Ein Polizeibeamter im Schutzanzug steht in einem Treppenaufgang, neben ihm stehen mehrere Kisten, Taschen und Koffer.
Bildrechte: MDR/Tilo Plunert

Urteil am Landgericht Dresden: Lebenslange Haft nach Mord an Dreijähriger

Am Abend des 21. Januar wird in Dresden-Gorbitz die Leiche einer Dreijährigen gefunden. Die Mutter hatte Alarm geschlagen, weil das Kind vom Vater nicht zurückgebracht wurde. Er hatte es aus Rache getötet.

Ein Polizeibeamter im Schutzanzug steht in einem Treppenaufgang, neben ihm stehen mehrere Kisten, Taschen und Koffer.
Bildrechte: MDR/Tilo Plunert

Knapp acht Monate nach dem gewaltsamen Tod einer Dreijährigen hat das Dresdner Landgericht am Donnerstag ihren Vater des Mordes schuldig gesprochen. Die Richter verhängten eine lebenslange Freiheitsstrafe und stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest, die eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt. Sie sahen es als erwiesen an, dass der 36-Jährige seine Tochter am 21. Januar auf besonders quälende Weise erstickt hat - aus Rache. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Richter: "Verabscheuungswürdige Tat"

Der Vorsitzende Richter Martin Uebele sprach von "einer ganz besonders verabscheuungswürdigen Tat". Der Angeklagte habe regelrecht geplant, "das Leben seiner Tochter zu zerstören, um seine Frau zu treffen, so schwer wie eine Mutter nur getroffen werden kann". Sein Entschluss stand spätestens am Vortag des Verbrechens fest, als er zwei Briefe abschickte, in denen von Rache die Rede war - an seine Frau und seine Mutter, sagte Uebele. Die Strafkammer folgte der Auffassung der Staatsanwaltschaft, dass der Gebäudereiniger seine Noch-Ehefrau bestrafen wollte, die sich knapp drei Monate zuvor von ihm getrennt hatte. Selbstmordabsichten seien zwar nicht ausgeschlossen, so könnte der Bericht der Tochter über einen "neuen Papa" ein Schlüsselerlebnis gewesen sein, sagte Uebele. Für erweiterten Suizid seien die ungefährlichen Kratzer, die sich der Angeklagte nach der Tat selbst beibrachte, kein Beweis.

Der Angeklagte schweigt

Was genau am Vormittag jenes Sonntags passiert ist, weiß nur der Angeklagte, der aber bis zum Schluss dazu schwieg. Der gebürtige Freiberger hat auch das letzte Wort in Gegenwart der Kindsmutter nur zu einem Satz genutzt. "Ich möchte dazu nichts mehr sagen." Laut dem rechtsmedizinischen Gutachten wurden der kleinen Luna Mund und Nase zugehalten, möglicherweise mit einem weichen Handschuh.

Ein Fahrzeug der Spurensicherung steht vor einem Wohnblock in Dresden-Gorbitz
In Dresden-Gorbitz wurde das Mädchen gefunden. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Die Mutter hatte am Tatabend die Polizei alarmiert, nachdem der Vater das Kind nicht zu ihr zurückgebracht hatte. Beamte fanden die Kleine wenig später tot in der verwüsteten Wohnung des aus Freiberg in Mittelsachsen stammenden Mannes im Plattenbauviertel Gorbitz. Er selbst wurde Stunden später schlafend in seinem Auto nahe Nossen im Landkreis Meißen gefunden. Er nahm das Urteil so regungslos auf, wie er sich fast den gesamten Prozess über verhalten hatte. Die Verteidigung hatte auf Totschlag und zwölf Jahre Freiheitsstrafe plädiert. Die Nebenklage zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Lunas Mutter, die ganz in Schwarz und mit verweinten Augen dem Angeklagten gegenübersaß, ist nach Angaben ihres Anwalts schwer gezeichnet. "Sie hat auch Lebenslang."

Quelle: MDR/kt/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.09.2018 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 19:05 Uhr

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