12.03.2020 | 16:10 Uhr Konzertveranstalter Aust: "Pleitewelle in der Branche droht"

Veranstalter Rodney Aust aus Dresden
Bildrechte: MDR/Stephan Witschas

Der Dresdner Veranstalter Rodney Aust warnt vor einem Kollaps in der Eventbranche. Wenn Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen auf unbestimmte Zeit verboten bleiben, drohe eine Pleitewelle. Auch das Aust-Familienunternehmen bedrohe das Verbot existenziell: "Wenn sich die Lage so verschärft, dass Open-Airs in der Jungen Garde, am Elbufer oder in Leipzig abgesagt werden, dann stehen wir das nicht durch."

Aust sieht eigene Existenz bedroht

Rodney Aust und sein Vater Bernd sind Geschäftsführer der Freilichtbühne "Junge Garde" im Großen Garten und des "Alten Schlachthofs" in Dresden. Außerdem organisiert Aust Stadionkonzerte in Dresden und veranstaltet auch die Rammstein "Europe Stadium Tour 2020" im Leipziger Stadion. "Wir sind darüber froh, dass es bislang so war, dass die Menschen das Geld und die Zeit hatten, auszugehen. Aber wir sind das schwächste Glied der Kette. Uns Veranstalter treffen die Einschränkungen durch das Corona-Virus als Erstes." Konzertverlegungen seien nicht ohne Weiteres möglich. Denn die meisten Veranstaltungsorte seien langfristig ausgebucht, die Künstler an Tourpläne gebunden. Ausfälle wären die Folge, Kartengelder müssten zurückgezahlt werden. "Wir sind nicht Siemens oder Bosch. Für Großkonzerne können finanzielle Ausfälle Peanuts sein, bei uns geht es um die Existenz."

Branchenverband BKDV mit Brief an Bundeswirtschaftminister

Die Menschen, die auf Konzerte gingen, seien bislang weiterhin entspannt, so Aust. Nur etwa jeder Zehnte entscheide sich bislang, trotz Kartenkaufs von einer Veranstaltung wegzubleiben. Trotzdem merke er seit Februar einen Einbruch beim Kartenvorverkauf um etwa zwei Drittel. Vor den immensen wirtschaftlichen Folgen warnte auch der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), in dem auch Aust Mitglied ist, in einem offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Ende Februar. Die Worte des Briefes - alarmierend:

Die großen Aktiengesellschaften des Marktes, CTS Eventim und die Deutsche Entertainment AG, haben bereits zweistellige Kursverluste an der Börse hinnehmen müssen. Für die rund 3.000 inhabergeführten Unternehmen der Branche, die nicht über Anlegerkapital verfügen, ebenso wie die zahlreichen Dienstleister, die vom Veranstaltungsgeschäft abhängig sind, können zu erwartende Veranstaltungsabsagen schnell zum Unternehmenszusammenbruch führen.

BDKV Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

BKDV - Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft wurde zum 1. Januar 2019 durch Fusion der beiden Verbände "bdv Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.V." und "Verband der Deutschen Konzertdirektionen e.V." (VDKD) gegründet. In dem Berufsverband der deutschen Live-Entertainment-Branche sind mehr als 500 Agenturen, Tournee- und Konzertveranstalter zusammengeschlossen. Die Veranstaltungsbranche erwirtschaftet nach eigenen Angaben jährlich mit 113,5 Millionen verkauften Tickets einen Gesamtumsatz von rund fünf Milliarden Euro.

Veranstaltungsausfälle durch Epidemien nicht mehr versicherbar

In der Regel seien Großveranstaltungen in Arenen oder Messen gegen finanzielle Ausfälle gut abgesichert, sagt Aust. Die Versicherer schlössen aber inzwischen Absicherungen gegen Epidemien nicht mehr mit ein wie bisher. Ein befristeter Erlass bis Ostern wäre für die Veranstalter zu bewältigen, "alles, was darüber hinaus geht, endet in einer finanziellen Katastrophe." Welche seiner Veranstaltungen Aust konkret absagen muss, kann er noch nicht sagen. Aktuell versuche er, Konzerttermine zu verschieben. Dennoch: "Die Sinnhaftigkeit ist gegeben. Die Gesundheit steht an erster Stelle." Aust sagt aber auch, er und seine Branchenkollegen bräuchten schon bald dringend finanzielle Hilfe.

Quelle: MDR/sw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.03.2020 | 14:20 Uhr im Programm
MDR SACHSENSPIEGEL | 12.03.2020 | 19:00 Uhr

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