29.02.2020 | 14:40 Uhr Coronavirus versetzt Sachsens Wirtschaft in Sorge

Die sächsische Wirtschaft rechnet mit negativen Auswirkungen durch die Ausbreitung des Coronavirus. Wie genau die ökonomisch und praktisch aussehen könnten, ist noch weitgehend unklar – Unternehmen, Kammern und das Wirtschaftsministerium beobachten die Lage aber sehr genau.

Julian Friedrich klingt noch recht entspannt. "Bei uns funktioniert es in beide Richtungen", sagt der Sprecher des Leipziger BMW-Werks. Weder die Lieferkette für die Produktion noch die Absatzkette für den Verkauf der in Leipzig gebauten Autos seien derzeit durch die Ausbreitung des Coronavirus beeinträchtigt. Dabei, sagt Friedrich, sei China, von wo aus sich das Virus ausgebreitet hat, sowohl Herkunftsland für einzelne Teile von Komponenten, die in den Leipziger Modellen verbaut werden, als auch Zielmarkt – etwa für das Elektroauto i3.

BMW-Mitarbeiter arbeiten in der Produktion des BMW i8 im BMW Werk Leipzig.
Fahrzeugmontage im Leipziger BMW-Werk. Bildrechte: dpa

Der Autobauer hat in seiner Münchener Zentrale einen Stab eingerichtet, der für alle Werke weltweit die Versorgungssituation und mögliche Auswirkungen der Virus-Ausbreitung analysiert. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt", betont Friedrich, gebe es auf Basis dieser Daten keinen Anlass, nicht entspannt zu sein.

Handelskammern sind skeptisch

Die Einschätzung des Konzern-Sprechers ist indes nicht repräsentativ für das Stimmungsbild in der Sächsischen Wirtschaft. Bei den sächsischen Industrie- und Handelskammern sammeln sich derzeit Anfragen zum Coronavirus, sagt Kerstin Küpperbusch, Sprecherin der IHK Chemnitz. Die Kammern sehen die Situation eher skeptisch. "Sollte sich das Virus noch weiter ausbreiten und auch andere Weltregionen noch stärker in Mitleidenschaft ziehen, können massive Auswirkungen auf den Außenhandel und die Wertschöpfungsketten, denen die sächsische Industrie besonders ausgesetzt ist, nicht ausgeschlossen werden", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Handelskammern Chemnitz, Leipzig und Dresden.

Für eine seriöse Prognose, was das Coronavirus wirtschaftlich in Sachsen anrichten kann, fehlen uns derzeit belastbare Zahlen und Informationen.

Martin Dulig Sachsens Wirtschaftsminister

Erste Folgen spürbar

Aus den Mitgliedsbetrieben kommen offenbar erste Signale, dass dieser Punkt bereits erreicht ist. "Schon jetzt sind erste Folgen in Sachsen aufgrund der starken Verflechtungen etwa  im Automobilbau, bei elektronischen Bauelementen und im Maschinen- und Anlagenbau spürbar", sagt Kerstin Küpperbusch. Welche Firmen konkret betroffen sind, wollen und können die Kammern nicht sagen. Bekannt ist bislang etwa, dass die mit Chipfabriken in Dresden ansässigen Großkonzerne Globalfoundries und Infineon vorerst auf Dienstreisen nach China verzichten – als "Vorsichtsmaßnahme", so eine Globalfoundries-Sprecherin.

Auch im sächsischen Wirtschaftsministerium ist man besorgt – das Augenmerk liegt hier auf kleinen und mittelständischen Unternehmen. "In besonderem Maße könnten die Unternehmen betroffen sein, die über eine Niederlassung oder eine Produktionsstätte in China verfügen", heißt es aus dem SMWA.

Wirtschaftsminister Martin Dulig verweist in einer Mitteilung darauf, dass China "zu den wichtigsten sächsischen Außenhandelspartnern" gehört. Die Ausfuhren ins Reich der Mitte sind den Angaben zufolge in den ersten drei Quartalen 2019 um zehn Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, die Einfuhren um 11 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro gestiegen.

Auswirkungen nicht absehbar

Wie stark der Dämpfer auf die Wirtschaftsentwicklung ausfallen könne, sei derzeit nicht absehbar. "Für eine seriöse Prognose, was das Coronavirus wirtschaftlich in Sachsen anrichten kann, fehlen uns derzeit belastbare Zahlen und Informationen", sagt Dulig. Auch Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums und des Mercator-Instituts für chinesische Studien betonen laut Dulig, dass aufgrund des sich stetig verändernden Bildes noch keine allumfassende Analyse zu den möglichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft möglich sei.

Die Landesregierung beobachte die Lage "mit großer Aufmerksamkeit und Sorgfalt", betont der Wirtschaftsminister. Bislang allerdings, sagt Sprecherin Katja Gneupel, seien im Ministerium noch keine Firmenvertreter vorstellig geworden, die negative wirtschaftliche Folgen durch die Coronavirus-Epidemie befürchten.

Hilfe für Firmen in Not

Sollten sich diese indes künftig ergeben, stünden für betroffene Unternehmen "die bekannten Fördermöglichkeiten wie etwa zinssubventionierte Liquiditätshilfedarlehen oder staatliche Bürgschaften" zur Verfügung, sagt Gneupel. Damit könnten dann etwa Liquiditätsengpässe überbrückt werden, die infolge von Lieferschwierigkeiten oder Zahlungsausfällen entstehen. Zuständiger Ansprechpartner dafür sei die Sächsische Aufbaubank.

Quelle: MDR/rad

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.02.2020 | 19:00 Uhr in den Nachrichten

1 Kommentar

Rotti vor 39 Wochen

Jetzt rächt sich das Embargo gegen Russland. Wirtschaft benötigt Freiräume. Dieses Embargo trifft nun die Menschen in Sachsen. Das Embargo muss schleunigst fallen, dann könnte man eine Art Miniaufschwung schaffen. 🤔

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