Bordell-Umsatz von etwa 12.000 Euro im Monat

Stimmen die Angaben von Roxana und Nadja, belaufen sich die Mieteinnahmen der Agentur allein in diesem Haus bei voller Auslastung monatlich auf etwa 12.000 Euro - pro Wohnung 3.000 Euro. Dieses Geld lässt sich mit herkömmlichen Mietern schwer verdienen.

Roxana und Nadja, Monique und Tanja bleiben eine Woche, dann reisen neue Sexarbeiterinnen an. Von den rund 600 Prostituierten in Dresden kommt nach Schätzung des Gesundheitsamts die Hälfte nicht aus Deutschland. Oft sind ihre Sprachkenntnisse sehr beschränkt. In kurzer Zeit eine Wohnung oder Zimmer direkt vom Eigentümer zu mieten, dürfte ihnen schwerfallen. Wohnungssuche ist bekanntlich eine längerfristige Angelegenheit.

Viele "Prostitutionsunternehmer" können die Auflagen mit ihren Wohnungsbordellen derzeit offenbar nicht erfüllen. Nicht verwunderlich also, dass viele Betreiber ihre Webseiten längst offline gestellt haben. Auch die sächsische Agentur in Pieschen hat ihre Webseite samt URL gelöscht. Domaininhaber war ein Unternehmen mit Sitz in Hanoi, Vietnam. In Dresden-Pieschen steht Monique noch immer halbnackt in der Tür. "Chef fragen", sagt Monique noch einmal in Wortfetzen, fast bettelnd. Ihr Blick ist starr, die Augen weit. Langsam schließt sie die Tür.

* Die Namen der Frauen sind geändert.
** Zugunsten der Lesbarkeit des Textes haben wir uns für den Begriff "Sexarbeiterinnen" entschieden. Gemeint sind jedoch ebenso Sexarbeiter und auch Transvestiten.

Daten und Fakten Die Zahl der bundesweit aktiven Prostituierten wird laut Prostituiertenschutzgesetz auf 200.000 geschätzt. Nach Königsteiner Schlüssel berechnet, entfallen dabei auf Sachsen 10.000 Prostituierte. Genaue Angaben liegen laut Statistischem Bundesamt aus dem Freistaat weder für das Prostitutionsgewerbe (Bordelle), noch für die Prostitutionstätigkeit der einzelnen Sexarbeiterinnen vor. Sachsen gehört zu den sechs Bundesländern, die bislang keine statistischen Daten an das Bundesamt zugeliefert haben.

Die Zahl der Prostituierten in Dresden schätzt das Gesundheitsamt auf 500 bis 600 Frauen. Etwa 80 bis 100 Männer arbeiten in der Mann-Mann-Prostitution. Angaben über die Mann-Frau-Prostitution gibt es nicht. Etwa 300 Frauen stammen nicht aus Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der Sexarbeiterinnen anderer Nationalität ist. Am häufigsten Ungarn, Thailand, Bulgarien, Slowakei und Tschechien", sagte Matthias Stiehler, Leiter der Beratungsstelle für Prostituierte im Dresdner Gesundheitsamt. Gesicherte Statistiken seien erst mit dem neuen Gesetz zu erwarten.

Quelle: MDR

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Zuletzt aktualisiert: 03. August 2018, 17:22 Uhr

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