Update | Unwetter Schlammlawine in Radebeul, Überflutungen in Erzgebirge und Mittelsachsen

Am Montagmorgen hat ein Unwetter einen Erdrutsch in Radebeul ausgelöst. Stundenlang hing eine Gewitterzelle über der Region. Auch im Erzgebirge und in Mittelsachsen gab es Überschwemmungen.

Eine Gewitterzelle hat am Montagmorgen die Einsatzkräfte im sächsischen Elbland in Atem gehalten. In Radebeul musste die Feuerwehr zu 21 Einsätzen ausrücken. Wie die Integrierte Rettungsleitstelle auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, standen wegen Starkregens mehrere Keller und Bahnunterführungen unter Wasser. Die Feuerwehr musste einige Keller auspumpen.

Schmalspurbahn fährt vorübergehend nicht

Im Lößnitzgrund in Radebeul ergoss sich eine Schlammlawine auf eine Straße und die Gleise der Schmalspurbahn. Die Straße zwischen Friedewald und Radebeul wurde gesperrt. Der Betreiber der Schmalspurbahn musste die Züge zwischen Radebeul-Ost und Radeburg am Vormittag durch Busse ersetzen.

Auch in Dresden hat die Feuerwehr im Laufe des Tages mehrmals ausrücken müssen. Laut Rettungsleitstelle stürzte hier unter anderem ein Baum auf einen Zaun und ein Auto. Nach Angaben des MDR-Verkehrsdienstes war die B169 am frühen Morgen zwischen Riesa und Döbeln in Stauchitz gesperrt. Dort war die Bahnunterführung überflutet.

Bildergalerie Wolkenbruch über Landkreis Meißen und Teilen Dresdens

Ein schweres Gewitter hat sich über dem Landkreis Meißen entladen. In Radebeul mussten Keller leergepumpt werden, die Schmalspurbahn stand zeitweise still.

Auto, Straße, Wasser
Im Lößnitzgrund in Radebeul wurde die Straße überflutet. Bildrechte: Tino Plunert
Auto, Straße, Wasser
Im Lößnitzgrund in Radebeul wurde die Straße überflutet. Bildrechte: Tino Plunert
Häuser, Auto, Wasser
Schlamm wurde auf Fahrbahnen und in Grundstücke gespült. Bildrechte: Tino Plunert
Ein Radlader schiebt Schlamm von der Straße
Schweres Gerät rückte zur Beseitigung an. Bildrechte: Tino Plunert
Häuser, Strauße, Wasser
Der Lößnitzbach trat über die Ufer und bescherte den Nandus auf einem Grundstück nahe des Bahnübergangs der Schmalspurbahn nasse Füße. Bildrechte: Tino Plunert
Wolkenbruch Radebeul
Unter mehreren Brücken stand das Wasser nach dem heftigen Regenguss. Bildrechte: xcitepress
Wolkenbruch Radebeul
Der Lößnitzbach schwemmte Treibgut mit, das an Brücken hängen blieb. Bildrechte: xcitepress
Wolkenbruch Radebeul
In Radebeul mussten einige Keller von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Bildrechte: xcitepress
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Wasserhose in Reinsberg in Mittelsachsen

Große Schäden durch das Unwetter hat es nach Angaben eines Reporters auch in Reinsberg bei Nossen gegeben. Dort fegte eine Windhose - so vermutet es die örtliche Feuerwehr - über den gesamten Ort. Das Gewitter erreichte Reinsberg am frühen Nachmittag. Starkregen führte daraufhin zu Überschwemmungen in großen Teilen der Ortschaft.

Hauptverkehrsstraße stand halben Meter unter Wasser

So stand die Talstraße, eine der Hauptverkehrsadern, die quer durch Reinsberg führt, kurzzeitig bis zu 50 Zentimeter unter Wasser. Die Durchläufe eines Baches waren mit Schotter und Schlamm verstopft, beides wurde auf die Straße gespült.

Auch einige Grundstücke waren vollgelaufen. Feuerwehr, Bauhof und Straßenmeisterei sind seit Stunden im Einsatz und räumen auf. Am späten Nachmittag war die Straße wieder befahrbar. Keine Schäden gab es auf dem benachbarten Campingplatz. Und auch das Freibad ganz in der Nähe blieb verschont.

Überflutung in Reinsberg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Badesaison scheint vorbei: Freibad in Neundorf überflutet

Pech dagegen hatte die Ortschaft Neundorf nördlich von Annaberg-Bucholz. Eine Schlammlawine schoss durch den Ortsteil der Gemeinde Thermalbad Wiesenbad. Innerhalb kürzester Zeit gingen Reporterangaben zufolge heftige Regengüsse nieder. Dabei wurde auch das Schwimmbad in Neundorf überflutet. Anstatt klarem Wasser ist jetzt braune Brühe im Becken. "Wenn man das so laienhaft sieht, wird die Badesaison mindestens unterbrochen sein, wenn nicht beendet sein", erklärte Bürgermeisterin Berit Schiefer. "Ich kann nur hoffen, dass wir im gesamten Ort nur oberflächliche Schäden und keine Personenschäden haben."

Ein mit Regenwasser gefülltes Schwimmbecken.
Die Badesaison scheint vorbei: Das Freibad in Neundorf ist überflutet. Bildrechte: extremwetter.tv/Bernd März

Die Freiwillige Feuerwehr Neundorf konnte einem Reporter zufolge anfangs nicht ausrücken, da Straßen durch Wasser und Schlammmassen teilweise nicht passierbar waren. Durch die langanhaltende Trockenheit und bereits abgeernteten Felder oberhalb des Dorfes habe das Wasser leichtes Spiel gehabt und viele Grundstücke überschwemmt. Die Schäden sind den Angaben zufolge beachtlich, überall hat es Schlamm und Geröll angeschwemmt. Für die Aufräumarbeiten in Neundorf sei schwere Technik angefahren worden, hieß es. Mit Radladern versuche man Schlamm und Geröll von der Straße zu entfernen.

Eine wasserüberflutete Straße.
Wasser und Schlamm überall - Neundorf hat es hart getroffen. Bildrechte: extremwetter.tv/Bernd März

Ehrenfriedersdorf: Böschung an der B95 rutschte ab

Beeinträchtigungen aufgrund des Unwetters gab und gibt es auch in Ehrenfriedersdrof im Erzgebirge. Hier war ein Teil der Böschung entlang der Bundesstraße 95 durch den Regen aufgeweicht und kam ins rutschen. Die Straße musste deshalb halbseitig gesperrt werden. Und auch der Parkplatz eines Einkaufsmarktes stand - wie so manches Grundstück - unter Wasser.

Überschwemmung auch in Zwönitz

In Zwönitz wurden neben zahlreichen Kellern in der Stadt auch eine Drogerie sowie ein Lebensmittelmarkt an der Bahnhofstraße überflutet. Kräftiger Regen verwandelte die Straßen Reporterangaben zufolge in Flüsse. Demnach wurde bei der Feuerwehr eine "Sonderlage" ausgerufen und die Einsätze nach Priorität abgearbeitet. Die Einsatzkräfte waren am späten Nachmittag noch immer mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Quelle: MDR/lam/stt/kt/igr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.08.2020 | 06:00 Uhr im Wetter und im Verkehrsdienst

11 Kommentare

W.Merseburger vor 24 Wochen

Na Eulenspiegel,
wir sind mal wieder beim Thema. Da ich auch ein älterer Bürger bin, kann ich in einigen Dingen aus Erfahrung mitreden. Wir hatten bereits 1995 (1994?) einen extrem heißen Sommer und nach einem großflächigen Unwetter im Raum Südharz Halle/Saale stand mein Hauskeller 0,5 Meter unter Wasser. Das hat damals niemanden hinter dem Ofen hervor gelockt und auch kein Fernsehen hat davon Kenntnis genommen. Ihre leisen Sohlen des
Klimawandels und der schlimmen Wolkenbrüche haben nun seit ca. 25 Jahren einen großen Bogen um mein Haus gemacht!

Eulenspiegel vor 24 Wochen

Hallo guter Schwabe
Und Temperaturen über 40 Grad waren damals im Sommer.
Also ich halte da mich an die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Mögen sie ja offensichtlich nicht. Zu meinem Alter: Ich werde im nächsten Jahr 70 . Ich kann mich nicht nur an die 70 ger, 80 ger und 90 ger Jahre erinnern. Sonder auch noch an die 60 ger Jahre. Damals war ein Teich in der Nähe in der Regel im Winter zugefroren. In meiner Kindheit sogar einige male so stark das man bedenkenlos darüber gehen konnte. Und in diesem Jahrhundert nicht mal ein Hauch von Eis auf dem Wasser.

Guter Schwabe vor 24 Wochen

Ja ja der Klimawandel. Ich weiß nicht wie alt Sie sind, ich kann mich erinnern in den 70ig und 80er bis in die 90er Jahre war das was wir heuer als Sommer erleben normal. Auch schwerste örtlich begrenzte Gewitter waren an der Tagesordnung.
Unterschied zu heute, die Flächenversieglung hat dermaßen überhand genommen, das das Wasser ungebremst den Berg runter kommt, Kanäle das einlaufende Wasser nicht mehr fassen können. Also nix mit Klimawandel, die Versiegelten Flächen müssen weg.

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