08.01.2020 | 17:20 Uhr | Update Tausende nehmen Abschied von Peter Schreier

3.000 Menschen haben am Mittwochnachmittag in einem öffentlichen Trauergottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche Abschied von dem verstorbenen Sänger Peter Schreier genommen. Unter den Trauergästen waren neben der Familie viele Weggefährten, Politiker, Künstlerkollegen, aber auch viele Musikfreunde aus Dresden. Die Beisetzung erfolgt später im engsten Familienkreis, teilte die Kreuzkirche mit. Schreier war am 25. Dezember im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit in Dresden gestorben.

Mit seiner Stimme hat er von Dresden aus die Bühnen der Welt erobert und Menschen unvergessliche Momente der Ergriffenheit geschenkt

Markus Deckert Pfarrer der Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz

Kreuzkantor würdigt Schreier als Sänger "mit höchster Gestaltungskraft"

Dutzende Menschen stehen in einer langen Schlange vor der Frauenkirche Dresden. Sie wollen zum Gottesdienst und zur öffentlichen Trauerbekundung für Tenorsänger Peter Schreier gehen am 8.1.2020 nahcmittags.
Vor der Kreuzkirche standen die Dresdner Schlange, um zum Gottesdienst mit Trauerfeier für Peter Schreier zu gelangen. Bildrechte: MDR

Die liturgische Leitung des Gottesdienstes lag bei Superintendent Christian Behr, die Predigt hielt Pfarrer Markus Deckert aus Schreiers Heimatgemeinde in Dresden-Loschwitz. Er sagte, in die Traurigkeit des Abschieds mische sich große Dankbarkeit. Schreier habe von Dresden aus die Bühnen der Welt erobert und sei dabei auch stets ein Botschafter seiner sächsischen Heimat gewesen.

Die musikalische Gestaltung des Trauergottesdienstes hatte der Dresdner Kreuzchor mit Kreuzorganist Holger Gehring übernommen. Kreuzkantor Roderich Kreile würdigte Schreier als Künstler und großen Sänger "mit höchster Gestaltungskraft", der jungen Musikern ein Vorbild gewesen sei. Schreier sang ab 1945 selbst als Kruzianer. Die Zeit im berühmten Chor prägte ihn musikalisch und persönlich. Sie galt als Ausgangspunkt seiner Weltkarriere.

Ein wahrhaft Großer ist von uns gegangen. [...] Er ist Vorbild für junge Musiker, weil er sich mit ganzer Seele hingeben konnte.

Roderich Kreile Kreuzkantor

Peter Schreier war als lyrischer Tenor in seinem Fach einzigartig.

René Pape | Opernsänger (Bass)

Opernsänger René Pape, fast 30 Jahre jünger und auch ehemaliger Kruzianer, bewundert Schreiers Stimme noch immer. Schon früh seien die jungen Sänger von Schreiers Können beeindruckt gewesen, sagte er im Gespräch mit MDR SACHSEN. Ab 1988 habe Pape gemeinsam mit Schreier an der Staatsoper Berlin auf der Bühne gestanden. "Er war ein sehr kollegialer Mensch, freundlich, höflich und ohne Allüren", so Pape. Als Künstler habe Peter Schreier eine anziehende Aura für seine Kollegen gehabt.

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Gesangsausbildung im Kreuzchor

Aufgewachsen in Gauernitz bei Meißen in einem musikalischen Elternhaus, war Peter Schreier mit acht Jahren zum Dresdner Kreuzchor gekommen. Dort konnte er sein Talent früh auch als Solist entfalten. Später studierte Schreier in Dresden Gesang und Dirigieren.

Sein Bühnendebüt hatte er 1959 mit dem Dresdner Opernensemble als Erster Gefangener in Beethovens Oper "Fidelio" gefeiert. 1962 schaffte Schreier den Durchbruch als Belmonte in Mozarts "Entführung aus dem Serail". Der gefragte lyrische Tenor stand in mehr als 60 Partien weltweit auf renommierten Opernbühnen - unter anderem an der Mailänder Scala und an der Metropolitan Opera in New York. Auch bei den Bayreuther und den Salzburger Festspielen war er oft zu Gast. Zudem setzte er als Mozart- und Schubert-Interpret Maßstäbe und betätigte sich als Dirigent. Seine Karriere auf der Bühne hatte Schreier bereits 2005 beendet.

Quelle: MDR/lam/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.01.2020 | ab 7:20 Uhr im Frühprogramm

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