18.03.2020 | 16:39 Uhr Dresdner Veranstalter erzählt: So geht es mir in Zeiten von Corona

Durch das Coronavirus steht der gesamte Eventbetrieb still. Kulturveranstaltungen und Messen wurden abgesagt. Für Künstler, Veranstalter, Messebauer oder Bühnentechniker ist das ein riesiges Problem. MDR SACHSEN-Reporter Wolfram Nagel hat einen Dresdner Unternehmer getroffen, der seit 30 Jahren Veranstaltungen technisch ausstattet, von der Bühnentechnik bis zur Live-Übertragung. Wie es ihm geht, hat er erzählt.

Matthias Eisner
Matthias Eißner, Geschäftsführer der Phoenix GmbH, macht sich Sorgen um seinen Betrieb. Bildrechte: Wolfram Nagel

Die Abschlussgala der Humorzone am Sonntag im Alten Schlachthof in Dresden war die vorerst letzte Veranstaltung von Matthias Eißner. "Wir hatten noch Glück, die Gala hat stattgefunden", so der Geschäftsführer der Phoenix GmbH. Allerdings ohne Publikum. "Jetzt stehen wir bei Null", so Eißner.

Erster Weg ging zum Finanzamt

Das Unternehmen bietet für Galas, Firmenfeiern, Konzerte oder Theateraufführungen die komplette Technik an, von kleinen Scheinwerfen bis hin zu HD-Kameras und Videoprojektionen. Der Betrieb ist eher klein. Eißner beschäftigt drei feste Mitarbeiter. Zusätzlich helfen rund 20 freie Fachleute aus. Für die Mitarbeiter hat der Unternehmer zuerst Kurzarbeit beantragt. "Ich habe mit dem Finanzamt gesprochen, um laufende Zahlungen zu stunden, auch erst mal für drei Monate", so der gelernte Elektroniker. "Dann haben wir unseren Lkw abgemeldet, um Steuern und Versicherungen zu sparen."

Nicht die erste "Krise" für den kleinen Betrieb

Der 59-Jährige ist fassungslos angesichts der momentanen Situation. Solch einen Notstand habe er seit der Gründung des Unternehmens vor dreißig Jahren noch nicht erlebt. "2002 beim Elbehochwasser hatten wir einen Umsatzrückgang von 50 Prozent", meint Eißner. "Das war aber nur für einen kurzen Zeitraum, nach dem Hochwasser lief alles wieder an." Jetzt könne aber niemand sagen, wie lange dieser Ausnahmezustand andauert. "Das ist die größte Schwierigkeit", meint der Unternehmer. "Wir haben ein kleines Polster, das reicht für ein paar Wochen." Wenn dieses Polster allerdings aufgebraucht ist, dann ist nicht nur die Existenz der Firma bedroht, meint Matthias Eißner, "sondern auch die Existenz meiner ganzen Familie".

Gesamte Branche angeschlagen

Matthias Eißner steht mit vielen Kollegen in Kontakt, aber auch mit Veranstaltern, Gastronomen und Künstlern. Allen gehe es derzeit genauso. Dennoch finde er es richtig, dass angesichts einer solchen Bedrohung das öffentliche Leben eingeschränkt wird. Und der gelernte Elektroniker hat sogar eine Idee: Eine Chance wäre, Veranstaltungen per Livestream zu übertragen. Ansteckungsfrei, sagt Matthias Eißner, "sodass man Konferenzen ohne Teilnahme von Gästen durchführen kann".

Quelle: MDR/wn/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.03.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Dresden

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen