Asylproteste in Freital
Mit 200 Gegendemonstranten waren am Dienstag deutlich mehr Menschen in Freital als auf der Seite der Asylkritiker. Deren Zahl gab die Polizei mit 80 an. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Nach Protesten in Freital Pro-Asyl-Teilnehmer mit Baseballschläger attackiert

Asylproteste in Freital
Mit 200 Gegendemonstranten waren am Dienstag deutlich mehr Menschen in Freital als auf der Seite der Asylkritiker. Deren Zahl gab die Polizei mit 80 an. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Nach einem Überfall auf Demonstrationsteilnehmer in Freital ermittelt das Operative Abwehrzentrum (OAZ). Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, ereignete sich der Vorfall im Anschluss an die Protestveranstaltung am Dienstag. Teilnehmer der Pro-Asyl-Kundgebung sei auf dem Heimweg von Freital nach Dresden zunächst bedrängt worden.

Auf dem Gelände einer Tankstelle ist laut Polizei ein Insasse aus dem Verfolgungsfahrzeug ausgestiegen und hat "unvermittelt" mit einem Baseballschläger auf die Frontscheibe eingeschlagen. Einer der fünf Insassen habe dabei leicht Verletzungen erlitten. Da nicht auszuschließen sei, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelt, habe das für Extremismus zuständige OAZ die Ermittlungen übernommen. Das Auto der Tatverdächtigen sei in der Nähe des Tatorts entdeckt und kontrolliert worden.

Der Vorfall wurde schon kurz nach Mitternacht bekannt:

Polizei trennt beide Lager

Asylproteste in Freital
43 Polizisten waren im Einsatz, um Zusammenstöße zu verhindern. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Am Dienstag haben sich den zweiten Abend in Folge Asylgegner und Befürworter vor dem Hotel Leonardo versammelt, in dem knapp 400 Asylbewerber untergebracht sind. Die Polizei spricht von rund 200 Teilnehmern auf der Pro-Asyl-Seite und 80 Asylkritikern. Während der Kundgebungen vor dem Hotel sei es weitgehend friedlich geblieben. Die Polizei trennte beide Lager. Aus dem Block der Asylkritiker sei ein Ei geflogen und habe einen Polizisten am Kopf getroffen, heißt es im Polizeibericht. Im Anschluss hätten sich die Gruppen im Freitaler Stadtgebiet aufgehalten. Die Polizei war mit 43 Beamten im Einsatz, um Zusammenstöße zu verhindern.

Opferberatung: Offener und aggressiver Rassismus

Die Vorgänge in Freital machen derzeit bundesweit Schlagzeilen. Zwar sind die Zahlen der sich versammelnden Asylgegner im Vergleich zu ähnlichen Protesten Ende 2013 in Schneeberg zwar vergleichsweise gering. Für Entsetzen sorgen allerdings Äußerungen in den sozialen Netzwerken, in denen offen zu Gewalt gegen Asylbewerber und ihre Unterstützer aufgerufen wird.

Die Opferberatung RAA und das Kulturbüro Sachsen sehen die Proteste klar rassistisch motiviert. Art und Weise des dortigen Protests hätten eine "besondere Qualität", erklärte Andrea Hübler von der Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt. "In Freital treten die Rassisten deutlich aggressiver und offener auf, als wir es in anderen sächsischen Orten bisher beobachten konnten." In den vergangenen Monaten sei es dort bereits zu einer ganzen Reihe von Übergriffen und Bedrohungen gegenüber Asylsuchenden und ihren Unterstützern gekommen. "Von besorgten, asylkritischen Bürgern zu sprechen, die ihrer Angst Ausdruck verleihen, ist hier fehl am Platz."

"Freital ist eine Stadt wie jede andere auch"

Der designierte Freitaler Oberbürgermeister Uwe Rumberg erklärt dagegen: "Freital ist eine Stadt wie jede andere auch". Rumberg hofft, dass die Situation bald entschärft wird. Er sprach sich dafür aus, alle Verantwortlichen schnellstmöglich an einen Tisch zu bekommen. "Dabei darf es aber nicht darum gehen, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen. Wir müssen aus der Situation das Beste machen. Das Anliegen muss sein, dass Frieden herrscht."

Polizei ab sofort rund um die Uhr vor Ort

Am Mittwoch gab es den dritten Abend in Folge Demonstrationen sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern der Flüchtlingsunterkunft. Nach Angaben der Polizei versammelten sich rund 160 Asylkritiker vor dem früheren Hotel. Zugleich seien etwa halb so viele Gegendemonstranten zusammengekommen. Einer der Asylunterstützer sei später in einer Parkanlage mit einer Flasche beworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Täter war zunächst nicht bekannt. Insgesamt sei die Stimmung aber entspannter gewesen als am Vortag.
Die Polizei war nach eigenen Angaben mit mehr als 100 Beamten im Einsatz. Ab sofort will sie rund um die Uhr mit mindestens zwei Einsatzfahrzeugen vor Ort sein, auch weil ein Aufeinandertreffen der beiden Seiten nach dem offiziellen Ende der Versammlungen möglich sei.

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2015, 18:00 Uhr

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10 Kommentare

25.06.2015 19:50 Irmela Mensah-Schramm 10

Zu Freital fältt mir nur noch ein: "Der Schoß ist so fruchtbar noch, aus dem das ganze kroch!" (Bertholt Brecht)

Ich empfinde Abscheu vor jenen Menschen wie in Freital, die sich so ekelhaft und menschenverachtend ungebremst zu derartigem Verhalten hineißen lassen.

25.06.2015 16:38 Tyler Durden 9

@8. Ex-Ossi: Man nennt es wohl "Brain Drain"... die, die konnten, weil sie was konnten, haben ihre Heimt, den ländlichen Raum im Osten, verlassen und gingen in die Städte v.a in West- aber auch Ostdeutschland. Zurück blieben die, die nicht gehen konnten, weil sie nichts konnten. Und einige Optimisten :) Dumme Ideologien (PEGIDA zuletzt) finden eben Anklang bei dummen Menschen, die Vorurteile über Fakten stellen und Diskussion mit Schreien bzw. dumpfen Wiederholen von Parolen verwechseln. Das Grundproblem ist, dass diese dummen Menschen - erst einmal in Bewegung gekommen - nicht mehr zu stoppen sind. Argumente werden mit "Lügenpresse" weggewischt oder mit dem "Bäsi" draufgehauen... Aber mach Dir keine Illussionen, die gibts im Westen auch, doch oft nicht so konzentriert bzw. wird das als "kulturelle Gepflogenheit" abgetan, siehe Oberbayern oder Ruhrgebiet.

24.06.2015 23:38 Ex-Ossi 8

Was und wie auch immer: Warum passieren solch extrem-rassistischen Dinge immer im Osten der Republik?

24.06.2015 23:24 Klaus Kurt 7

Tolerantes Sachsen? Hm... da wird mit Baseballschlaegern auf Andersdenkende eingeschlagen. Frage mich, wie das nun wieder gedreht wird, dass die Bedrohten dann wieder selbst Schuld dran waren. Kein Wunder, dass sich das Rassismusbild der Deutschen im Ausland so festsetzt. Traurig, einfach nur traurig.

24.06.2015 23:19 diversey 6

Aeh... wie bitte!!?? 'Es geht nicht darum mit dem Finger auf die anderen zu zeigen!' Wie naiv ist das denn? Von Finger ist da wohl kaum die Rede, das sind wohl eher Faeuste, die da Trotteln die Baseball-Schlaeger gefuehrt haben! Verharmlosung kennt man hier nun schon zu lange. Es muss endlich mal alles, wie im Westen, beim Namen genannt werden! Der Herr Buergermeister ist wohl mit dieser Herausforderung ueberfordert!

24.06.2015 20:01 Treffer 5

Wer sind die Asylbeführworter? Haben die in Freital Steuerpflicht zu leisten? "Aktuelle Kamera"
lässt grüßen!

24.06.2015 19:48 Holger Lischge 4

Wer weiß wirklich, wer an dieser zerstörten Autoscheibe Schuld ist. Den "gut Menschen" traue ich so etwas , wenn es um Vortäuschung falscher Tatsachen geht, so etwas auch selber zu, wie man genug aus der Vergangenheit entnehmen kann.

24.06.2015 19:18 Marcus Hellwig 3

Sören Kohlhuber ist aber auch nicht gerade als "lupenreiner Demokrat" bekannt, sondern nachweislich aktiv in der linksextremistischen politischen Szene. Dass der MDR sich Kohlhuber zu eigen macht, zeigt m.M. nach eine fragwürdige undemokratische Grundhaltung der Journalisten beim MDR.

24.06.2015 18:46 NoLegida 2

ein Fehler:

Eier wurden aus Reihe der Rassisten und Nazis geworfen. Aus der Pressemitteilung der Polizei:

Dem gegenüber stand eine Versammlung mit rund 80 Personen, die sich asylkritisch äußerten. Aus dieser Gruppe kam es gegen 22.00 Uhr zu einzelnen Eierwürfen auf die Versammlungsteilnehmer „Pro Leonardo“. Ein Ei traf einen Polizeibeamten am Kopf. Er blieb unverletzt.

24.06.2015 18:46 Phrasenhasser 1

Ist überhaupt belegt, dass dieser Angriff nicht ganz andere Gründe hatte? Das Foto zeigt doch eindeutig die Übermacht der jungen Leute, vorwiegend Linker und Studenten der Kleidung nach. Sollten die paar Hänschen der Asylkritiker tatsächlich gewusst haben, woher diese
Antidemonstranten kamen und später die Verfolgung aufgenommen haben? Klingt merkwürdig, wie auch, dass ein Einzelner bis zu einer Tankstelle nachgefahren sein soll und auf ein Auto eingedroschen hat, wo FÜNF junge Leute drin saßen...

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