17.05.2020 | 18:02 Uhr | Update Unternehmer aus Pirna schreiben offenen Brief an Demonstranten

Trotz zunehmenden Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, wird in vielen sächsischen Städten gegen die Beschränkungen demonstriert. Doch nicht nur Bürger, die sich in ihren Grundrechten beschränkt fühlen, gehen auf die Straße, auch Verschwörungstheoretiker, rechte Gruppierungen und Hooligans. In Pirna kam es dabei auch zu Übergriffen auf die Polizei. Das hat jetzt die Unternehmer der Stadt auf den Plan gerufen.

Gastronom Markus Galle aus Pirna hält einen Brief in der Hand
Gastronom Markus Galle aus Pirna gehört zu den Verfassern des Schreibens. Bildrechte: Daniel Förster

Unternehmer, Gastronomen und Geschäftsinhaber aus Pirna haben sich am Sonntag mit einem offenen Brief an die Demonstranten der Corona-Proteste in ihrer Stadt gewandt. Darin fordern sie die Teilnehmer auf, sich von gewaltbereiten Gruppen und Personen zu distanzieren.

Demonstranten laufen durch die Innenstadt von Pirna.
In Pirna gibt es radikalen Tendenzen bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Sorge vor der Gewalt

"Wir alle haben extreme private sowie wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssen, welche wir vielleicht nie wieder aufholen können", schreiben die etwa 70 Unternehmer. Und "auch wir Unternehmer wollen so bald wie möglich zurück in die Normalität". Aber die positiven Schritte in Richtung Normalität würden nun von "deutschlandweiten, negativen Schlagzeilen über unser Pirna bestimmt". Die wöchentlich stattfindenden Demonstrationen durch die Stadt würden leider auch Menschen anziehen, die durch Gewalt, Drohungen und Eskalationen auffielen, so die Unterzeichner.

Dieser Gruppe an Menschen geht es nicht um das Ausüben ihrer demokratischen Rechte. Stattdessen bedrohen und beschimpfen sie unsere Polizisten, welche selbst in keiner Weise verantwortlich für die Situation gemacht werden können, in der wir alle gemeinsam stecken.

Gastronomen, Unternehmer, Geschäftsinhaber aus Pirna Offener Brief

Demonstration gegen Corona-Auflagen in Pirna, viele Menschen stehen auf dem Marktplatz
Bei den Protesten in Pirna kam es mehrmals zu Zwischenfällen von gewaltbereiten Gruppen mit der Polizei. Bildrechte: Marko Förster

Es sei "richtig und wichtig für seine Rechte auf die Straße zu gehen", heißt es. Aber unter die friedlichen Demonstranten habe sich eine gewaltbereite Gruppe gemischt, die die gute Sache für ihre eigenen Zwecke instrumentalisiere.

Und diese gewaltbereite Gruppe wird jede Woche größer.

Gastronomen, Unternehmer, Geschäftsinhaber aus Pirna Offener Brief

Demonstranten laufen durch die Innenstadt von Pirna.
Die Polizei überwacht die Demonstration in Pirna. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Schlecht für das Geschäft

Die jüngsten Vorkommnisse schaden massiv dem Image und dem Tourismus der Stadt, erklärten die mehr als 70 Unterzeichner.

Sie schaden uns als Unternehmer noch mehr als das Virus selbst.

Gastronomen, Unternehmer, Geschäftsinhaber aus Pirna Offener Brief

Und weiter wird in dem Schreiben die Bitte formuliert, den gewaltbereiten Teilnehmern dieser Proteste keinen weiteren Nährboden zu liefern und sich davon zum Wohle der Stadt zu distanzieren. Die Menschen sollten lieber in die Geschäfte und gastronomischen Einrichtungen der "wunderschönen Stadt" gehen. "Damit helfen Sie jedem von uns so viel mehr."

Appell von Innenminister Wöller, genau hinzuschauen

Sachsens Innenminister Roland Wöller hatte in der vergangenen Woche an Organisatoren, Corona-Kritiker und Teilnehmer appelliert, genau hinzuschauen und sich gegen staatsfeindliche, rechtsextreme und verfassungsfeindliche Tendenzen abzugrenzen. Voraussetzung für Demonstrationen sei, dass es friedlich und rechtsstaatlich zugehe und Mundschutz sowie Mindestabstand eingehalten würden.

Wenn Sie auf einer solchen Protestveranstaltung sind, wo versucht wird, verfassungsfeindliche Ziele zu erreichen, dann befinden Sie sich auf der falschen Veranstaltung und sollten sich klar davon distanzieren.

Roland Wöller Sächsischer Innenminister

Quelle: MDR/bb

Mehr aus Freital und Pirna

Mehr aus Sachsen