Albertinum Dresden
Albertinum Dresden Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/David Brandt

Gleichberechtigung Frauenmangel im Albertinum in Dresden?

Albertinum Dresden
Albertinum Dresden Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/David Brandt

Das Dresdner Albertinum gehört zu den bedeutendsten Museen der Welt. Werke von Künstlern wie Caspar David Friedrich, Claude Monet oder Gerhard Richter sind der Ausstellung zu sehen. Vor Kritik schützt das aber trotzdem nicht. So bot kürzlich die Gruppe "Feministory" im Rahmen des internationalen "Jane's Walk" einen feministischen Stadtrundgang an, der in Sichtweite des Museums vor den Toren der Hochschule für Bildende Künste auf der Brühlschen Terrasse Station machte. Thema dort: Sexismus.

Feminismus-Rundgang durch Dresden anlässlich des Janes Walks.
Vor der Kunstakademie machten die Feministinnen darauf aufmerksam, dass nur die Namen von männlichen Künstlern an der Außenfassade zu sehen seien. Frauen kämen hingegen nur als tugendhafte Figuren vor und nicht als schaffende Künstlerinnen. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Vor 20 Teilnehmern sprachen die zwei Initiatorinnen der Tour, die im Artikel namentlich nicht genannt werden wollen, darüber, wie sie von einer Aktion der "Guerilla Girls" in New York City inspiriert wurden. "Die haben herausgefunden, dass im 'Metropolitan Museum of Art' weniger als fünf Prozent der Bilder von Frauen stammen, während aber gleichzeitig 85 Prozent der Gemälde im Museum nackte Frauen zeigen." Daraufhin hätten sie die Frage gestellt, ob Frauen erst nackt sein müssten, um ins Metropolitan Museum zu kommen, teilte das Mitglied von "Feministory" mit.

Feminismus-Rundgang durch Dresden anlässlich des Janes Walks.
Treffpunkt für den Feminismus-Rundgang war am Postplatz, wo die zwei Initiatorinnen der Tour zunächst über die Geschichte des Feminismus referierten. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Weil die Fauen wissen wollten, ob die Situation im Dresdner Albertinum in den "Neuen Meistern" ähnlich ist, rechneten sie nach. Und genauso wie den "Guerilla Girls" gefiel auch den Frauen von "Feministory" die Quote nicht. Laut der Femminismus-Initiative stammen die Gemälde im Albertinum von 75 Männern und nur von drei Frauen. Auch in Sachsens Landeshauptstadt sei das weibliche Geschlecht eher nackt an der Wand zu finden und nur selten auf dem Namensschild unter dem Bild, so die Feministinnen.

Keine Künstlerin in Malerei des 19. Jahrhunderts

Aber stimmt das auch? Die Sprecherin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Anja Priewe, sagt dazu auf Anfrage von MDR SACHSEN: "Es ist zwar richtig, dass der Bestand 19. Jahrhundert im Bereich Malerei keine einzige Künstlerin umfasst, dennoch kommen wir bereits, wenn wir grob überschlagen und den Gesamtbestand berücksichtigen, auf 23 ausgestellte Werke von Künstlerinnen, davon 13 Bildwerke." Priewe weist darauf hin, dass sowohl die "Neuen Meister" als auch die Skulpturensammlung zum Albertinum gehören und man beides als Einheit sehen müsse. Die zahlenmäßig am häufigsten vertretene Künstlerin ist mit vier Werken Paula Modersohn-Becker.

Zwickauer Kunstverein will Frau-Sein auf Spitze treiben

Dass die Kritik an der Kunstszene nicht aus der Luft gegriffen ist, beweist eine Aktion des Zwickauer Kunstvereins. Mit seinem neuen Ausstellungsprojekt "Nach dem Bild ist vor dem Bild" will er nach eigenen  Angaben das Frau-Sein auf die Spitze treiben. Denn die 75 beteiligten Leipziger Künstler sind ausschließlich Malerinnen. "Wir wollen das Quotendenken ad absurdum führen, indem wir die Quote mit 100 Prozent übererfüllen", sagt der  Vereinsvorsitzende Klaus Fischer. Auch in der Kunst dominierten noch immer Männer. Mit der rein weiblichen Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Vereins wolle man darauf aufmerksam machen.

Pegida als Beispiel für Antifeminismus

Feminismus-Rundgang durch Dresden anlässlich des Janes Walks.
Eine Station des Feminismus-Rundgangs war der Theaterplatz. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Neben Sexismus widmete sich der feministische Rundgang in Dresden noch anderen Themen. Eine weitere Station war der Theaterplatz, den die zwei Frauen gewählt hatten, weil er seit 2014 vom Pegida-Bündnis für seine Aufmärsche genutzt wurde. Da sich Pegida gegen das geschlechtsneutrale Gendern von Sprache ausspreche und die Unterdrückung von Frauen nur wahrnehme, wenn diese von Flüchtlingen ausgehe, sei das Bündnis ein Beispiel für Antifeminismus, so die Organisatorinnen der Tour.

Marwa El-Sherbini als Opfer von Sexismus und Rassismus

Feminismus-Rundgang durch Dresden anlässlich des Janes Walks.
Vor dem Landgericht sprachen die Initiatorinnen der Feminismus-Tour über die Ermordung von Marwa El-Sherbini. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Dass Diskriminierung auch mehrere Dimensionen haben kann, wurde an der vierten Station vor dem Landgericht am Sachsenplatz deutlich. Am Beispiel der 2009 mit 16 Messerstichen ermordeten Ägypterin Marwa El-Sherbini, die in einem Beleidigungsprozess ausgesagt hatte und von dem Angeklagten ermordet wurde, zeigten die Feministinnen auf, wie Sexismus und Rassismus zusammenwirken können.

Arbeitskreis Homosexualität startete in Dresdner Neustadt

Feminismus-Rundgang durch Dresden anlässlich des Janes Walks.
In diesem Haus setzte sich die Aktivistin Karin Dauenheimer bereits zu DDR-Zeiten für die Rechte von Homosexuellen ein. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Um die Rechte von Lesben und Schwulen drehten sich die Wortbeiträge anschließend auf dem Martin-Luther-Platz in der Dresdner Neustadt. So erfuhren die Teilnehmer, dass in Haus Nr. 4, wo heute eine Bar zu Hause ist, einst die Aktivistin Karin Dauenheimer gewohnt habe. Bereits in den 1980er-Jahren gründete diese in der DDR einen Arbeitskreis für Homosexualität, um für die Rechte von Schwulen und Lesben zu kämpfen.

Nach zweieinhalb Stunden endete der feministische Stadtrundgang. Uta Gensichen von der Initiative "Dresden zu Fuß", die den "Jane's Walk" nach Dresden geholt hat, zog ein positives Fazit: "Als Wien die Veranstaltung gestartet hat, waren es zum Auftakt vier Walks. Bei uns ging es jetzt gleich mit 15 Veranstaltungen los", freut sich Gensichen. Im Schnitt hätten jeweils zwischen fünf und 20 Menschen teilgenommen. Nächstes Jahr am ersten Maiwochenende gehe es weiter, so Gensichen.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2018, 13:53 Uhr

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8 Kommentare

14.05.2018 11:03 Ichich 8

Sexismus und Rassismus ... meint man die "äußerst zurückhaltende" Berichterstattung über die Frauenmorde von Leipzig, über verstümmelte Leichen ? Außerdem wäre der Vorsitzende des Zwickauer Kunstvereins glaubwürdiger, wenn er zugunsten einer Frau zurückträte

14.05.2018 10:42 ach so 7

"Doch was bedeutet für uns überhaupt Feminismus?
Für uns ist die Kategorie Geschlecht sozial konstruiert und prägt dadurch unser gesamtes soziales Verhalten.
Die biologische Forschung ist für uns dabei immer auch ein menschengemachtes Konstrukt, das sich gegenseitig mit dem sozialen Geschlechterkonstrukt beeinflusst. Diese lang währende Dynamik hat das Geschlechterkonstrukt historisch verfestigt und ihm eine relevante strukturgebende Rolle gegeben."
Auszug aus dem Link: Femininstory
Also an mir mir wurde nichts konstruiert, das ist alles einfach so gewachsen.

13.05.2018 22:15 Paule 6

Was bringt´s? (s. dt Politikerinnen)

13.05.2018 21:18 Alligator 5

Normalerweise betreibe ich meine soziologischen Studien am liebsten bei IKEA. Dort findet man die skurrilsten Typen.

Danke an den MDR für diesen Tip: Ich werde künftig auch den feministischen Stadtrundgang mit einbeziehen.

Und daß der Bestand 19. Jahrhundert keine Künstlerin umfaßt, dagegen sollte dringend mal protestiert werden.

13.05.2018 20:55 ralf meier 4

Diese Feministinnen kritisieren also, das in vielen Bereichen Frauen unterrepräsentiert sind. Nun vielleicht hat das auch mit den Frauen zu tun. In der Zeit online vom 06.06.2013 kann man im Artikel 'Genderforschung Schlecht, schlechter, Geschlecht' lesen: 'Das Geschlechter-Paradox besteht darin, dass sich in freien Gesellschaften mit ausgeprägten Frauenrechten nicht weniger, sondern mehr Frauen für angeblich typische Frauenberufe entscheiden .... Sie werden, ohne Druck, im Durchschnitt lieber Ärztin, Lehrerin oder Journalistin als Statikerin, Ingenieurin,... '
Die Zahlen in Deutschland bestätigen das. So liegt die Frauenquote im Lehramt der Grundschulen bei 80 % . Noch höher ist der Frauenanteil im Bereich der sogenannten Genderforschung. So waren 2015 laut 'Hart aber Fair am 02.03.2015' von 190 Professuren 180 weiblich besetzt . Umgekehrt titelte das Heiseportal am 20.02.2018: 'MINT-Studium: Frauen weniger interessiert, wenn sie die Wahl haben'.

13.05.2018 19:05 Peter 3

Erst mal wollen wir doch den Frauenmangel bei der Müllabfuhr und den Kanalarbeitern beheben, nicht wahr?
Gleichheit ist nämlich sehr wichtig. Vor allem bei den Grundlagen.

13.05.2018 17:33 Beobachter 2

Über das Hambacher Fest mit tausend teilnehmern und klugen Reden hat der MDR nicht berichtet- aber über diese Veranstaltung mit 20 HanselInnen wird ein ganzer Artikel geschrieben.
Zum Thenma.
Besonders hart ist die Frauendiskriminierung bei der Müllabfuhr- nur Müllmänner.

13.05.2018 15:48 knopfi 1

Ach, einfach mal hinsetzen und bedeutende Kunst schaffen. Und vielleicht weniger Pegida-Werbung machen. Dann wird man - Entschuldigung, Frau - auch wahr genommen.