Natur- und Umweltschule in Dresden "Wir werden ausgeblutet"

Mit dem Rücken zur Wand stehen die Eltern, deren Kinder in die Natur-und Umweltschule gehen. Der Rechtsstreit um die Genehmigung verläuft schleppend und in die Einrichtung fließen keine öffentlichen Gelder mehr. Um das restliche Schuljahr zu finanzieren, fehlen 45.000 Euro.

von Madeleine Arndt

Kinder spielen im Wald.
Die Schüler der Natur- und Umweltschule verbringen viel Zeit im Freien. Auch der Unterricht findet zu Teilen im Wald statt. Bildrechte: Förderverein NUS

Der langanhaltende Rechtsstreit um die Natur- und Umweltschule zwingt die Einrichtung langsam in die Knie. "Wir haben eine Duldung erwirkt, aber es gibt keine rechtliche Grundlage, uns zu finanzieren", sagt die pädagogische Leiterin Julia Pörschke im Gespräch mit MDR Sachsen. Weil der Status der alternativen Grundschule in Dresden-Klotzsche ungeklärt ist, hat der Freistaat Anfang 2017 den Geldhahn abgedreht. Die Finanzierung des Schulbetriebs stemmen derzeit der Träger VSP, eine Stiftung und die Eltern der 65 Schüler.

"Kein Mensch versteht was da los ist. Die lassen uns jetzt ausbluten."

Jens Struwe Vater zweier Schüler, Mitglied im Förderverein

Die Situation: Seit ihrer Gründung 2011 wurde die Umweltschule von der Sächsischen Bildungsagentur (SBA) aus verschiedenen Gründen nur geduldet aber nicht genehmigt. Dagegen klagte der Schulträger am Dresdner Verwaltungsgericht. Er bekam Recht und die Schule Anspruch auf eine staatliche Finanzierung. Die Zahlungen wurden jedoch dieses Jahr gestoppt, weil die SBA gegen das Urteil in Berufung gegangen war. Die Bildungsagentur wirft dem Verwaltungsgericht mangelnde Fachkompetenz in diesem Fall vor. Jetzt soll das Oberverwaltungsgericht in Bautzen über die Zukunft der Schule entscheiden. Im August wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben und das Verfahren zieht sich.

Unterricht im Wald - aus Sicht der Behörde eine Gefahr

Kinder lernen im Klassenzimmer.
Nicht nur draußen: Kinder beim Unterricht im Klassenzimmer. Bildrechte: Förderverein NUS

Die Bildungsagentur hat nämlich Zweifel an der Qualität des pädagogischen Konzepts der Grundschule. Das Schulkonzept des Trägers sei in seiner eigentlichen Fassung nicht umsetzbar im praktischen Schulbetrieb, erklärt Pressereferentin Petra Nikolov ohne ins Detail zu gehen. Die Kritikpunkte haben sich über die Jahre geändert, berichtet hingegen die Schulleiterin. Anfangs sei es um die fehlende Qualifikation der Lehrkräfte gegangen, inzwischen liege der Fokus auf der Sicherheit der Kinder. Das Lernen im Wald sei laut Behörde eine Gefahr, so Pörschke.

Die Natur- und Umweltschule fällt aus dem Rahmen üblicher Grundschulen, weil die Kinder einen großen Teil des Unterrichts draußen verbringen. Dafür gibt es einen überdachten Platz im Grünen. Für Vater Jens Struwe gehört das ganz selbstverständlich zum Schulkonzept. "Das hat einen ganz klaren Fokus auf ökologische und gesellschaftliche Kreisläufe". Dass Draußenunterricht auch im regnerischen Deutschland nicht schädlich sein muss - "daran scheitert das Vorstellungsvermögen unseres bürokratischen Apparates", sagt Struwe. Aber es funktioniere und die Kinder seien glücklich an der Schule, betont er.

Eltern und Lehrer hoffen auf Bautzen

Lehrer und Eltern hoffen auf ein baldiges Urteil des Oberverwaltungsgerichtes zu dem Streit zwischen Schulträger und SBA. Inzwischen wird der Schulbetrieb unter großen Aufwand aufrecht erhalten. Das Geld reicht noch bis Anfang 2018. Um das Schuljahr beenden zu können, fehlen jedoch noch 45.000 Euro. Eltern versuchen das Geld unter anderem über Spenden einzuwerben. Außerdem wollen sie im November im Landtag eine Petition zum Erhalt der Grundschule einreichen. Bisher haben mehr als 10.000 Menschen unterschrieben.

So stellt sich die Schule selbst vor: Imagefilm der Natur- und Umweltschule

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.10.2017 | ab 15 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2017, 08:08 Uhr

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