Interview Bastei-Hotelier appelliert an Vernunft der Wanderer

Als über 100 Feuerwehrleute und Rettungskräfte den Brand nahe des Basteifelsens bekämpfen, blickte ein Mann besonders sorgenvoll auf das Geschehen: Hotelier Dieter Schröter, der das Berghotel Bastei betreibt und Teil des Rettungseinsatzes wurde. Im Gespräch mit MDR SACHSEN schildert er den Einsatz aus seiner Sicht. Und appelliert zugleich an die Vernunft der Wanderer.

Was haben Sie vom Brand mitbekommen?

Zuerst haben das die Gäste mitbekommen, die im Panoramarestaurant diese tolle Sicht haben auf die Gegend und die Brandfläche war ja knapp unter einem Kilometer Luftlinie entfernt auf unserer Seite. Wir haben gleich geschaut, was es sein könnte, damit für unsere Seite, also unser Hotel und Restaurant keine Gefahr besteht. Das war zu dem Zeitpunkt nicht abschätzbar. Aber dann kam auch schon die Feuerwehr und hat Kontakt mit uns aufgenommen, weil sie unbedingt Hilfe brauchten. Nicht Hilfe, dass wir mit anfassen und löschen. Es ist ein Problem oben im Waldgebiet mit der Löschwassersituation. Wir haben ja nur einen Hydranten vorn an der Tankstelle. Durch die mittige Lage des Brandherdes zwischen den beiden Orten Wehlen und Rathen war es kompliziert, die entsprechende Wassermenge dorthin zu bekommen. Wir haben eine eigene autarke Wasserversorgung. Man hat uns einfach gefragt, ob wir Wasser für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stellen können.

Und Sie konnten?

Es war nicht so einfach und ist nicht einfach. Wir haben Uferfiltrat und fördern das selbst. Aber es gibt ja im Moment auch einen relativ niedrigen Grundwasserspiegel. Also, es kann schon eine Gefahr bestehen, wenn wir Wasser aus unserem Brunnen entnehmen, dass wir dann selbst ein Problem bekommen. Wir haben versucht, das vernünftig zu handhaben. Es ist ja dann Gott sei Dank gut gegangen. Man hat am zweiten Tag unser Wasser auch nur noch als Reservepuffer gebraucht, also nicht aktiv genutzt. Am Donnerstag mussten wir es schon zur Verfügung stellen.

Ihr Hotel steht unmittelbar an der Bastei. Wie geht es Ihnen, wenn in diesem Gebiet ein Brand in diesem Ausmaß entsteht?

Man konnte die Rauchsäule weithin sehen. Das hat schon einige Leute aufgeschreckt. Zu Recht. Ich finde, es ist wichtig, dass sich jeder ein bisschen benimmt, vor allem im Umgang mit Feuer und Zigaretten. Er muss sich so benehmen, wie es sein sollte, nämlich Rücksicht zu nehmen auf die Natur. Ich weiß nicht, was die Ursache war. Aber wenn man im Waldgebiet ist bei so einer Trockenzeit, sollte man auf das Rauchen verzichten. Der Staatliche Forst warnt ja nicht umsonst.

Wie ist der Zugang zur Bastei?

Der Zugang war am ersten Brandtag ganz kurz eingeschränkt, als die Feuerwehr geschaut hat, wo der Brandherd ist. Das war maximal für eine halbe Stunde gesperrt. Seitdem ist die Zufahrt offen, die Parkplätze und das Hotel benutzbar. Das ist wichtig, denn wir haben viele Tagesgäste. Seit Freitagmorgen hat bei uns ständig das Telefon geklingelt. Die Leute wollten wissen, was denn auf der Bastei für ein Schaden ist. Ob es das Hotel getroffen hat, wie hoch die Brandschäden sind, ob sie kommen dürfen und die Bastei zugänglich ist. Aber die Bastei ist ja nur ein kleiner Felsen, ein Felsenrücken, auf dem wir drauf sind. Wir sind nicht berührt worden von der Brandsituation.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: MDR/pb/kk/dk

Bildergalerie Brand im Nationalpark Sächsische Schweiz - Tag 2

Auch am Tag nach dem Ausbruch eines Feuers in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz wurde den Einsatzkräften alles abverlangt.

Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Auch am Freitag waren die Rauschwaden noch zu sehen. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Auch am Freitag waren die Rauschwaden noch zu sehen. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Immer wieder loderten Flammen auf. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Das Feuer war am Donnerstagmittag im Basteigebiet in der Nähe des Hirschgrundes am Felsen "Kraxelbrüderscheibe" ausgebrochen. Die Ursache steht noch nicht fest, die Behörden vermuten Fahrlässigkeit. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Insgesamt waren an den beiden Tagen rund 180 Feuerwehrleute und Rettungskräfte im Einsatz. Wegen der schwierigen Beschaffenheit des Bodens wurde auch Löschschaum eingesetzt. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Mitarbeiter der Bergwacht und Höhenrettung sicherten Feuerwehrleute und seilten sich mitunter auch selbst zu schwer erreichbaren Brandnestern ab. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Das Feuer hatte in einem teilweise schwer zugänglichen Gebiet gelodert. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Die Feuerwehrkräfte arbeiteten sich vom hinteren Teil der Fläche an die Felskante vor. Bildrechte: Daniel Förster
Brand Nationalpark Sächsische Schweiz - Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz
Weil die Löscharbeiten nachts im Dunkeln zu gefährlich gewesen wären, wurden sie erst am Freitagmorgen wieder aufgenommen. Vormittags wurde weiteres Personal zum Brandort gebracht, um erschöpfte Einsatzkräfte abzulösen. Bildrechte: Daniel Förster
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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.08.2018 | 16:10 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 03. August 2018, 20:30 Uhr

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1 Kommentar

04.08.2018 11:29 real_silver 1

Feuer machen ist verboten - die Leute tun's halt trotzdem. Ist ja nur ein ganz kleines, da kann man schonmal ein Auge zudrücken. Das Rauchen weglassen können ja die anderen, wieso sollte man selbst auf den Stängel verzichten? Und hey, die Glasflasche musste halt weg - ist ja eh kein Pfand drauf. Also wieso wieder mit nach Hause schleppen, einfach über's Geländer drüberwerfen und gut ist.

Es sind solche Denkweisen, die immer wieder dafür sorgen, dass Brände entstehen - und gleichzeitig noch die Natur zugemüllt wird. Ich habe auch schon einiges an Plastik und Glas aus dem Wald rausgefischt - erst gestern wieder eine kleine Sektflasche, die hübsch auf einer großen Menge trockenen Laubs positioniert war. Ich glaube nichtmal, dass die Leute sowas aus purer Bosheit oder Dummheit machen - es ist ihnen schlichtweg egal. Nach mir die Sintflut, auf die Natur achten können die anderen.

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