Dresden am Tag nach dem Diebstahl Live-Ticker vom 26.11.2019: Täter hatten detailliertes Wissen über Grünes Gewölbe

Am frühen Montagmorgen waren Unbekannte ins Grüne Gewölbe Dresden eingebrochen. Unter den Augen zweier Wachleute hatten sie aus der Schatzkammer Sachsens Juwelen erbeutet. Die Diebe versuchten, ihre Spuren mit einem Feuerlöschpulver zu verwischen und kannten sich verdächtig gut aus. MDR SACHSEN informiert am Tag nach dem Diebstahl im Ticker.

18:05 Uhr | Raubkunst-Experte Fuhrmann kann sich vorstellen, dass Kunstwerke schon zerstückelt sind

Dr. Christian Fuhrmeister arbeitet in München am Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte München Bildrechte: Zentralinstitut für Kunstgeschichte München

Museumsdirektor Dirk Syndram sagte, "es wäre eine Dummheit", die Schmuckstücke auseinanderzubrechen. Der Raubkunst-Experte Christian Fuhrmann kann sich vorstellen, dass die Diebe vor allem der Materialwert interessiert. Im Interview mit MDR SACHSEN erklärte er: "Vielleicht erkennen die Hehler die gestohlenen Steine, aber ob sie daran Anstoß nehmen? Immerhin reden wir in so einem Fall über Geld. Der Materialwert ist aus Sicht der Diebe auch Geld. Insofern kann es auch sein, dass die Kostbarkeiten schon 24 Stunden später zerstückelt worden sind. Dann gibt es Besessene, die wollen Objekte unbedingt besitzen oder zerstören. Die beauftragen Banden mit dem Diebstahl. Der Kunstmarkt kennt das von Ölgemälden und Werken der klassischen Moderne. Diese kriminellen Kunstsammler stören sich nicht daran, dass die gestohlene Kunst unverkäuflich ist."

17:35 Uhr | Raubkunst-Experte Willi Korte vermutet organisierte Kriminalität

Der Jurist und Provenienzforscher Willi Korte aus Washington erklärte im Interview mit MDR SACHSEN: "Das waren offensichtlich Profis. Kunstdiebstähle werden immer wieder von recht gut organisierten Einbrecherbanden vom Balkan oder mit osteuropäischen Hintergrund verübt. Das ist sehr auffällig. Ja, sie hätten besser ausgestattet sein können. Aber sie waren in der Lage, Gitter zu zerschneiden und die Elektrik auszuschalten. Sie agierten erfolgreich, was für organisierte Kriminalität spricht." Bekannt wurde der Raubkunst-Experte Korte, als er den Quedlinburger Domschatz in den USA fand und nach Sachsen-Anhalt zurückbrachte.

Willi Korte, Provenienzforscher des Stern-Projekts.
Bildrechte: dpa

16:58 Uhr | Kunstsammlungen geben acht Millionen Euro pro Jahr für Sicherheit aus

Die Sicherheitskosten für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) betragen nach Angaben der Generaldirektorin Marion Ackermann acht Millionen Euro im Jahr. Dem Museumsverbund gehören zahlreiche Einrichtungen an. Ackermann sagte am Dienstag in Dresden: "Das Sicherheitskonzept ist auf intensivste Weise abgestimmt." Nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe müsse das Konzept untersucht werden.

Es gebe in den Sammlungen mehrere Sicherheitszentralen, die mit jeweils zwei Personen rund um die Uhr besetzt seien, hieß es. Die Anzahl der Ausbildungstage im Sicherheitsgewerbe seien erhöht worden. Die Ausgaben für Sicherheit stiegen von Jahr zu Jahr.

Kriminaltrechniker der Polizei sichern an einem Fenstergitter des Grünen Gewölbees in Dresden Einbruchsspuren.
Einstieg in einer dunklen Ecke: Hier gelangten die Diebe in das Museum. Bildrechte: xcitepress

16:54 Uhr | Perlenketten der Königin Amalie noch da

Laut Museumsdirektor Dirk Syndram sind die wertvollen Perlenketten der Königin Amalie noch da. Allerdings seien die Schmuckstücke mit einem weißen Pulver angesprüht worden, wahrscheinlich ein Feuerlöschpulver, um Spuren zu verwischen, erklärte Syndram. Es müsse noch geklärt werden, ob die Perlen Schäden genommen hätten. Vom Collier der Königin seien die kleineren Teile nicht gestohlen worden.

16:48 Uhr | Museen im Residenzschloss morgen wieder geöffnet

Nach Angaben der SKD öffnen am Mittwoch die Museen im Residenzschloss wieder. Das historische Grüne Gewölbe bleibt für die Besucher länger gesperrt.

16:45 Uhr | Vitrinenglas ist spezielles Sicherheitsglas

Beim Anblick des Tätervideos stellt sich die Frage, wie Sicherheitsglas kaputtgehen kann. Sicherheitschef Michael John erklärte dazu: "Das war Glas mit extra starker Widerstandsklasse. Aber nach einer gewissen Anzahl von Axthieben versagt irgendwann jede Scheibe."

Das war der furchtbarste Tag in meinem Leben

Michael John Sicherheitschef SKD

16:40 Uhr | Frage nach Insiderwissen der Mitarbeiter

Die Täter hatten detailliertes Wissen über das Grüne Gewölbe. Es stelle sich die Frage über eine mögliche Mittäterschaft in den eigenen Reihen. Dies müsse die Polizei jetzt herausfinden, erklärte SKD-Chefin Marion Ackermann. Und: "Das wäre bei uns die Schrecklichste aller Vorstellungen."

16:25 Uhr | Unklarheit über Aufbruch der Gitter am Fenster

Bei kritischen Fragen zur Sicherung der Außenanlagen verwies der Kaufmänische Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen, Dirk Burghardt, auf die laufenden Ermittlungen. Zur Frage, wie eine Flex mit starkem Geräuschepegel und Lichtkranz nicht bemerkt werden könne, verwies Burghardt auf hochmoderne professionelle Möglichkeiten.

Flex und Lautstärke - hier setze ich zumindestens ein Fragezeichen.

Dirk Burghardt Kaufmänische Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

In einem massiven Fenstergitter am Grünen Gewölbe Dresden fehlen mehrere Streben.
An dieser Stelle durchtrennten die Kunsträuber das Gitter und verschafften sich Zugang zum Fenster. Bildrechte: xcitepress

16:20 Uhr | Dirk Burghardt verteidigt Sicherheitskonzept

Dirk Burghardt, Kaufmänischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen verteidigte das Sicherheitskonzept im Grünen Gewölbe und erklärte, wie sich die Sicherheitsmitarbeiter am Montagmorgen verhalten haben. Die Diensthabenden hätten sofort die 110 gerufen, damit das Telefonat aufgezeichnet wird. Ein Mitarbeiter sei in der Zentrale geblieben. Der andere Kollege sei zum Dienstausgang gegangen, um der Polizei den Weg zu weisen. Er entschied sich nach den Worten von Burghardt aufgrund der "brachialen Gewalt" bewusst gegen den Gang zum Tatort.

16:12 Uhr | "Was im Außenraum passiert ist, ist noch nicht geklärt"

Die kriminaltechnischen Untersuchungen im und am Haus liefen noch, sagte Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen: "In dem Moment, als die Bewegungsscanner die Personen erfasst haben, ist sofort der erste Alarm losgegangen. Was im Außenraum passierte, ist noch nicht geklärt."

Pressekonferenz Juwelendiebstahl
Bildrechte: xcitePRESS

Alle Energien konzentrieren sich darauf, die geraubten Werke zurück zu bekommen.

Marion Ackermann Generaldirektorin Staatliche Kunstsammlungen Dresden

16:10 Uhr | "Vitrine zeigt ein Kampffeld"

Kurz vor der Pressekonferenz haben die SKD-Chefin Ackermann und Museumsleiter Syndram das erste Mal den Tatort besichtigen können. "Die Vitrine zeigt ein Kampffeld", erklärte Syndram. Glücklichweise seien jedoch weniger Schmuckstücke als befürchtet entwendet worden.

Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden
Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Erleichtert sehen Sie mich nicht, ich bin nicht ganz so frustriert wie gestern. Die Vitrinen sind nicht leer.

Dirk Syndram Museumsdirektor Grünes Gewölbe

16:07 Uhr | Mehr Stücke da, als gedacht.

"Wir haben festgestellt, dass mehr Stücke da sind, als wir gedacht haben", erklärte Marion Ackermann, Generaldirektorin der SKD.

16:00 Uhr | Pressekonferenz verfolgen

Weitere Informationen folgen. Kommentieren können Sie das Thema unter dem Hauptartikel von MDR SACHSEN.

Quelle: MDR/kt/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2019 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

Bildergalerie Diese Kostbarkeiten verschwanden aus der Vitrine im Grünen Gewölbe

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben nun mitgeteilt, welche Schmuckstücke am Montagmorgen gestohlen worden. Für die Schäden haftet der Freistaat, eine eigene Versicherung gibt es nicht.

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur
Die Diamantrosengarnitur Überblick über alle Teile der Diamantrosengarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Degen (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Degen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Jürgen Karpinski
Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens: Er trägt 225 größere und kleinere Diamanten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Hutagraffe: Der Diamant in der Schleife oben hat 24,98 Karat. Der Mittelstein unten in der Rosette zeichnet sich durch 16,5 Karat aus. Die Hutkrempe besteht aus 13 großen und 103 kleineren Diamanten, aus Silber und Gold. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Große Diamantrose (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Große Diamantrose Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Achselschleife (Epaulette) - Teilstück vorhanden: Das Schmuckstück trägt 20 große und 216 kleine Diamanten, besteht aus Gold und Silber. Die größte Diamantrose in der Mitte der Doppelschleife hat 31,5 Karat. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur 10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur (einzelne erhalten) Bildrechte: Jörg Schöner
Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Überblick über die Brillantgarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Bildrechte: Jürgen Karpinski
Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinksi
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Diese große Brustschleife gehörte Königin Amalie Auguste. Der Schmuck stammt aus dem Jahr 1782 und trägt 51 große und 611 kleine Brillanten. Die Steine werden von Gold- und Silbereinfassungen gehalten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Aigrette für das Haar in Form einer Sonne Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
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Zuletzt aktualisiert: 26. November 2019, 19:00 Uhr

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