ine Regionalbahn aus Wroclaw (Polen) rollt über das Neiße-Viadukt zum Bahnhof der ostsächsischen Stadt Görlitz (Sachsen).
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Diesel versus Elektro Zugverbindung Dresden-Breslau wird Ende des Jahres eingestellt

Ein Regionalexpress bringt Reisende jeden Tag ohne Umsteigen von Dresden nach Breslau. Vor gut drei Jahren stand die Direktverbindung schon einmal vor dem Aus. Die polnische Seite wollte sie wegen Unwirtschaftlichkeit einstellen. Dann wurde Breslau europäische Kulturhauptstadt und die Wojewodschaft Niederschlesien und der Freistaat Sachsen einigten sich darauf, den Regionalexpress weitere drei Jahre zu finanzieren. Jetzt sind die drei Jahre fast um. Der Finanzierungsvertrag läuft Ende des Jahres aus.

ine Regionalbahn aus Wroclaw (Polen) rollt über das Neiße-Viadukt zum Bahnhof der ostsächsischen Stadt Görlitz (Sachsen).
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Die direkte Zugverbindung zwischen Dresden und Breslau wird offenbar zum Fahrplanwechsel am 8. Dezember dieses Jahres eingestellt. Wie der stellvertretende Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien Christoph Mehnert MDR SACHSEN sagte, wird es im kommenden Jahr zwar weiter eine Verbindung Dresden-Breslau geben, allerdings keine Direktverbindung mehr. "Vermutlich muss dann umgestiegen werden", sagte Mehnert. Die Deutsche Bahn habe sich als Verhandlungsführer mit der polnischen Seite darauf verständigt, dass der Regionalexpress aus Dresden künftig bis Wegliniec/Kohlfurt fahren soll und von dort dann ein Anschlusszug eines polnischen Verkehrsunternehmens nach Breslau. Dass es auch so kommen wird, ist Mehnert zufolge "sehr wahrscheinlich". Die Deutsche Bahn müsse allerdings noch die Verträge dafür mit den Partnern verhandeln, also mit der Länderbahn, dem Verkehrsverbund Oberelbe und dem Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien.

Die Deutsche Bahn ihrerseits widersprach Mehnert. Man sei keineswegs als Verhandlungsführer in dieser Sache unterwegs. Die Entscheidung bis zu welcher Station die deutschen Dieselloks künftig fahren, obliege allein der polnischen Bahn. Die Deutsche Bahn vermiete lediglich ihre Züge an die Länderbahnen und sei allein für die mietvertraglichen Vereinbarungen zuständig.

Dieselloks auf deutscher, Elektroloks auf polnischer Seite

Mehnert zufolge wäre der Dresden-Breslau-Express ohnehin nur bis Jahresende 2019 durchgehend gefahren, da in Polen dann die gesamte Strecke Zgorzelec-Breslau elektrifiziert ist und die polnische Seite schon seit längerem angekündigt hatte, die Direktverbindung Dresden-Breslau dann nicht mehr finanzieren zu wollen. Auf polnischer Seite werden mit Fertigstellung der Elektrifizierung modernere und schnellere Fahrzeuge zum Einsatz kommen als bei der DB Regio, so dass spätestens dann ohnehin ein Umstieg in Zgorzelec nötig wäre. Ob die bisherigen Ticketpreise weiter bestehen, konnte Mehnert nicht sagen.

Wann wird auf sächsischer Seite elektrifiziert?

Die Strecke von Dresden bis zur polnischen Grenze ist bislang nicht elektrifiziert, was auch in der Region immer wieder auf Kritik stößt. Die Bahn ihrerseits verweist auf die Politik, das sächsische Verkehrsministerium auf den Bund. Die Strecke sei derzeit im Bundesverkehrswegeplan noch in der Kategorie "Potenzieller Bedarf" eingestuft. Über die Aufnahme in den "Vordringlichen Bedarf" entscheidet das Bundesverkehrsministerium. Sollte das nicht passieren, will man laut sächsischem Verkehrsministerium nochmals "eindringlich auf die sowohl innersächsische als auch grenzüberschreitende Bedeutung hinweisen und die Aufnahme des Projektes in dem angekündigten Elektrifizierungsprogramm fordern". Der Freistaat habe zudem seinerseits bereits eine Vorplanung in Auftrag gegeben. Diesbezüglich sei man auch mit der Deutschen Bahn im Gespräch. Erste Ergebnisse werden Mitte 2019 erwartet. Die Gesamtkosten des Vorhabens werden grob auf rund 420 Millionen Euro geschätzt.

Bislang noch drei Direktverbindungen von Sachsen nach Polen

Derzeit gibt es neben der Verbindung Dresden-Breslau noch zwei weitere Direktverbindungen von Sachsen nach Polen: Seit Februar dieses Jahres können Reisende in zweieinhalb Stunden von Görlitz direkt nach Zielona Góra, dem früheren Grünberg fahren. Auch nach Jelenia Góra, das frühere Hirschberg, gibt es eine Direktverbindung von Görlitz aus.

Quelle: MDR/nj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.10.2018 | 17:30 Uhr in den regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 15:44 Uhr

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8 Kommentare

11.10.2018 01:57 Enrico Pelocke 8

@5Thomas Zander: Elektrische Züge/loks können mehrsystemfähig sein und damit Lokwechsel/umsteigen ersparen. Die heute eingesetzten VT 642 Desiro sind nur für 120 km/h zugelassen. Die Streckengeschwindigkeit beträgt auf dem polnischen Abschnitt 160 km/h. Wenn man die pssende Baureihe einsetzt, kann man die höhere Streckengeschwinidgkeit auch fahren.

11.10.2018 18:31 Udo Degen 7

Der kluge Mann fährt ja Eisenbahn. An der Ostzone-Grenze dann : Ochs und Esel steigen bitte aus...

11.10.2018 11:26 Klemmi 6

War es nicht Deutschland, welches von Polen und Tschechien einen Ausbau der Infrastruktur forderte, auch auf der Schiene? In Warschau und Prag hat man die Hausaufgaben gemacht, in Berlin wieder mal nicht und dies ist kein Einzelfall. Während heute bspw. in Cheb elektrisch gefahren wird, plant man seit Jahrzehnten an der angrenzenden Sachsen-Franken-Magistrale an der Oberleitung. Gleiches Dilemma wie in diesem Beitrag geschildert. Deutschland und seine Demokraten...ohne Worte.

11.10.2018 06:20 Thomas Zander 5

Was bei der ganzen Diskussion immer bewusst unterschlagen wird, deutscher und polnischer Bahnstrom sind nicht gleich, ein Umsteigen an der Grenze fällt also auch mit einer Elektrifizierung per se nicht weg, bzw. kommt gegenüber Diesel dadurch erst zustande. Weiterhin beschleunigen E-Fahrzeuge zwar besser, was sich bei vielen Halte auswirkt, schneller als Streckengeschwindigkeit und damit Diesel können sie aber auch nicht fahren.

10.10.2018 21:29 Rolf Kumorei 4

Bedarf und Nachfrage hängt auch von den gegebenen infrastrukturellen Bedingungen ab. Wer unser Nachbarland Polen näher kennt, wird wissen, dass elektrifizierte Züge heute schon ab Grenznähe über Wroclaw und Warschau bis nach Weißrussland, die Ukraine u. weiter fahren. Pläne, diese Strecke von Görlitz aus nach Leipzig zu verlängern, scheitern seit Jahren am fehlenden politischen Willen der jeweiligen Bundesregierung, Mittel in die Hand zu nehmen, um die fehlenden Kilometer zwischen Dresden und Görlitz zu trassieren. Gerade in Hinblick des angestrebten Kohleausstiegs in der Lausitz wird es doch mit Sicherheit für viele weitere Menschen zwingend notwendig werden, aus dem Umland in städtische Regionen auf Arbeit zu pendeln. Schnellverbindungen nach Bischofswerda, Bautzen, Löbau und Görlitz wären der täglichen Auslastung sicher zuträglich, zumal unsere Autobahn A4 mit permanenten Baustellen und täglichem Stau kaum eine Alternative darstellen kann. Leider nur Gedanken meinerseits.

10.10.2018 20:20 Petra Stein 3

Noch im Juli bin ich mit diesem Zug gefahren - in rund sechs Stunden mit Umsteigen in Dresden von Erfurt nach Wroclaw, da kann man nicht meckern. Gut ausgelastet war er auch und mit dem Spezial-Ticket wirklich günstig.

Insgesamt wird der Osten der Republik eher stiefväterlich behandelt, was den Ausbau der Bahn-Infrastruktur betrifft. Für Stuttgart 21 fließen die Millionen, doch die Elektrifizierung z.B. zwischen Erfurt und Glauchau erreichte erst Ramelow in Verhandlung mit Bayern bzgl. einer Abstimmung im Bundesrat (immerhin!).

Sachsen sollte zügig investieren, sonst hängen die Polen den strukturschwachen grenznahen Raum ab und der Szczecin-Effekt wie in Brandenburg bleibt aus.

Übrigens, @Redaktion, gibt es Breslau nicht mehr, nachdem es idiotischerweise zur "Festung" erklärt worden war und daher gnadenlos bombardiert wurde. Nur noch wenige Gebäude aus der "Breslauer" Zeit sind erhalten. Die Einheimischen nennen diese Stadt "Wroclaw".

10.10.2018 20:16 Uwe Bautze 2

Nun - Polen mit Elektro, Deutschland mit Diesel. Gott sei Dank reden wir über Züge, nicht über Autos! Wenn ich unsere europäischen Nachbarn sehe frage ich mich schon - weshalb geht dort ein gut ausgebauter öffentlicher Personennahverkehr, welcher noch dazu preislich gesehen eine Alternative zum Auto darstellt? Dabei ist die Antwort relativ einfach - die dortige Politik will das. Und Deutschland? Hm. Wahrscheinlich ist hier zu Lande der große Plan - "Überholen ohne Einzuholen!". Hat aber schon mal nicht geklappt... Deutsche Politik, ich glaube, dir fehlen neue Gestalter.

10.10.2018 20:14 Frank 1

Ob der Zug von Diesel- oder E-Loks gezogen wird ist und die Lok irgendwann gewechselt werden muss ist irrelevant. Die Nachfrage und damit Auslastung ist das Kriterium der Wirtschaftlichkeit. Die Strecke wird einfach nicht in dem Masse nachgefragt. Punkt um.

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