den Fall übernommen. Sie geht davon aus, dass die Tat einen radikal-islamistischen Hintergrund haben könnte. Der Generalbundesanwalt ist zuständig für die Verfolgung terroristischer Vereinigungen im In- und Ausland. Daneben kann er die Ermittlungen zu anderen staatsschutzrelevanten Straftaten übernehmen, wenn die innere Sicherheit der Bundesrepublik oder ihre Verfassungsgrundsätze gefährdet sind.

Bundesinnenminister mahnt zu Wachsamkeit

Nach der Festnahme hat Bundesinnenminister Horst Seehofer zu Wachsamkeit gegenüber Extremismus und Terrorismus aufgerufen. Die Sicherheitsbehörden müssten ihre Arbeit optimal ausüben können und verdienten dafür "die vollste Unterstützung der Politik und alle dafür notwendigen Instrumente", so der CSU-Politiker. Er sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen, die neben dem Verlust heute erfahren mussten, dass die Morde vermutlich politisch motiviert waren. Die Tat führt uns erneut die Gefährlichkeit islamistischer Gewalt vor Augen.

Horst Seehofer Bundesinnenminister

Quelle: MDR/lam/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.10.2020 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

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