Wandtafel mit verschiedenen Hinweisen für Wohnungslose, im Hintergrund ein Mann, der etwas in den Mund steckt.
Im Tagescafé der Diakonie können Wohnungslose auch duschen, ihre Wäsche waschen oder die Kleiderkammer nutzen. Außerdem helfen die Mitarbeiter bei Anträgen an die Ämter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Obdachlosenhilfe Diakonie berät 1.000 Wohnungslose in Dresden

Wie viele Wohnungslose es in Dresden gibt, ist statistisch nicht erfasst. Doch es gibt Zahlen und Einschätzungen der Wohnungsnothilfe der Diakonie, die einen Anstieg vermuten lassen.

Wandtafel mit verschiedenen Hinweisen für Wohnungslose, im Hintergrund ein Mann, der etwas in den Mund steckt.
Im Tagescafé der Diakonie können Wohnungslose auch duschen, ihre Wäsche waschen oder die Kleiderkammer nutzen. Außerdem helfen die Mitarbeiter bei Anträgen an die Ämter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Zahl der Wohnungslosen in Dresden steigt nach Einschätzung der Diakonie weiter an. Zwar gebe es dafür keine absoluten, belastbaren Gesamtzahlen, sagte der Leiter der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden, Michael Schulz. Jedoch lägen genügend Indikatoren vor. So gebe es inzwischen neben der Diakonie zwei weitere freie Träger, die in Dresden Obdach- und Wohnungslose beraten. Zudem würden die Mieten weiter steigen.

16 Prozent ohne feste Bleibe

Mehrere Personen an einem Tisch mit Kuchen, belegten Broten und Salzstangen.
Das Tagescafé Schorsch der Diakonie in Dresden Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden hat Schulz zufolge im vergangenen Jahr 1.040 Menschen beraten, etwa ebenso viele wie 2017 (1.079). Die meisten der Wohnungslosen, gut 50 Prozent, wohnten demnach bei Bekannten. Obdachlos im klassischen Sinn, also ohne eine feste Bleibe, seien knapp 16 Prozent. (2017:17,3 Prozent) gewesen. Fast zehn Prozent lebten in Übernachtungsstätten, ein weiterer kleiner Teil wohnte bei der Familie oder sei etwa im Krankenhaus.

Ein gutes Drittel der Klienten waren den Angaben zufolge Frauen. Der Anteil von Haushalten mit Kindern liegt bei gut zehn Prozent - mit steigender Tendenz. Mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden seien im Alter von 21 bis 40 Jahren gewesen.

Erhöht habe sich der Anteil von ausländischen Hilfesuchenden, etwa Syrer, sowie von EU-Bürgern, sagte Schulz. Deren Anteil werde aber statistisch nicht erfasst. Es seien Menschen darunter, die aus den Nachbarländern Tschechien oder Polen zum Arbeiten nach Sachsen gekommen waren und ihren Job verloren hätten. Sie versuchten, zu bleiben, hätten dann aber keine Wohnung, weil diese der Arbeitgeber bereitgestellt hatte.

Hilfsangebote auf der "Straße"

Eine Frau in einem Raum mit Kleiderregalen, die ein paar Wanderstiefel in der Hand hält.
Auch eine Kleiderkammer gehört zur Wohnungsnotfallhilfe Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Diakonie hat in diesem Jahr ihre niedrigschwelligen Beratungsangebote für Menschen in Wohnungsnot fortgesetzt. Bei dem Projekt suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie Sachsen hilfebedürftige Menschen vor allem aktiv an öffentlichen Plätzen oder in prekären Wohnverhältnissen auf. Ziel ist es, Betroffene an Beratungsstellen und Hilfen weiterzuvermitteln oder sie direkt dorthin zu begleiten.

Das Dresdner Sozialamt hat für 2017 rund 300 Obdachlose erfasst. In die Statistik seien allerdings nur diejenigen Personen eingeflossen, die als Wohnungsnotfall im Sozialamt vorgesprochen haben. In Dresden stehen zur längerfristigen Unterbringung knapp 400 Plätze zur Verfügung. Darüber hinaus bieten die Nachtcafés der Kirchen in den Wintermonaten Übernachtungsmöglichkeiten für Obdachlose. Das Land Sachsen erfasst Wohnungs- und Obdachlose seit Jahren nicht mehr statistisch.

Quelle: MDR/kb/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.01.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2019, 21:47 Uhr

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4 Kommentare

19.01.2019 12:12 Rechner 4

172 wirkliche Obdachlose. Wieviele davon gar keine Wohnung wollen ist Ungewiss. Und insgesamt etwa so viele wie letztes Jahr. Von den 400 Plätzen für Obdachlose bleibt offensichtlich ein Viertel regelmäßig leer. Wo ist nun das Problem? Es ist nicht da. Eher geht es hier um einen Kampf um Zuschüsse und Steuermittel. Und da muss man sich, mit Hilfe der Medien, mal lautstark positionieren.

19.01.2019 07:02 M. Jacob 3

Das Recht auf eine würdige Wohnung und das Recht auf eine würdige Arbeit sollten Verfassungsrang haben. Leider ist Obdachlosigkeit ein sehr unschöner Auswuchs unserer sogenannten modernen und leistungsorientierten Gesellschaft. Wo der Staat nicht hinschauen und tätig werden will müssen leider soziale Träger und Ehrenamtliche die Löcher stopfen.

18.01.2019 10:11 Bürgerin 2

Sie hatten alle mal ein Dach über den Kopf , keiner ist auf der Straße geboren und sie hatten die Chance auf Schul- und Berufsbildung ! Warum sind viele aus dem normalen Leben ausgestiegen , keiner hat ihnen Drogen , Alkohol usw. verordnet . Obdachlosigkeit ist ein Erfolg der Wiedervereinigung !!!
Die Hilfe wird oft nicht angenommen und die gebotene Unterkunft verlodert dann ,.

17.01.2019 18:42 Harzer 1

an die Kirchenangestellten; Eure Arbeit ist gut ! Leider ist die Politik gefordert, diesen Menschen ein Unterkunft zu bieten!
Können die Linken und Grünen diesen Zustand nicht ändern. Für unsere Neubürger legen die sich doch auch ins Zeug.

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