29.01.2020 | 14:01 Uhr Sachsens Winzer trotzen Dürre und Hitze - Erntemenge 2019 steigt erneut

Sachsens Winzer haben 2019 eine überdurchschnittliche Ernte eingefahren. Trotz Hitze und Trockenheit wurden mehr Trauben geerntet als im Jahr zuvor. Allerdings steigen auch die Weinbestände in den Kellern und Lagern. Im Wandel ist die Winzerschaft. Hobbywinzer geben als Altergründen Flächen auf. Stabil bleibt die Zahl der Haupt- und Nebenerwerbswinzer.

Weinlese mit einem 10 Tonnen schweren Vollernter
Weinlese in Sachsens Steillagen ist aufwendig. Nur auf flachen Rebflächen können Vollernter eingesetzt werden. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Stefan Weidling

Sachsens Winzer haben im vergangenen Jahr eine ähnlich gute Ernte eingefahren wie 2018. Wie das zuständige Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auf Anfrage mitteilte, wurden 25.609 Hektoliter Wein (2018: 25.519 Hektoliter) geerntet, gepresst und vergoren. Abermals machten Hitze und Trockenheit den Rebstöcken und den Winzern im vorigen Sommer zu schaffen. Dennoch gelang in Sachsens Weinbergen die vierte überdurchschnittliche Ernte in Folge. Das liegt auch an der wachsenden Rebfläche. In Sachsen standen voriges Jahr 500 Hektar im Ertrag, sechs Hektar mehr als 2018. Elf weitere Hektar Rebfläche in Sachsen werden aktuell umstrukturiert oder sind Junganlagen, von denen noch nicht geerntet werden kann. Die Fläche wächst weiter. So wurden voriges Jahr neue Pflanzgenehmigungen für 1,5 Hektar erteilt.

Entwicklung der Weinernten seit 2015 in Sachsen
Jahr Gesamtweinernte Weiß- und Rotweine (Hektoliter)
2015 24.713
2016 28.845
2017 26.192
2018 25.519
2019 25.604

Winzer reduzieren Ertrag für mehr Qualität

Vollreife Trauben der Sorte Chardonnay in Spätlesequalität.
Auf gut zwei Hektar steht in Sachsen inzwischen Chardonnay. Bildrechte: imago/Winfried Rothermel

Mit einem Durchschnittsertrag von 51 Hektoliter je Hektar werden in Sachsen nach Angaben des Landesamtes im bundesweiten Vergleich die geringsten Erträge erwirtschaftet. Das ist von Winzern aber teilweise erwünscht: Um hohe Qualitäten erzielen zu können, reduzieren sie bewusst den Ertrag. So schneiden sie überzählige Trauben vor der Ernte ab, sodass der Rebstock seine ganze Energie in die verbleibenden Trauben stecken kann. Das entlastet zugleich die Weinstöcke bei Trockenheit.

Auf 82 Prozent der Rebfläche stehen Weißweinsorten. Wichtigste Rebsorten sind der Müller-Thurgau, der Riesling und der Weißburgunder. Bei den roten Sorten dominiert Spätburgunder vor Dornfelder. Insgesamt werden 67 Sorten auf sächsischen Weinbergen kultiviert. Der Klimawandel animiert experimentierfreudige Winzer inzwischen auch zum Pflanzen neuer, bisher vor allem in südlicheren Gefilden verbreiteter Rebsorten. So steht Chardonnay inzwischen auf 2,02 Hektar. Nebbiolo-Reben hegt ein Winzer den Angaben zufolge auf einer sehr kleinen Versuchsfläche von 0,03 Hektar. Der fertige Wein hat mit mehr als 50 Euro einen stolzen Preis. Auch Syrah soll wieder gepflanzt werden. Nach Angaben des Amtes standen schon einmal 66 Stöcke in Sachsen, die jedoch bei einem Mauereinsturz verschüttet wurden.

Winzerschaft weiter im Wandel

Eine junge Weinrebe in frischem Erdboden
Voriges Jahr wurden neue Rebrechte für 1,5 Hektar vergeben. Bildrechte: MDR/L. Müller

Von starken Veränderungen ist die sächsische Winzerschaft geprägt. Seit 2007 hat sich etwa die Zahl der Haupt- und Nebenerwerbswinzer im Anbaugebiet Sachsen von 34 auf nun 78 mehr als verdoppelt.

Gegenteilig ist die Entwicklung bei den Hobbyweinbauern. Gab es im Jahr 2007 noch 3.652 Kleinwinzer, waren es im vorigen Jahr lediglich 1.784. Das liegt insbesondere daran, dass viele dieser Kleinwinzer aus Altersgründen ihr Hobby aufgeben. Das Landesamt spricht von einer "Überalterung der Winzer". Kleine und steile Flächen - oftmals ohne Zufahrten für Weinbergstechnik - fallen mitunter brach, weil Nachfolger fehlen. Für etablierte Weingüter sind solche Rebflächen nicht wirtschaftlich zu betreiben. Rund 96 Prozent der Weinbauern in Sachsen sind Kleinwinzer, die jeweils weniger als 2.000 Quadratmeter Rebfläche bewirtschaften. Die Mehrzahl dieser Winzer gehört laut LfULG der Winzergenossenschaft Meißen an, Sachsens größtem Weinerzeuger. Dort geben die vielen kleinen Winzer ihre Trauben ab. Die Genossenschaft nennt auf ihrer Homepage die Zahl 1.500 Winzern.

Winzer in Sachsen
  2007 2010 2016 2019
Winzer gesamt 3.686 2.573 2.304 1.862
Haupterwerb 21 21 37 37
Nebenerwerb 13 13 40 41
Kleinwinzer 3.652 2.539 2.227 1.784

Mehrere gute Ernten lassen auch die Weinbestände steigen. Laut Statistischem Landesamt des Freisstaates Sachsen hatten die Erzeuger zum Stichtag 31. Juli insgesamt 31.763 Hektoliter in ihren Kellern und Kühllagern, das waren knapp 2.000 Hektoliter mehr als im Jahr zuvor. Laut Statistikamt können Erzeuger auch Weine von außerhalb zukaufen und vermarkten. Diese werden nicht getrennt erfasst, sind jedoch im Bestand mit enthalten.

Im sogenannten Weinwirtschaftsjahr vom 31. Juli 2018 bis 1. August 2019 lag der Wein-Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei 20,1 Litern. Das teilte das Deutsche Weininstitut auf Anfrage mit. Der Anteil deutscher Weine betrage 43 Prozent. Nicht enthalten in der Statistik sind Perlweine und Sekte.

Weinanbaugebiet Sachsen Das Weinanbaugebiet Sachsen umfasst 511 Hektar bestockte Rebfläche, von denen voriges Jahr 500 Hektar im Ertrag standen. Das Kerngebiet erstreckt sich zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz entlang der Elbe. Ferner sind Weinberge bei Görlitz sowie kleinere Rebflächen bei Jessen (Sachsen-Anhalt) und Schlieben (Brandenburg) dem Anbaugebiet Sachsen zugeordnet.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.01.2020 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

Quelle: MDR/lam

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Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 14:02 Uhr

2 Kommentare

Eulenspiegel vor 3 Wochen

Also zu römischen Zeiten waren die Alpen nicht gletscherfrei. Die Gletscher waren sicherlich kleiner. Nur unser heutiges Problem ist nicht eine Klimaerwärmung in der Alpenregion. Unser Problem ist eine globale Klimaerwärmung. Denn lokal begrenzte zeitweise Klimaerwärmungen hat es immer wieder aus den verschiedensten Gründen gegeben. Aber global betrachtet war das Klima auf der Erde in den letzten Zehntausend Jahren sehr stabil. Das sagen zumindest die Klimaforscher.

SchneeGuevara vor 3 Wochen

Der Klimawandel ist für WeintrinkerInnen sicherlich was Feines. Wie in römischer Zeit (damals waren die Alpen gletscherfrei) wird der Weinanbau wieder bis Köln möglich sein. Wir müssen weniger heizen und haben mehr Sonne für unsere Solaranlagen. Man sollte aber auch bedenken: Wir brauchen mehr Stauseen und Hochspannungsleitungen durchs ganze Land.

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