Zwei maskierte Polizisten bringen einen Festgenommenen aus dem Amtsgericht Dresden.
Bildrechte: MDR/TeleNewsNetwork

FAQ Wie funktionierte die "Freie Kameradschaft Dresden"?

Zwei maskierte Polizisten bringen einen Festgenommenen aus dem Amtsgericht Dresden.
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Sind beide vorbelastet?

Obwohl Robert S. erst 19 Jahre ist, hat er schon neun Einträge im Bundeszentralregister. Er war länger drogensüchtig, später bewegte er sich in der rechten Szene. 2015/16 saß er wegen seiner Beteiligung an Überfällen auf Linke im Alaunpark und den Angriff auf das Flüchtlingsheim "Lindenhof" in Dresden ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. S. kam aber aber aufgrund einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren wieder auf freien Fuß. Florian N. kassierte 2015 einen Strafbefehl, weil er bewaffnet zu einer Demo gegangen war.

Was wollte die "Freie Kameradschaft Dresden"?

Die FKD wollte ihre rechtsextreme Weltanschauung über die Teilnahme an Demonstrationen äußern. Sie trat öffentlich mit dem Slogan "Dresden macht sich grade" auf - wahlweise uniform in weiße T-Shirts oder komplett in Schwarz gekleidet. Ziel der Gruppe war es, ihre Ideologie gewaltsam durchzusetzen. Linke und Ausländer sollten bekämpft und eingeschüchtert werden. Durch Überfälle sollten  Asylbewerber dazu gebracht werden, die Bundesrepublik wieder zu verlassen.

Wie funktionierte die "Freie Kameradschaft"?

Am 29. Juli 2015 versammelten sich rund 50 Neonazis vor der Dresdner Zeltstadt, einer provisorischen Massenunterkunft für Flüchtlinge. Die Polizei ließ keine Spontandemonstration zu und erteilte der Gruppe Platzverweise. Ein Großteil traf sich danach in einer "Minze" genannten Sportbar in Gruna und gründete dort nach Einschätzung der Ermittler die "Freie Kameradschaft Dresden". Die "Minze" fungierte fortan als regelmäßiger Treffpunkt. Hier traf sich die FKD vor und nach Demos und Straftaten. Als Anführer der FKD betrachtet die Generalstaatsanwaltschaft den 29-jährigen Dresdner Benjamin Z. Er richtete das zentrale Mobiltelefon der FKD ein und war auch alleiniger Administrator der geschlossenen WhatsApp-Gruppe "fk_info". Über diesen Chat, der den Ermittlern vorliegt, wurden Aktionen und Demoteilnahmen mitgeteilt. FKD-Chef Z. legte den 34 Teilnehmern strenge Regeln auf, die er so verdeutlichte: "Ausschließlich Infos! Hier gibts keine Guten Morgen/Nacht/Feierabendwünsche oder Futterinfo - Wer davon abweicht erhält laut AGB's 24h Sperre...", "Geht um Demos etc und ni um...andere Sachen". Überfallaktionen wurden konspirativ vorbereitet - entweder über persönliche Absprachen oder über WhatsApp. Ziele wurden zum Teil vorher ausgespäht, unmittelbar vor Straftaten traf man sich in der Nähe des Tatorts, um Details des Vorgehens festzulegen, beispielsweise den Einsatz von Fluchtwagen. Ende 2015 soll Florian N. 15 Gesichtsmasken für die FKD besorgt haben. Im Februar 2016 löste sich die Kameradschaft wegen interner Querelen auf. Zahlreiche Mitglieder waren aber im Sommer 2016 an Überfällen auf Ausländer beim Stadtfest Dresden beteiligt.

Arbeitete die FKD mit anderen Gruppierungen zusammen?

Die engste Verbindung pflegte die "Freie Kameradschaft Dresden" zur "Gruppe Freital", der zur Zeit am Oberlandesgericht Dresden der Terrorprozess gemacht wird. Bei den Ausschreitungen in Heidenau (August 2015), den Angriffen auf zwei Dresdner Flüchtlingsheime (August 2015), dem Anschlag auf das alternative Hausprojekt "Mangelwirtschaft" in Dresden (Oktober 2015) und der Jagd auf Asylbewerber in Pirna (Oktober 2015) sollen beide Gruppierungen gemeinsam gehandelt haben. Verbindungsmann war der Dresdner Rico K.; er gehörte beiden Organisationen an und steht gerade als Mitglied der "Gruppe Freital" vor Gericht. Die "Freie Kameradschaft Dresden" nahm an Pegida- sowie rechtsextremen Demonstrationen teil und unterhielt nach Erkenntnissen der Ermittler Verbindungen zu den rechtsextremen Parteien NPD, Der III. Weg, zur asylfeindlichen Bürgerinitiative "Laubegaster Wellenlänge" sowie zu den rechtsextremen Gruppierungen "Division Sachsen", "Mittweida Hartha", "Reisegruppe 44" und "Identitäre Bewegung".

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.06.2017 | Nachrichten ab 09:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 23.06.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2017, 12:06 Uhr