28.07.2019 | 11:30 Uhr VVO kündigt Vertrag mit Städtebahn und sucht neue Betreiber

Städtebahn Sachsen
Bildrechte: Diana Köhler

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat nach 72 Stunden ohne Zugbetrieb per Sonderkündigungsrecht den Vertrag mit der Städtebahn Sachsen gekündigt. Das bestätigte der VVO-Pressesprecher Christian Schlemper. Und: "Der VVO nimmt jetzt Kontakt mit geeigneten Eisenbahnunternehmen auf, damit nach einer Notvergabe schnellstmöglich der Zugverkehr auf den Strecken des Dieselnetzes wieder aufgenommen wird." Einstweilen gilt für Fahrgäste ein Ersatzfahrplan. Informationen dazu finden Sie hier.

Am vergangenen Donnerstag hatte die Städtebahn ihren Betrieb auf den Strecken zwischen Dresden, Kamenz, Königsbrück, durchs Müglitztal nach Altenberg und zwischen Pirna und Sebnitz eingestellt. Im Verkehrsvertrag zwischen VVO und Städtebahn war ein Sonderkündigungsrecht vereinbart worden.

Facebookseite gelöscht

Am Sonnabend noch hatte die Städtebahn ihre Sicht auf die Vorgänge und interne Papiere zu Vertragsverhandlungen und dem Thema Sonderkündigungsrecht bei Facebook gepostet. Diese Facebookseite des Unternehmens ist mittlerweile gelöscht worden. Auch auf der Firmenhomepage finden Nutzer seit dem 25. Juli keine aktuelleren Informationen.


Vier Fragen an den Pressesprecher des VVO

Sie haben den Vertrag mit der Städtebahn gekündigt. Was steckt dahinter?

Christian Schlemper: Nach den Bestimmungen des Verkehrsverbundes kann der Vertrag gekündigt werden, wenn das Unternehmen 72 Stunden lang nicht fährt. Damit haben wir jetzt die Möglichkeit, einen neuen Betreiber zu suchen und Gespräche zu führen, dass schnell wieder Züge rollen.

Wie lange dauert das?

Wir erstellen ab Montag die Unterlagen und reden mit allen großen Bahngesellschaften in Deutschland. Wir hoffen, das ist eine Sache von Wochen. Das wäre dann eine Notvergabe. Der Betrieb darf maximal zwei Jahre laufen. Dann muss eine große, ordentliche europaweite Ausschreibung erfolgen.

Was passiert, bis ein neuer Betreiber gefunden ist?

Wir lassen die Busse im Ersatzverkehrskonzept weiterfahren auf den Strecken. Wir entwickeln mit den Busunternehmen jetzt Fahrpläne, dass das alles möglichst lange, stabil so fahren kann.

Die Städtebahn hatte die Deutsche Bahn und den VVO kritisiert: Die Strecken seien nicht richtig gepflegt worden, was die Wagen beschädigt habe. Die seien zur Revision einbestellt worden, deshalb könnten die Züge 72 Stunden lang nicht fahren. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Die Anschuldigungen können wir nur aufs Schärfste zurückweisen. Wir hatten einen gültigen Verkehrsvertrag. Wir haben darauf bestanden, dass die Städtebahn den auch erfüllt. Das hat sie nicht getan, darum mussten wir jetzt leider die Konsequenz ziehen. Zu allen anderen Punkten kann ich aus rechtlichen Gründen nichts sagen.
Interview: Jan Kummer


Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.07.2019 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

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15 Kommentare

29.07.2019 17:37 ExSBSKB 15

Wurde endlich Zeit das die Städtebahn ihre Pforten schließt! ! Wer seine KB im Stich lässt. Ganz ehrlich die Mitarbeiter müssen nicht übernommen werden.

Das kommende EVU sollte sein eigenes Wagenmaterial haben. Diesellok mit Doppelstockwagen von DB Regio oder wie die RE6 von Chemnitz nach Leipzig fährt wäre toll.

Aber ich würde die CD als neues EVU mir wünschen

29.07.2019 15:18 Qualityman 14

Ich kann die SBS verstehen und auch den Leasinggeber der Züge. Bin monatelang mit der SBS von Ottendorf-Okrilla gefahren. Von Grünschnitt kann keine Rede sein. Man fährt wie durch einen Tunnel. Teilweise mit reduzierter Geschwindigkeit. Das sagt doch alles.

29.07.2019 11:56 Kirchenmitglied 13

@(10), "Es gibt auch Privatwälder wo die DB gar nicht das Recht hat Vegetation zu entfernen."
Eben genau das ist ja das Grundübel in Deutschland! Ja kein Privateigentum angreifen, auch dann nicht, wenn es eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

29.07.2019 10:58 Enkersmann 12

@10: "In den letzten Jahren wurden mehr Grünschnittaktionen durchgeführt, als in der Vorwendezeit."

Ja klar (hust, hust).
Deshalb sind nach der Wende ja auch die ganzen Seitenstreifen zugewachsen. Das hat nicht nur umkippende Bäume zur Folge - sondern ist auch in Sachen Brandschutz gefährlich. Früher wurden direkt neben den Gleisen breite Brandschutzstreifen freigehalten. Heute wächst dort Urwald und Unkraut. Übrigens sind auch noch zahlreiche Bahnmeistereien in den 90er Jahren geschlossen worden. Besser gepflegt als damals ist es heute garantiert nicht. Es hängt auch von den Strecken ab. Um die Hauptstrecken der DB kümmert man sich eher als um Nebenbahnen wie hier, wo die Städtebahn fuhr. Die Häufung der Unfälle dort wegen der Vegetation ist jedenfalls nicht normal.

29.07.2019 09:34 Grosser, Klaus 11

Die Entscheidung der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH den Vertrag zu kündigen erstaunt mich, gab es doch bei bisherigen Vertragsverstößen der Städtebahn Sachsen GmbH keine Strafzahlungen und keine Abmahnung.
Wenn ich die bisherige Arbeit der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH betrachte, ist es aber zu Befürchten, dass es Monte bzw. Jahre dauern wird, bis ein regulärer Bahnbetrieb wieder zustande kommt.
Anstatt nur Pressemeldungen zu zitieren, sollte die Onlineredaktion des MDR Sachsen, endlich einmal journalistisch tätig werden: z. B. inwieweit denn die Aussagen der Städtebahn Sachsen GmbH bzw. der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH stimmen oder welche tatsächlichen Hintergründe die Entscheidung der Verkehrsverbund Oberelbe GmbH hat.
Ich empfehle da die journalistischen Grundsätze von Radio Bremen.

[Sehr geehrter Herr Grosser,
die Kollegen haben bereits hier https://www.mdr.de/sachsen/staedtebahn-streit-vvo-db-100.html auf Ihren Vorwurf, sie würden nur Pressemitteilungen zitieren, geantwortet.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

29.07.2019 08:03 Aberhallo 10

In den letzten Jahren wurden mehr Grünschnittaktionen durchgeführt, als in der Vorwendezeit. Es gibt auch Privatwälder wo die DB gar nicht das Recht hat Vegetation zu entfernen.
Die Schuld wurde doch bei Zugausfällen immer Dritten zugeschoben. Was ist mit den über Monate dauernden regelmäßigen Zugausfällen wegen Personalmangels? Die einzigen die einem leid tun können, sind die Reisenden und die Beschäftigten, welche jetzt außen vorgelassen sind und nicht wissen wie es weitergeht. Die Leitungsebene ist abgetaucht und hat es nicht von jetzt auf dann erwischt.

29.07.2019 00:48 NN 9

Bitteschön für meinen Fehlerhinweis im Kommentar 1. Momentan wundert man sich eher über meinen Kommentar als über die, nun fehlerfreie, Überschrift. Kurzes "Danke, korrigiert", hätte manches Verständnisproblem gelöst.

[Lieber Nutzer,
der Dank für Ihren Hinweis ging versehentlich unter, daher: vielen Dank dafür. Herzliche Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

28.07.2019 22:15 Kirchenmitglied 8

Naja, vielleicht gründen ja ein paar gescheite Informatiker auf die Schnelle ein Start up Unternehmen, das eine App zum Beamen auf den Strecken zwischen Dresden, Kamenz, Königsbrück nach Altenberg und zwischen Pirna und Sebnitz entwickelt.

28.07.2019 18:42 DcPS 7

Sieht mächtig danach aus, als ob jemand die Städtebahn loswerden wollte. Der Zustand der Strecke kann objektiviert werden, sollte das der Grund sein für Zugausfälle, wird mit Sicherheit Schadenersatz gefordert werden.
Ich verweise da auf die EU-Curie , die bei EETS-Ausschreibungen auch schon gemerkt hat, daß vom Staat zur Verfügung gestellte Mittel dafür nicht reichen können.
Naive Frage: sucht die VVO einen Dummen, der sich darauf einläßt, seine Züge kaputtzufahren?
Würde da nicht jeder auch sein Fahrzeug zurückfordern, wenn es sonst kaputtgeht?
Leidtragende sind die Fahrgäste, vielleicht forden die den Rausschmiß der VVO-Führung, wenn sich Angaben der Städtebahn bewahrheiten? Gleichbehandlung.
Wäre an der Wahrheit interessiert.

28.07.2019 18:32 Rauschwalde 6

@2 Pendler Kamenz: "Es gibt weder Lokführer, noch Fahrzeuge noch Eisenbahnverkehrsunternehmen die für solche Zwecke so etwas kurzfristig vorhalten."

Halb so schlimm. Der Nachfolger kann doch das Zugpersonal von der Städtebahn übernehmen. Die Leute haben Streckenkunde und kennen sich mit dem Netz aus. Die SBS wird ihr Personal ohne Einnahmen ja wohl sowieso nicht weiter beschäftigen können.

Bei der Gelegenheit kann der neue Betreiber dann auch gleich die abgestellten SBS-Triebwagen übernehmen. Es muss nur ein neuer Name raufgeschrieben werden.

Und dann geht es wieder los: Die Züge rollen ... bis aufgrund mangelhaften Grünschnitts der nächste Baum die Bahn beschädigt. Und dann gibt's wieder Streit ums Geld. Oder schneidet die DB jetzt etwa plötzlich die Strecken besser frei?

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