Vierter Jahrestag von Pegida Erstmals gemeinsamer Protest gegen Rassismus in Dresden

Das hat es noch nicht gegeben: Alle Dresdner Protest-Initiativen schließen sich zusammen und wollen am Pegida-Jahrestag am Sonntag auf drei großen Demonstrationen gegen Rassismus protestieren.

Protest gegen Rassimus
Bildrechte: MDR/Herz statt Hetze

Erstmals seit dem Bestehen der Pegida-Bewegung haben sich alle Gegenproteste zusammengeschlossen. Sie wollen am vierten Jahrestag der islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung gemeinsam gegen Rassismus, Hass und Hetze demonstrieren. Auch die Stadt Dresden selbst ruft zum Eintreten gegen Rassismus und Diskriminierung auf. "Es ist ein gutes Zeichen, dass sich für die Veranstaltungen am Sonntag ein breites Bündnis von Bürgerinnen und Bürgern zusammengefunden hat", erklärte der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in einer Mitteilung. "Es ist unsere Pflicht und sollte in einer Demokratie selbstverständlich sein, alle Menschen als gleichwertig zu achten, egal, woher sie kommen."

Die Initiatoren verschiedener Bewegungen und Parteien eint das Bestreben, "allen entgegen zu treten, die Geist und Wortlaut der Verfassung verletzen", betonte Gerhard Ehninger vom Bündnis "Dresden Respekt": "Was montags von Pegida aufgeführt wird, bewegt sich jenseits dessen, was das Grundgesetz als Rahmen vorgibt." Er appellierte an alle, die das Gedankengut von Pegida, AfD und Co. ablehnen, auf die Straße zu gehen und denen den Kampf anzusagen, die Menschenrecht und -würde nicht respektierten. "Demokratie ist keine Zuschauer- sondern eine Mitmachveranstaltung." Für ein "solidarisches Dresden ohne Rassismus" steht die Initiative "Herz statt Hetze" unter deren Label alle Proteste am Sonntag zusammenlaufen. Sie setzt auch auf ein starkes Bekenntnis der Bürgerschaft gegen das Gedankengut von Pegida. "Es ist wichtig, dass am Sonntag viele Menschen gemeinsam auf die Straße gehen für ein solidarisches Dresden ohne Rassismus", sagte Akteurin Rita Kunert am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz "Wir sagen an diesem Tag: 'Nein, die Stadt gehört nicht Euch.'"

Professor Gerhard Ehninger, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Professor Gerhard Ehninger war lange Direktor der Medizinischen Klinik am Uniklinikum Dresden. Seit vielen Jahren engagiert er sich gegen Fremdenfeindlichkeit. Dafür wurde er 2017 mit dem Erich-Kästner-Preis geehrt. Bildrechte: dpa

Breites Bündnis vieler Initiativen

Zu den Initiatoren gehören unter anderem: "Herz statt Hetze", "Dresden. Respekt", "Christopher Street Day Dresden" (CSD), das Bündnis "Tolerave", die Partei "Die Linke" sowie die Initiative "Nationalismus raus aus den Köpfen." Sie planen drei Demonstrationen. Davon starten zwei am Bahnhof Dresden-Neustadt und am Hauptbahnhof und führen bis zum Pirnaischen Platz. Von dort beginnt die dritte große Demo, die alle Bündnisse vereint uns bis zum Postplatz führt. Dort soll eine Abschlusskundgebung stattfinden. Gleichzeitig können Menschen zu einem Friedensgebet in die Frauenkirche kommen.

Sachsens Ministerpräsident will Rede halten

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen
Der sächsische MInisterpräsident Michael Kretschmer will sich den Demonstrationen anschließen und auch selbst eine Rede halten - an der Trümmerfrau vor dem Rathaus. Bildrechte: dpa

An der Demonstration des Bündnis "Dresden Respekt" will sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beteiligen. Der Regierungschef werde bei einem Zwischenstopp vor dem Rathaus eine Rede halten, teilte die sächsische Staatskanzlei mit. Auch der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und die sächsische Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) wollen an den Demonstrationen teilnehmen. Sie hatten sich bereits im vergangenen Jahr an den Protesten beteiligt. Auch der Rektor TU Dresden Professor Hans Müller-Steinhagen, die Dresdner Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, der Präsident der Handwerkskammer Dresden Jörg Dittrich und der Geschäftsführer des AWO-Landesverbands Sachsen David Eckardt haben ihre Teilnahme angekündigt. Mit Demonstrieren wollen außerdem die Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Gunda Röstel, der Chefdramaturg des Staatsschauspiels Jörg Bochow und der stellvertretender Intendant der Semperoper .Johannes Eule. "Dresden.Rspekt" ist ein Bündnis von Vertretern aus Politik, Kultur, Religion, Wissenschaft, Wirtschaft. Ehninnger hat das Bündnis nach den Geschehnissen am Tag der Deutschen Einheit 2016 gemeinsam mit der Cellex Stiftung und dem Verein Dresden aus dem Leben gerufen.

Diakonie unterstützt "Herz statt Hetze"

Dietrich Bauer
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Diakonie Sachsen unterstützt ebenfalls den Aufruf der Initiative "Herz statt Hetze". Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe seien nicht verhandelbar, erklärte Diakonie-Chef Dietrich Bauer. Die sächsische Diakonie unterstütze daher Bündnisse, die sich für ein friedliches und weltoffenes Dresden einsetzen. "Ich hoffe, dass es gelingt, viele Zehntausende in Dresden zu versammeln - über alle möglichen Gesinnungsgrenzen hinweg", betonte Bauer. Er rief auch dazu auf, sich am Friedensgebet in der Frauenkirche zu beteiligen.

Die fremdenfeindliche Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) erwartet zu ihrer Kundgebung am Sonntag rund 4.000 Teilnehmer. Angekündigt werden in den sozialen Netzwerken "Reden bekannter nationaler und internationaler Patrioten". Bei den Gegenprotesten rechnet die Polizei ebenfalls mit mehreren Tausend Teilnehmern - insgesamt mit mehr als 8.000. Pegida hatte sich am 17. Oktober 2014 erstmals in Dresden versammelt. Das Bündnis demonstriert seit vier Jahren regelmäßig mit mittlerweile jeweils rund 2.000 Teilnehmern.

Quelle: MDR/kt/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.10.2018 | ab 15:00 Uhr in den Nachrichten | ab 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 19:06 Uhr

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