Der wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung Angeklagte (M) wartet mit seinen Anwälten Michael Ohlendorf (l) und Patrick Graf zu Stolberg im Gerichtssaal auf den Beginn der Verhandlung.
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Rechtsextremismus Terror-Verdächtige im "OSS"-Prozess in Dresden schweigen

Fast vier Jahre ist es her, dass die Behörden die Terrorzelle der "Oldschool Society" ausgehoben haben. Die Mitglieder sollen Anschläge auf Flüchtlinge geplant haben. Jetzt stehen zwei Männer in Dresden vor Gericht. Sie sollen führende Köpfe der Gruppierung gewesen sein und Sprengstoffanschläge vorbereitet haben. Einer der Angeklagten will in dem Prozess aussagen.

Der wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung Angeklagte (M) wartet mit seinen Anwälten Michael Ohlendorf (l) und Patrick Graf zu Stolberg im Gerichtssaal auf den Beginn der Verhandlung.
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Unter umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen hat in Dresden der Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe "Oldschool Society" (OSS) begonnen. Die Staatsschutzkammer des Oberlandesgerichts hat elf Verhandlungstage angesetzt. Verhandelt wird in dem Gebäude am Hammerweg in Dresden, das für den Terrorprozess gegen die "Gruppe Freital" umgebaut wurde. Zum Auftakt schwiegen die beiden Beschuldigten. Marcel L. kündigte für den nächsten Prozesstermin am 12. Februar an, sich zur Sache äußern zu wollen. Dies könnte sich strafmildernd auswirken, wie der Vorsitzende Richter, Thomas Fresemann, sagte. Die beiden Angeklagten sind derzeit auf freiem Fuß.

"Geheimrat" mit eigener Chatgruppe

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden Männern im Alter von 30 und 43 Jahren die Bildung einer terroristischen Vereinigung vor. Innerhalb der Gruppierung sollen sie eine führende Rolle eingenommen haben. Sie organisierten sich laut Anklage in einem sogenannten "Geheimrat" mit einer eigenen Chat-Gruppe.

Außerdem sollen die Männer Sprengstoffanschläge mit Brand- und Nagelbomben auf Flüchtlingsunterkünfte vorbereitet haben. Dabei hätten sie die Tötung von Menschen billigend in Kauf genommen. Ein erster Anschlag war laut Anklage im Mai 2015 in Borna geplant. Dafür hatten andere Mitglieder der Gruppe bereits pyrotechnische Sprengkörper besorgt. Doch bevor es dazu kam, flog die OSS bei einer bundesweiten Durchsuchungsaktion auf.

Wer sind die Angeklagten? Der 43-jährige Daniel A. war laut Anklage der "Vollstrecker" in der Gruppe und für gruppeninterne Sanktionen sowie für die Eintreibung von Mitgliedsbeiträgen zuständig. Er stammt aus Chemnitz.

Der 30-jährige Marcel L. soll "Ansprechpartner" für die Mitglieder und "Vertrauensperson" für die Streitschlichtung innerhalb der OSS gewesen sein. Er lebte nach Informationen des "Nordkurier" zuletzt in einem kleinen Dorf bei Ferdinandshof in Mecklenburg-Vorpommern. Vorher wohnte er in Meerane bei Zwickau, wo er 2014 für die NPD zur Kreistagswahl kandidierte, aber scheiterte.

Treffen der OSS-Mitglieder in Sachsen

Ab 2014 kommunizierten die Mitglieder nach den Erkenntnissen der Ermittler über Facebook und andere Messaging-Dienste. Später sollen sie sich persönlich getroffen und dabei über Anschläge gesprochen haben. Das erste und einzige Treffen der Mitglieder fand im sächsischen Frohburg statt. Erörtert wurde laut der Anklageschrift der "bewaffnete Kampf gegen Salafisten", die Herstellung von Sprengstoff und "wer bereit wäre, auch in den Knast zu gehen für irgendwelche Taten". Der 43 Jahre alte Chemnitzer hatte im gruppeninternen Chat offenbart, beim nächsten Treffen Hinrichtungen und "Türken ausbluten" sehen zu wollen: "Ganz einfach Zecken rösten und fertig ( ... ) die kriegen unsere Hunde zum Fraß", hieß es wörtlich. Doch die kruden Gewaltfantasien konnte er nicht mehr in die Tat umsetzen. Zu dem weiteren geplanten Treffen kam es nicht.

Sein Verteidiger Alexander Hübner misst solchen Formulierungen nicht viel Bedeutung bei. Die OSS-Mitglieder hätten zwar "viel Unsinn" und Gewaltfantasien gepostet und seien "verbal übers Ziel rausgeschossen", sagte er vor Gericht. Allerdings hätten sie keine terroristische Vereinigung gebildet und auch keine Anschläge verüben wollen.

Haftstrafen gegen vier Mitglieder verhängt

Das Oberlandesgericht München hatte bereits 2017 drei Männer und eine Frau der "OSS" wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt. Zwei der verurteilten Mitglieder stammten aus oder lebten in Sachsen. Gegen ein weiteres Mitglied hat die Generalstaatsanwaltschaft Dresden im Oktober vergangenen Jahres Anklage erhoben. Wann hier verhandelt wird, steht noch nicht fest.

Quelle: MDR/kb/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.02.2019 | 08:00 Uhr | Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 06.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 20:17 Uhr

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25 Kommentare

08.02.2019 10:59 Chemnitz 25

Ich verstehe die Diskussion hier im Forum nicht! Vor Gericht stehen Menschen, die sich zu schwersten Verbrechen verabredet haben. Wir sollten alle froh sein, dass die Behörden diese noch rechtzeitig verhindert haben.

Die Angeklagten sind für mich ein radikalisierter, hasserfüllter und letztendlich auch dummer Haufen von Mitbürgern, die sich ihr Leben ohne Not selbst verpfuscht haben. Dass rechte Hetze bei uns in Sachsen auf einen besonders fruchtbaren Boden fällt sollte jedem zu denken geben. Sicher sind nicht alle Sachsen so, aber warum sind es deutlich mehr als z.B. im benachbarten Bayern? Im Gegensatz zu Sachsen hat man dort ja deutlich mehr ausländische Mitbürger und anscheinend profitiert Bayern massiv von diesen. Schließlich fliest seit Jahrzehnten Geld von Bayern in den Osten und nicht umgekehrt.

08.02.2019 09:20 Simone 24

"Vollstrecker" und "Geheimrat", da fehlen nur noch selber gebastelte Ausweise und schon ist die lustige Kinderbande fertig.

Dumm nur, dass es sich wohl eher um eine Mörderbande handelte, bzw. dass die Behörden noch rechtzeitig Morde verhindern konnten. Ich weine diesen Typen, wenn sie für lange Zeit im Gefängnis verschwinden, keine Träne nach, denn wer sich bewusst zusammenschließt um unser Land mit Terror zu überziehen, der ist im Knast gut aufgehoben.

Klar sehen das die üblichen "Besorgten Bürger" anders, aber deren einzige Sorge ist wohl, dass sie irgendwann keinen Resonanzboden für ihren Rassismus mehr finden. Was diese besorgten Bürger hier im Forum ablassen ist doch ziemlich einseitig. Dort wo Deutsche ihre Mitmenschen angreifen oder töten, dort sind sie seltsamerweise nie besonders besorgt.

08.02.2019 08:46 Mediator an Sachse43(18) 23

Ihr "Dresdner Polenböllermann", der auch als Pegida oder Moscheebomber bekannt ist, hat nicht umsonst 10 Jahre Haft erhalten.

Ihren sogenannten "Polenböller" kennt die Bundeswehr aus Afghanistan als improvisierten Sprengsatz (IED) inklusive der Beimischung von Stoffen die bei der Explossion neben Druckwelle, Hitze und Splittern eben auch noch giftige ud potentiell tödliche Gase freisetzen. Dass sie solch einen Sprengsatz verharmlosen wundert mich nicht, was mich wundert ist jedoch dass der MDR diese Lüge veröffentlicht, denn ein deutsches Gericht hat längst festgestellt um was für einen Sprengsatz es sich da handelte.

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08.02.2019 08:40 der_Silvio 22

@15 Mediator, selbsternannter; "Ja mei - Sachsen halt."
Na, mal wieder kräftig am hetzen?
Sie sollten Sachsen unbedingt meiden, einen großen Bogen drum herum machen.
Im Artikel geht es um einige Männer, für sie geht es um ganz Sachsen.

@Hippi(langstrumpf); gibt es guten und bösen Terrorismus? Einfache Frage - einfache Antwort bitte.

08.02.2019 00:41 DER Beobachter @ Bürger 21

Habe unter verschiedenen Begriffen nach dem Leopard 2 in Syrien recherchiert. Zuverlässig erscheinen nur Berichte, nach denen sowohl eine antisyrisch-antIS-kurdische Gruppe als auch die syrische Armee selbst je einen regulär türkischen Panzer ausgeschaltet haben. Dass der IS über die Türkei Leopard 2 bezogen und eingesetzt habe, ist nicht sicher. Dann bleibt noch die Frage, ob wirklich "bezogen" oder Beutewaffe. Sie haben recht, sowas ist zu prüfen und die Türkei nicht mehr als sicherer Bündnispartner einzustufen. Es sollte aber kein Grund sein, deutsche rechtsorientierte Straftäter davonkommen zu lassen...


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07.02.2019 19:26 Hippiehooligan 20

Dresdner, wer war es denn? Geflüchtete haben also den Husarenhof angezündet? BEVOR sie dort eingezogen sind? Mittlerweile müssen eure Aussagen scheinbar nicht mal mehr ein letztes bisschen Wahrheitsgehalt besitzen, oder? Es wird einfach irgendwas Sinnloses behauptet, das dann verallgemeinert und schon ist die Welt so, wie man sie braucht...
Sachse43, "Bea"?! Ich lach mich ja kaputt. Was für eine unglaublich unangebrachte Verniedlichung für eine verurteilte Schwerverbrecherin. Von deinem "Polenböllermann" will ich mal gar nicht reden. Begäbe man sich auf deine Schiene, könnte man auch sagen, Magnitz habe sich nur den Kopf gestoßen...

07.02.2019 18:12 Dresdener 19

@17: Es ist mittlerweile bekannt, wer die Heime ansteckt, also von innen. Aktuell nehmen sie ihre Bude auseinander, verkaufen Einrichtungsgegenstände oder zerstören diese. Miete zahlt für diese Personen der dt. Steuerzahler, wie auch für die gesamte Asylindustrie.

07.02.2019 16:52 Sachse43 18

Es wird, wie beim Dresdener Polenböllermann und wie bei Bea Zschäpe werden. Ein politisches Urteil.

07.02.2019 14:56 Hippiehooligan 17

Uwe, und die Dutzenden brennenden Flüchtlingsheime waren alles spontane Taten? Auf dem Weg nachhause oder wie? Was ist denn außerdem eine "rotrotgrüne Unterstellung"? Bei dir ist wohl alles rotrotgrün, was nicht in dein braunblaues Weltbild passt?

07.02.2019 11:17 Bürger 16

Hier sieht man wieder die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen. Was soll das ?
Deutsche Waffen sind auch bei den Terroristen in Syrien gefunden wurden,hier sollte mal ermittelt werden.Sogar ein Leopard2 kam via türkischer Armee zum IS.Es scheint etwas faul im Staate Deutschland zu sein. Solange mit Halbwahrheiten und verschleierung die Menschen hier verdummt werden,ist es um demokratische Verhältnisse schlecht bestellt. Hier werden Scheinprozesse geführt,damit die Menschen von den echten Problemen abgelenkt werden.

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