25.03.2020 | 14:30 Uhr Trotz Corona-Krise: Sachsens Zahnärzte für Akutbehandlungen gerüstet

Junge beim Zahnarzt
In den Zahnarztpraxen werden vor allem Menschen mit Schmerzen behandelt. Bildrechte: IMAGO

Jeder Patient mit Zahnschmerzen wird behandelt  – dies gilt für gesunde ebenso wie für an Covid-19-erkrankte Patienten. Das teilten die Landeszahnärztekammer Sachsen und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen auf Anfrage mit. In der aktuellen Situation sollten Zahnarzt und Patient vor einem geplanten Behandlungstermin telefonisch besprechen, welche Behandlung im Moment geleistet werden kann und muss, hieß es. Hierbei gelte es abzuwägen – zwischen der Behandlungsnotwendigkeit auf der einen Seite und dem Schutzbedürfnis aller Beteiligten auf der anderen Seite.

Vorerst Verzicht auf Zahnreinigungen

Die Dresdner Zahnärztin Dr. Maja Anton sagte, dass sie derzeit auf bestimmte Behandlungen wie etwa Zahnreinigungen komplett verzichte. Schmerzpatienten oder solche, die etwa wegen beschädigter Prothesen kommen, würden derzeit aber in jedem Fall behandelt. Sie rät jedoch ihren Patienten, alle problemlos aufzuschiebenden Behandlungen auch aufzuschieben. Sie versuche beispielsweise so wenig wie möglich an Zähnen zu schleifen.

Es gehe insbesondere darum, dass Aerosole in der Praxisluft verringert oder vermieden werden. Diese Aerosole entstehen, wenn hochtourig rotierende Geräte wie Bohrer mit Wasser gekühlt oder Mundbereiche mit Druckluft getrocknet werden. Die feinen Sprühnebel, die auch Patienten von Zahnbehandlungen kennen, können neben dem Wasser und winzigem Zahnmaterial auch Viren verteilen und das Praxispersonal anstecken, so die Zahnmedizinerin.

Sorge gilt auch Mitarbeiterinnen

zahnmedizinische Instrumente
Vieler Bohrer stehen vorerst still. Bildrechte: Colourbox

Neben den Patienten liegt ihr auch das Wohl ihrer Mitarbeiterinnen am Herzen, sagt Maja Anton. Eine ihrer Angestellten habe beispielsweise drei Kinder in der Notbetreuung, da ihr Partner in den Altenpflege auch unabkömmlich sei. Alle Mitarbeiterinnen seien motiviert und im Dienst, darunter auch eine Auszubildende.

In der Praxis versuche man, sich so gut wie möglich zu schützen. Dazu gehört derzeit etwa doppelter Mundschutz und ein zusätzliches Visier vor dem Gesicht bei den Behandlungen. Mundschutz und Desinfektionsmittel habe die Praxis derzeit noch ausreichend. "Wir haben frühzeitig nachbestellt, als noch vieles lieferbar war", sagt sie. Dennoch habe sie dafür schon merklich höhere Preise zahlen müssen, ärgert sich die Zahnärztin.

Fragebogen zu Corona-Symptomen online vorm Zahnarztbesuch

Durch weniger Behandlungen kommen sich die Patienten auch im Wartebereich nicht zu nah. Maximal ein Patient soll im Wartezimmer sitzen und einer im Behandlungsraum, erklärt die Zahnärztin. Zudem gebe es noch separate Plätze im Vorraum der Praxis. Generell sollten nur Patienten mit Termin kommen. Die geringeren Behandlungszahlen wirkten sich jedoch auf die wirtschaftlichen Erträge der Praxis aus - bei gleichbleibenden Personal- und Mietkosten.

Auf der Homepage der Praxis hat die Zahnärztin einen Fragebogen zu möglichen Coronavirus-Symptomen veröffentlicht. Patienten mit dieser Erkrankung könne sie in ihrer Praxis nicht behandeln, sagt Dr. Anton. Sie sichere allerdings allen Akutpatienten zu, im Notfall einen geeigneten Kollegen mit entsprechender Praxisausstattung zu vermitteln.

Zahnarztspezialpraxen für Patienten mit Corona geplant

Die Landeszahnärztekammer kündigte an: "Damit unaufschiebbare Behandlungen auch für an Covid-19-erkrankten Patienten im Rahmen der Notfallversorgung erfolgen können, werden zunächst in Dresden und Leipzig zwei Spezialpraxen eingerichtet." Weitere könnten folgen, hieß es. Voraussetzung für deren Inbetriebnahme ist das Vorhandensein entsprechender Schutzausrüstung für Zahnarzt und Praxispersonal.

Weiter heißt es: "Eine flächendeckende Notfallversorgung wird aus heutiger Sicht für die Bevölkerung immer gewährleistet bleiben."

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.03.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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