05.06.2020 | 19:40 Uhr Wasserentnahmeverbot in Dresden - zu wenig Wasser in Flüssen

Sachsen trocknet aus. Nach der Oberlausitz und dem Landkreis Nordsachsen wird nun auch das Wasser in und um Dresden knapp. Die Wasserentnahme wird mit wenigen Ausnahmen untersagt. Anhaltende Trockenheit, zunehmende Winde und Wärme lassen das Wasser schneller verdunsten, als die Stadt reagieren kann.

Teile des Flussbettes der Elbe bei Dresden liegen frei.
Heiße Sommer, zunehmende Winde und trockene Winter - ein Mix der Flüsse austrocknen lässt (Archivfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Dresdner Umweltamt untersagt die Wasserentnahme aus Flüssen, Bächen und Seen. Wie die Stadt mitteilte, ist es ab Samstag (06. Juni) verboten, Wasser mit Pumpen aus oberirdischen Gewässern zu gewinnen. Das Verbot gelte bis einschließlich 15. Oktober. Grund sei die anhaltende Trockenheit und der geringe Wasserstand in den Gewässern des Stadtgebiets.

Wenige Ausnahmen zur Wasserentnahme

Ausgenommen vom Verbot seien die Elbe, die Vereinigte Weißeritz und der Lockwitzbach. Dort dürfe das Nass mit Handgefäßen entnommen werden. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit samt einem Bußgeld von bis zu 50 Euro geahndet werden, so die Stadt.

Touristen laufen bei Regen unter Schirmen am Fürstenzug entlang.
Regen ist in Dresden in den letzten Jahren ein seltener Anblick geworden. Das Dresdner Umweltamt untersagt deshalb die Wasserentnahme aus Flüssen, Bächen und Seen. Bildrechte: dpa

Problem schon länger bekannt

Nach Angaben des Umweltamtes beobachten Fachleute bereits seit Ende April, dass nahezu alle der 40 untersuchten Fließgewässer im Stadtgebiet nur noch wenig bis sehr wenig Wasser führen. Fünf dieser Bäche seien bereits abschnittsweise oder vollständig trocken, darunter der Blasewitzer-Grunaer Landgraben, der Weidigtbach und der Kaizbach unterhalb der Ausleitung des Park-Kaitzbachs. 14 weitere Gewässer hatten nur noch eine sehr geringe Wasserführung, so das Umweltamt.

Verschärft und mitverursacht wird die Situation durch die Dürrejahre 2018 und 2019. Die ungewöhnlich starken Niedrigwasserphasen dieser Jahre ließen zahlreiche Dresdner Bäche und Flüsse vollständig oder über weite Strecken austrocknen. Dazu zählte auch die Prießnitz, einer der größten Bäche im Stadtgebiet.

Wolfgang Socher Leiter des Dresdner Umweltamtes

Laut Socher waren die Monate Januar, März und April viel zu trocken. So habe sich seit 2013 ein Niederschlagsdefizit von rund 470 Litern pro Quadratmeter aufaddiert.

Versuche, dem Problem Herr zu werden

Die Prießnitz in Dresden am 17.7.2018 führt sehr wenig Wasser.
Auch die Prießnitz führt aktuell sehr wenig Wasser Bildrechte: Christian Essler/xcitepress

Um das Problem der Wasserknappheit unter Kontrolle zu bekommen, hat das Umweltamt bereits an vielen Stellen Stadtgewässer renaturiert und den natürlichen Wasserrückhalt in den Einzugsgebieten der Flüsse erhöht. Zudem seien Ufergehölze angepflanzt worden, um mehr Schatten zu erzeugen und eine übermäßige Verdunstung von Wasser zu verhindern. Langfristig müsse es gelingen, die natürlichen Gewässer und ihre Einzugsgebiete widerstandsfähiger gegen klimabedingte Veränderungen zu machen, so das Umweltamt.

Problem wird auch in Zukunft bestehen

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es im Freistaat über die Jahre immer wärmer geworden ist. Die Prognosen zeichnen dasselbe Bild. Laut dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie werden auch in den kommenden Jahren steigende Temperaturen und geringere Niederschläge zu erwarten sein. Das Problem niedriger Wasserstände wird Sachsen somit auch in Zukunft beschäftigen.

Aktuelle Informationen zum Wasserstand der Dresdner Gewässer und auch des Grundwassers stehen im Themenstadtplan unter stadtplan.dresden.de bereit. Im Themenfeld Umwelt, Kategorie Wasser lassen sich Daten aktuell einsehen und Hintergrundinformationen zu einzelnen Gewässern aufrufen.

Nicht nur in Dresden ein Problem

Nicht nur in Dresden werden Verbote zur Wasserentnahme verhängt. Nachdem in der Oberlausitz bereits ein Wasserentnahmestopp aus Flüssen und Seen verhängt wurde, gilt das Verbot ab sofort auch im Landkreis Nordsachsen. Bis Ende Oktober darf dort privat nicht mehr abgepumpt werden, weil es einfach zu wenig regnet. Für die Oberlausitz wird bereits eine Dürre prognostiziert. Und auch in den anderen sächsichen Regionen wird es immer trockener.

Warum sind Fließgewässer so wichtig Fließgewässer sind ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Netzes im Stadtgebiet. Sie haben eine kühlende Wirkung auf die Umgebung. Diese Klimaregulation nimmt bei niedriger Wasserführung ab, da die Vegetation weniger mit Wasser versorgt und damit die Verdunstungsleistung reduziert wird. Vom Wassermangel besonders betroffen sind Fische. Bei Austrocknung des Fließgewässers sterben sie oder wandern ab. Im Stadtgebiet besiedeln Fische die ausgetrockneten Abschnitte wegen mangelnder Rückzugsräume - wenn überhaupt - oft nur langsam.

Quelle: Umweltamt, Stadt Dresden

Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.06.2020 | ab 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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