Weinlese
Trotz Hitze und Dürre haben Sachsens Winzer 2018 eine überdurchschnittliche Ernte eingefahren. Bildrechte: dpa

Bilanz 2018 Sachsens Winzer fahren überdurchschnittliche Ernte ein

Sachsens Weinbauern haben trotz Hitze und Dürre beim 2018er-Jahrgang wieder überdurchschnittlich viel geerntet. Damit steigen die Weinbestände in den Betrieben. Der Weinbauverband Sachsen freut sich darüber. Manche Winzer aber klagen über Absatzprobleme.

Weinlese
Trotz Hitze und Dürre haben Sachsens Winzer 2018 eine überdurchschnittliche Ernte eingefahren. Bildrechte: dpa

Sachsens Winzer haben im vergangenen Jahr 25.519 Hektoliter Wein geerntet, gepresst und vergoren. Trotz Hitze und Trockenheit ist das nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) die dritte überdurchschnittliche Ernte in Folge. Winzer, die im Spätsommer 2015 vom Hagelschlag verschont geblieben waren, konnten sogar die vierte überdurchschnittliche Traubenernte einfahren.

Entwicklung der Weinernten seit 2011 in Sachsen
Jahr Gesamtweinernte Weiß- und Rotweine (Hektoliter)
2011 24.028
2012 20.610
2013 15.453
2014 20.919
2015 24.713
2016 28.845
2017 26.191
2018 25.519

Die guten Ernten in Folge machen sich laut Amt inzwischen auch bei den Weinbeständen in den Betrieben bemerkbar. Diese setzen sich aus verkaufsfertigen Weinen zusammen sowie aus Grundweinen für Sekte und noch reifenden Weinen, die derzeit nicht zur Vermarktung stehen. Nach Angaben des Landesamtes standen in den Kellerbüchern der Weinbaubetriebe insgesamt knapp 29.000 Hektoliter Weiß- und gut 7.700 Hektoliter Rotwein.

Weinbauverband spricht 2018 von "Ausnahmejahr"

Vorstandschef Michael Thomas vom Weinbauverband Sachsen erklärte auf Anfrage: "Der Jahrgang 2018 ist ein Ausnahmejahrgang für die sächsischen Winzer. Die letzten vier Weinjahre sind die ertragreichsten Jahrgänge seit 2009." Der Verband freue sich, dass nach den schwierigen Jahren 2009 bis 2013 die Weinbestände zum Stichtag 31. Juli 2018 gestiegen seien. Damit seien die Betriebe gut gerüstet für Expansionen im Vertrieb und für mögliche Witterungsausfälle in der Zukunft, so der Angestellte vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth.

Offenbar sehen das aber nicht alle Weinbauern so positiv. Immer wieder klagen Winzer über Absatzprobleme. Voriges Jahr noch hatte das Prädikatsweingut Schloss Proschwitz von einem komplett weggebrochenen Amerika-Geschäft berichtet, ohne dies konkret mit Zahlen zu erläutern. Weinbauunternehmer Georg zur Lippe hatte schon 2017 auf Imageprobleme des Sachsenweins verwiesen, weil insbesondere Traubenproduzenten wiederholt nicht erlaubte oder nicht mehr zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt hatten. Betroffene Weine konnten nicht verkauft werden. Schloss Proschwitz war nach zur Lippes Angaben nie direkt betroffen, habe sich dennoch immer wieder Fragen von Händlern und Verbrauchern stellen müssen. Der Weinbauverband ließ die Frage danach, ob diese Imageprobleme inzwischen überwunden seien, unbeantwortet.

Weniger Winzer, aber mehr Profis

Bei leicht steigender Rebfläche - in den vergangenen drei Jahren wurden in Sachsen gut 26 Hektar Neuanpflanzung zugelassen - geht die Zahl der Winzer zurück. Waren vor elf Jahren noch 3.686 Weinbauern im sächsischen Anbaugebiet gemeldet, waren es im vergangenen Jahr 1.882.  Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Haupt- und Nebenerwerbswinzer aber den Angaben des LfULG zufolge auch mehr als verdoppelt. Es gibt in Sachsen aktuell 37 Haupterwerbs- und 41 Nebenerwerbswinzer. Mehr als 1.800 Weinbauern sind Kleinwinzer, die zumeist ihre Trauben an die Genossenschaft in Meißen oder an Weinkellereien liefern. Viele ältere Kleinwinzer haben ihre oft steilen Rebflächen in den vergangenen Jahren aufgegeben. Moderne Weinbaubetriebe können solche Kleinstflächen nicht lukrativ bewirtschaften.

Weißwein dominiert, Rotwein-Anbau rückläufig

In Sachsen wurde im vergangenen Jahr von 494 Hektar Wein geerntet. Auf 82 Prozent der Rebfläche stehen Weißweinsorten. Die Kultivierung von Rotwein ist nach Angaben des LfULG trotz Klimawandels, der Rotweinanbau begünstigt, im Elbland leicht rückläufig. Man stelle jedoch fest, dass zunehmend neue, sogenannte pilzwiderstandsfähige Rebsorten auch in sächsischen Steillagen angebaut würden, hieß es. Diese benötigen weniger Pflanzenschutz und weniger Bearbeitung, sind damit kostengünstiger. Sie stehen aktuell auf knapp 38 Hektar, was rund 7,4 Prozent der Gesamtrebfläche ausmacht. Allerdings sind vielen Verbrauchern solche jungen Sorten, wie Solaris, Helios, Johanniter oder Sauvignon gris unbekannt, was die Vermarktung erschwert. Mit 28,9 Hektar Rebfläche hat auch der nur noch in Sachsen kultivierte Goldriesling weiter zugelegt. Aus ihm wird ein leichter Sommerwein vergoren.

Insgesamt stehen auf Sachsens steilen Weinbergen und flachen Rebflächen 67 unterschiedliche Rebsorten. Nicht alle werden sortenrein ausgebaut und vermarktet. Einige werden nur in Cuvées verschnitten oder frühe Sorten ausschließlich für Federweißer verwendet.

Wichtigste Rebsorten in Sachsen
Weißwein  
Müller-Thurgau 14,1 Prozent - 70 Hektar
Riesling 13,5 Prozent - 67,4 Hektar
Weißburgunder 12,4 Prozent - 58,5 Hektar
Grauburgunder (Ruländer) 9,2 Prozent - 45,8 Hektar
Rotwein  
Spätburgunder 7,8 Prozent - 39,3 Hektar
Dornfelder 3,9 Prozent - 18,4 Hektar

Quelle: MDR/LfULG/Weinbauverband Sachsen/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.02.2019 | 12:00 Uhr in den landesweiten Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 13:49 Uhr

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen