30.05.2020 | 12:39 Uhr Thielemann zieht Unterschrift aus Bernig-Unterstützerbrief zurück

Der Autor Jörg Bernig bedankt sich für die Verleihung des Radebeuler Kunstpreis 2013.
Am 20. Mai war der Lyriker Jörg Bernig - Kunstpreisträger der Stadt Radebeul - in geheimer Wahl vom Stadtrat zum neuen Kulturamtsleiter gewählt worden. Oberbürgermeister Bert Wendsche legte Widerspruch ein, so dass innerhalb der kommenden zwei Wochen noch einmal abgestimmt werden soll. Bildrechte: dpa

Im Streit um den neu gewählten Kulturamtsleiter von Radebeul, Jörg Bernig, haben sich Unterstützer zu Wort gemeldet. Unter ihnen sind der Schriftsteller Uwe Tellkamp, der Schauspieler Uwe Steimle und die Autorin Vera Lengsfeld. In einem offenen Brief heißt es, kritische Positionen zur Einwanderungspolitik, zu Medien oder Politikern seien kein Grund, die Integrität Bernigs anzugreifen.

Kritische, von Gesetz und Meinungsfreiheit gedeckte Positionen zu unserer Einwanderungspolitik, zur Rolle bestimmter Medien und Politiker in der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre sind kein Grund, seine persönliche und berufliche Integrität anzugreifen und damit zu versuchen, seine Berufung zum Kulturamtsleiter der Stadt Radebeul rückgängig zu machen.

Aus dem Unterstützerbrief, initiiert von Uwe Tellkamp

Thielemann: Ich war unzureichend informiert

Christian Thielemann
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Zu den Mitunterzeichnern gehörte auch der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann. Er zog diese inzwischen zurück. Seine Sprecherin sagte MDR SACHSEN, Thielemann sei unzureichend informiert gewesen. Er werde keine weiteren Stellungnahmen in dem Fall abgeben.

Bernig selbst bezeichnete seine Wahl in einem Brief an den Schriftstellerverband PEN als Vorgang auf kommunaler Ebene. In Radebeul gehe es nicht in erster Linie um Parteipolitik.

Ich habe mich um die Stelle beworben und bin nicht als ein Kandidat irgendeiner Partei nominiert worden. [...] Linke wie rechte parteipolitische Ausgrenzungen, die auf Bundes- und Landesebene praktiziert wurden, haben auf kommunaler Ebene nie gleichermaßen funktioniert. Auf ihr müssen wir einander begegnen, müssen wir einander annehmen und als Bürger und Bürgerinnen zusammenleben, wenn wir das Gemeinwesen befördern wollen.

Aus dem Brief Jörg Bernigs an den Schriftstellerverband PEN

Bernig gilt als einer der Vordenker der sogenannten neuen Rechten. Der Schriftsteller war am 20. Mai im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung mutmaßlich hauptsächlich mit Stimmen der AfD und der CDU zum neuen Kulturamtsleiter gewählt worden. Von den rund 50 Bewerbern waren nach dem Auswahlverfahren zwei Kandidaten übrig geblieben.

Nach der Wahl hatte sich ein breiter Protest formiert. Mehrere hundert Menschen, darunter zahlreiche Künstler und Kulturschaffende, protestierten in einem offenen Brief und einer Online-Petition gegen seine Berufung. Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche legte daraufhin Widerspruch ein. Die Wahl soll wiederholt werden. Inzwischen werden Stimmen laut, das ganze Bewerbungsverfahren neu zu starten.

Quelle: MDR/dk

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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.05.2020 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

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