22.04.2020 | 13:59 Uhr Keine Patienten: Reha-Klinik Berggießhübel schließt vorübergehend bis Juni

Ein Patient übt das Gehen unter Anleitung einer Therapeutin an einer Stange.
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Die Median Klinik Berggießhübel stellt ihren Betrieb wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie ab dem 27. April vorübergehend ein. Sie will im Juni wieder Patienten aufnehmen, stellte der kaufmännische Leiter Lars Wunder in Aussicht. Zwei Gründe hätten zum Entschluss geführt: "Zum einen verschieben die Akutkrankenhäuser derzeit planbare Operationen, um Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten zu schaffen. Das wirkt sich auch auf unsere Belegung aus, insbesondere in der Orthopädie", sagte Wunder. Zum anderen seien die vielen Patienten ausgeblieben, die man zur Corona-Nachsorge erwartet habe. Hier hätte man mit deutlich mehr Fällen gerechnet. Kapazitäten, die der Landkreis zunächst ausdrücklich angefordert habe, blieben nun ungenutzt.

Wir gehen davon aus, dass sich die Situation in wenigen Woche wieder normalisiert.

Lars Wunder Kaufmännischer Leiter Median Klinik Berggießhübel

Die Klinik will Patienten in einer anderen nahe gelegenen Kliniken der Unternehmensgruppe Behandlungen anbieten. "Die Mitarbeitenden sind während der Schließung in Kurzarbeit. Ärzten und Pflegekräften wurde eine Entsendung in andere Median-Kliniken angeboten", sagte der kaufmännische Leiter.

Keine Operationen - keine Reha-Anschlussbehandlungen

Die Klinik in Berggießhübel stillzulegen, wenn keine Patienten kommen, nennt der Spitzenverband der medizinischen Rehabilitation, die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (DEGEMED) eine "betriebswirtschaftlich sinnvolle Option". Momentan würden in vielen Bundesländern kaum noch Kniegelenke, Hüften oder Bandscheiben operiert. Reha-Patienten verschöben ihre Kuraufenthalte aber auch freiwillig aus Unsicherheit.

"Das alles ergibt regional eine bunte Gemengelage von teils leeren Kliniken und vollen Einrichtungen", sagte der Verbandsgeschäftsführer Christof Lawall MDR SACHSEN. Er rechnet damit, dass wie in Berggießhübel "viele Rehaeinrichtungen Kurzarbeitergeld oder Zuschüsse in Anspruch nehmen müssen."

Debatte um schrittweises Hochfahren des Krankenhausbetriebs

Hinweisschild Reha-Zentrum
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Sachsens Sozialministerin Petra Köpping hatte angekündigt, in dieser Woche mit den zuständigen Krankenhauskoordinatoren darüber zu diskutieren, wann wieder planbare Aufenthalte und Operationen in Kliniken möglich sind.

Das begrüßt auch der Reha-Verband. "Man muss darüber sprechen, damit auch die Rehakliniken wieder ihre Leistungen anbieten können", sagte Lawall. Wenn wieder planbare OPs in Krankenhäusern stattfinden, brauche es etwa sieben bis 14 Tage Zeit, bis die Patienten in die Rehaeinrichtungen kämen.

Corona-Fall in Bad Gottleuba - aber keine Kurzarbeit

Eine weitere Median Klinik in Bad Gottleuba ist derzeit nicht von Kurzarbeit betroffen, informierte das Unternehmen. Es verfolge die Strategie, die Belegung zwischen den Klinik-Standorten zu verteilen. Im Haus sei jedoch ein Corona-Fall bei einem Patienten bestätigt worden. "Wir werden zeitweise nur eingeschränkt aufnehmen können", sagt eder kaufmännische Leiter Lars Wunder und verwies darauf, dass "die Versorgung der Rehabilitanden in der Klinik auf jeden Fall sichergestellt" sei.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm im MDR MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 20.04.2020 | 16:48 Uhr

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