Tanks in der Genossenschaft in Meißen.
Sachsenwein ist wieder sauber. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die nicht zugelassen sind, konnten die Behörden nicht mehr nachweisen. Auch in den Kellereien finden Kontrollen statt. Bildrechte: MDR/Lars Müller

09.11.2019 | 08:45 Uhr Aufatmen im Weinberg - Sachsens Kontrolleure erstmals zufrieden

Tanks in der Genossenschaft in Meißen.
Sachsenwein ist wieder sauber. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die nicht zugelassen sind, konnten die Behörden nicht mehr nachweisen. Auch in den Kellereien finden Kontrollen statt. Bildrechte: MDR/Lars Müller

Die sächsischen Winzer haben offenbar aus dem sogenannten Weinskandal gelernt. Zum ersten Mal seit der Einführung der verstärkten Kontrollen im Herbst 2016 haben die zuständigen Behörden keine Rückstände mehr von unerlaubten oder abgelaufenen Pflanzenschutzmitteln gefunden.

Das sächsische Gesundheitsministerium teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, in diesem Jahr seien bisher bei der verpflichtenden Untersuchung der Qualitäts- und Prädikatsweine knapp 500 fertige Weine und 220 sogenannte Füllanalysen (noch nicht abgefüllter Weine) von 42 Betrieben eingereicht worden. "Die weit überwiegende Zahl der Weine war im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen unauffällig", so das Ministerium. Federführend bei der Kontrolle ist die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen, kurz Lua.

Fehler bei Kennzeichnung einzelner Weine

Lediglich bei zwei Weinen sei der gesetzliche Höchstgehalt an flüchtiger Säure überschritten gewesen, hieß es. Ein Wein sei überschwefelt und einer mit zu geringem Mindesthalt an Gesamtsäure aufgefallen. Zudem haben die Behörden einen unzulässigen Verschnitt aus Rot- und Weißwein aufgedeckt.

Stichprobenartig wurden ferner neun sächsische Landweine untersucht, von denen sechs den Angaben zufolge falsch gekennzeichnet waren. Bei den 15 untersuchten Federweißer, 27 Keltertraubenproben, acht Sekten und drei Perlweinen aus Sachsen gab es keine gravierenden Auffälligkeiten. Kritisiert wurde bei einigen Produkten jedoch eine fehlerhafte Kennzeichnung auf den Etiketten. Im vergangenen Herbst waren Federweißer und Landweine noch mit unerlaubten Spritzmittelrückständen aufgefallen.

Flüchtige Säure Flüchtige Säure entsteht bei alkoholischer Gärung. Kleine Mengen können dem Aroma zuträglich sein, größere Mengen wirken aber störend und können Wein auch verderben lassen. Es gelten gesetzliche Höchstgrenzwerte. Essigstich ist ein bekannter Weinfehler durch flüchtige Säuren.

Auch bei Betriebskontrollen kaum Mängel

Die Fachleute des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) haben diesem Sommer und Herbst auch wieder - insgesamt 13 - Straußwirtschaften, Weinbaubetriebe und deren Rebflächen kontrolliert. Von Reben auf 19 Weinbergen wurden Blattproben entnommen und auf Pflanzenschutzmittel getestet. "Die Ergebnisse der laborchemischen Untersuchungen zeigen, dass keine unzulässigen Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden", so das Landesamt. Drei Winzer müssen den Angaben zufolge allerdings ihren gesetzlich geforderten Sachkundenachweis zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auffrischen.

Fehler bei der Dokumentation von Öko-Spritzmitteln

Rebstock
Das Landesumweltamt nimmt auch Blattproben von Rebstöcken, um diese auf Rückstände unerlaubter Pflanzenschutzmittel testen zu lassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weiter erklärte das Landesamt: "In zwei Fällen stellten die Kontrolleure fest, dass an der eingesetzten Pflanzenschutzspritze keine aktuelle Prüfplakette angebracht war und die Spritze somit nicht im Abstand von sechs Kalenderhalbjahren amtlich geprüft wurde." Diese Verstöße gegen das Pflanzenschutzgesetz würden in Verwaltungsverfahren geahndet, hieß es. Ein Betrieb wurde verwarnt, weil er den Einsatz von Spritzmitteln für den ökologischen Weinbau nicht korrekt dokumentiert hatte. In zwei Betrieben wurden im Pflanzenschutzmittellager nicht mehr anwendungsfähige und teilweise entsorgungspflichtige Pflanzenschutzmittel vorgefunden. Die Winzer wurden von den Kontrolleuren gerügt.

Die Kosten für die Kontrollen trägt der Steuerzahler. Der verbindliche Kontrolle aller Qualitäts- und Prädikatsweine aus Sachsen hatten das Landwirtschafts- und das Gesundheitsministerium im Sommer 2016 beschlossen. Hintergrund ist der Verbraucherschutz. Zuvor waren Weine aufgefallen, die Rückstände von im Weinbau nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln enthalten hatten. Es soll zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher bestanden haben.

Neue Winzergeneration in Sachsen

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.11.2019 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2019, 08:45 Uhr

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